Selçuk und Ephesos – Alkohol und Ruinen

7. Oktober 2014 • Türkei • Views: 4799

Beim ersten Cay in Selcuk entschieden wir uns notgedrungen dafür, eine andere Unterkunft zu buchen, da die Gastgeberin unseres angefragten Airbnbs kurzfristig abgesagt hatte. Wir wurden dann vom Otogar(Busbahnhof) in Selcuk abgeholt und zu Atillas Getaway, etwa 2km außerhalb von Selcuk gefahren. Den Pool haben wir natürlich sofort ausprobiert und wurden dann später auch dafür bewundert, oder auch deswegen für verrückt erklärt (“You were the guys who jumped in the pool, right?”). Dabei war das Wasser mit geschätzten 18° garnicht so kalt und bot die perfekte Erfrischung nach dem langen Reisetag.

Anschließend gab es Abendessen und danach den ersten Drink an Attilas Bar, dem türkisch-australischen Namensgeber und Gründer dieses Backpacker Refugiums. Der Mittvierziger lebt sein Leben in vollen Zügen (Vodka Sour und Marlboro) aus und ist ein wahrer Entertainer und Vermittler zwischen den Menschen. Er überredete uns dazu beim Killer-Pool mitzuspielen und mich, noch weitere Mitspieler zu rekrutieren. Am Ende waren 13 Lira von insgesamt 13 Spielern im Topf und die Show konnte beginnen. Zu den Regeln: Jeder Spieler hat drei Leben und verliert immer dann eines wenn er keine oder mehr als eine Kugel einlocht. Die Schwarze bringt ein Extra-Leben und die Weiße zählt natürlich nicht. Julia, die laut eigener Aussage sehr schlecht ist beim Billard, gewann mit großem Vorsprung das Killerpool, strich den imensen Gewinn ein und trat direkt aus ihrer Karriere zurück und wurde somit zum unbesiegten Champion des Abends. Das Spiel hat sich sehr gut dazu geeignet die Namen der Mithäftlinge, äh… Mitbewohner kennenzulernen und bot außerdem eine gute Bühne für Atilla, der berufs- und lebensstilbedingt einige gute Gechichten auf Lager hatte. Außerdem durften wir erfahren, dass Seiten wie hostelworld.com und booking.com pro Buchung 15% der Kosten kassieren. Und das, obwohl diese Seiten eigentlich keine besondere Leistung außer einer Sammlung aller verfügbaren Unterkünfte bietet. Die Buchung per Telefon oder direkt auf der eigenen Homepage der Unterkunft, hilft mit die Kosten des Betreibers niedrig zu halten. Die Ersparnis wirkt sich in den meisten Fällen direkt auf den Zimmerpreis aus.

 Tag 2 Selcuk

panorama selcuk

Dieses Bild habe ich am darauffolgenden Morgen vom Dach der Unterkunft geschossen und man sieht die weite, trockene Landschaft, durch die ein Wanderweg nach Ephesos führt. Nach dem Frühstück sind wir mit dem australischen Ehepaar Dan und Amanda sowie dem kanadischen Paar Dimitri und Cat aufgebrochen, um eben jenem Wanderweg zu folgen. Auf dem Weg begegneten wir Mr Turtle, der eher widerwillig als Fotomodel posierte, seinen Job aber sehr gut gemacht hat.

 

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Nach einer leckeren Schildkrötensuppe wanderten wir weiter und ich unterhielt mich mit den beiden Männern über Fahrräder und Waffen in unserer jeweiligen Heimat. In Toronto ist die Autolobby so stark, dass Fahrradspuren schon wieder beseitigt wurden. Bei der imensen Weitläufigkeit von Kanada und Australien wird das Fahrrad dort eher als Freizeitgerät, denn als Fortbewegungsmittel genutzt. Die Damen der Schöpfung unterhielten sich weiter vorne wahrscheinlich über Männer, ich glaube das ist geheim.

Die Ausgrabungsstätte von Ephesos beeindruckte uns nicht nur mit ihrer schieren Größe. Besonders das große Stadion ist atemberaubend. Bevor es 262 n. Chr. größtenteils von einem Erdbeeben zerstört wurde, fanden hier bis zu 25.000 Zuschauer Platz und auch die dreistöckige Fassade des Austragungsortes für Theater, Musik, Sport und auch Talentwettbewerbe(Ephesos sucht den Superstar) muss beeindruckend gewesen sein. Auch die Vorstellung, dass das verbliebene Gerippe der Bibliothek mal ein Dach hatte, ließ uns staunen und in bedächtiger Stille die Athmosphäre genießen.

 

JUMA vor Stadion in Ephesos

hier sieht man uns mit dem großen Stadion von Ephesos im Hintergrund

 

Fassade der imposanten Bibliothek von Ephesos

 

Zu guter letzt wanderten wir noch durch die Überreste einer Kirche mit einer Länge von 145m und einer Breite von 35m, die noch bis  ins frühe Mittelalter genutzt wurde. Hier war auch gerade ein österreicheisches Ausgrabungsteam mit Pinsel und Staubsauger am Werke. Nach drei Stunden in der prallen Sonne hatten wir dann aber genug von der Stätte und fuhren, mit Eis und Granatapfelsaft gestärkt zurück ins Hostel und sprangen natürlich wieder (“Crazy Germans”) direkt in den Pool.

Beim Essen lernten wir Stephan kennen, der schon seit einem Monat unterwegs ist und ebenfalls Iran besuchen, von dort allerdings weiter über Land durch Pkistan nach Indien reisen will. Zwischen uns fand ein reger Austausch statt und wir hoffen, ihn in Iran wiederzutreffen. Wider erwarten schafften wir es doch bis nach Mitternacht wach zu bleiben und ein Ständchen für Julias 29. Geburtstag anzustimmen. Nachdem Julia dann ein kleines Feuerwerk abgebrannt hatte fielen wir glücklich und mit müden Gliedern ins Bett.

Tag 3 Reisetag

Am nächsten morgen packten wir unsere Rucksäcke, frühstückten, verabschiedeten uns von unseren neuen Bekanntschaften und brachen zum Bahnhof in Selcuk auf. Von hier stiegen wir in den Zug nach Denizli, einer industriell geprägten Stadt in der Nähe der Kalkterassen von Pamukkale. Auf der Zugfahrt sortierten wir Fotos, lasen, bewunderten die schöne Landschaft und beschäftigten uns mit den Kindern die mit uns reisten.

mädchen hört Apparat

kleines Mädchen hoert Apparat&Ellen Allien

Bei der Fahrt im Dolmus nach Pamukkale, erzählte uns ein greiser Türke von den vielen Veränderungen in der Region und gab uns ein paar Lektionen türkisch. In Pmukkale angkommen freute Julia sich über ihre Geburtstagsüberraschung. Ich hatte ein Hotelzimmer mit Whirlpool gebucht und schon vorab darum gebeten einen Geburtstagskuchen zu organisieren. Leider musste ich die Rezeption nochmal daran erinnern und Julia konnte das Ganze durchs geöffnete Fenster mithören. Gefreut hat sich sich dennoch sehr über meinen Überraschungsversuch.

Nachdem wir am Pool relaxt hatten, zogen wir los um das Naturwunder von Pamukalle zu besichtigen. Wir fühlten uns beide so, als wären wir auf dem Weg zum Wintersport als wir den vom Kalk bedeckten Berg zum ersten Mal sahen und konnten kaum glauben, dass das kein Altschnee, sondern jahrtausende alte Kalkablagerungen waren, durch die 30° warmes Wasser lief.

Oben angekommen besuchten wir nach kurzer Rast das antike Bad, das vom ca 30° warmen Thermalwasser gespeist wird. Hier ließen wir uns treiben und genossen die sehr entspannte Zeit in dem Bad und trafen auf eine alte Türkin, die lange bei Telefunken in Deutschlanf gearbeitet hatte. Sie berichtete uns von der gesundheitsfördernden Wirkung des Wassers und sah für ihr Alter wirklich noch sehr frisch aus. Nachdem sie uns ihren Segen für eine Heirat und drei Kinder gegeben hatte, war es an der Zeit den Weg zurück anzutreten. Kurz nach Sonnenuntergang boten die Kalkterrassen ein noch viel größeres Schauspiel und wir ließen uns dementsprechend viel Zeit, bevor wir zum Abendessen wieder im Hotel waren, wo wir den Rest von Julias Geburtstag mit gutem Essen, Wein und Kuchen zelebrierten.

Einen Besuch der Kalkterrassen kann ich jedem empfehlen, der Verkehrsknotenpunkt Denizli hatte allerdings nicht so viel zu bieten und somit ging es am folgenden Tag direkt weiter mit dem Bus in Richtung Lykische Küste und somit Richtung Meer.

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