Die Great Ocean Road und der Weg nach Adelaide

15. Februar 2016 • Australien • Views: 4398

25.12.2015

Am ersten Weihnachtsfeiertag starten wir unseren Roadtrip von Melbourne über die Great Ocean Road nach Adelaide. Die Sonne strahlt, es ist heiß und wir haben unsere neuen Bodyboards im Gepäck.

Kurz vor Geelong steht ein sehr besorgniserregendes Informationsschild: Great Ocean Road between Lorne and Apollo Bay closed – bush fires. Das gute Wetter hat also wohl nicht nur Vorteile. Uns wird empfohlen, außenrum zu fahren, was wir erst mal ignorieren. In Lorne leben zwei weitere Freunde von uns, die wir besuchen wollen. Wir beschließen, nach Torquay zu fahren und unsere Bodyboards am dortigen Surfstrand auszuprobieren.

Einen Parkplatz hier zu finden ist eine echte Aufgabe. Christmas Day ist in Australien viel wichtiger als Heiligabend und das ganze Land verbringt den Tag draußen beim Grillen. So auch in Torquay. Jeder schattige Fleck ist belegt von grillenden Großfamilien.

Die Wellen in Torquay sind schnell und hoch und nach anfänglicher Scheu schießen Malte und ich ganze zwei Stunden durchs Wasser. Was für ein Riesenspaß! So macht Strandurlaub auf einmal Sinn. Schwimmen ist uns beiden zu langweilig und nur in der Sonne braten ist in Australien auch keine Option. Wir freuen uns schon auf Bali, wo wir das erste Mal Surfen ausprobieren wollen.

Als wir nach Lorne weiterfahren wollen, werden wir an einem Kreisverkehr von der Polizei angehalten. Das Buschfeuer breitet sich aus und Lorne ist nun direkt bedroht. Der Polizist erklärt uns, dass die Stadt voraussichtlich gegen Abend evakuiert wird und er uns zwar weiterfahren lassen kann, aber uns eigentlich rät, in Torquay eine Unterkunft zu finden. Wir nehmen seinen Ratschlag an und erwischen mit viel Glück den Besitzer eines Campingplatzes, der uns auf sein eigentlich ausgebuchtes Gelände lässt.

kein Weiterkommen

kein Weiterkommen

Der Campingplatz ist direkt am Strand, also gehen wir noch eine Runde Bodyboarden, bevor wir unser Zelt zum ersten Mal aufbauen. Wir stellen fest, dass es winzig ist. Weder Malte noch ich können uns komplett ausstrecken. Hinzu kommt, dass wir genau vier Heringe haben, was reicht, um das Zelt im Boden zu verankern, aber leider nicht, um die Regenplane vernünftig abzuspannen.

Für heute Nacht sind Gewitter angekündigt, die gegen 11 Uhr Abends dann leider auch beginnen und die ganze Nacht anhalten, sprich – wir saufen ab, aber so richtig. Es ist schweinekalt, unsere Haare sind nass, da sie die dünne Zeltwand berühren, unsere Regenplane hat sich im Sturm verabschiedet, unsere Decke ist zu dünn, die Isomatten sowieso… wir verbringen eine jämmerliche Nacht im Wasser und als wir gegen sechs Uhr morgens den Himmel hell werden sehen, springen wir auf und rennen zum Duschbereich, wo wir uns zwanzig Minuten unter die heiße Dusche stellen. Danach trinken wir in der Campingküche Kaffee.

erstmal aufwärmen

erstmal aufwärmen

Unsere nächste Mission ist klar: Dieses Zelt wird entsorgt und wir fahren nach Geelong, um ein neues, größeres zu kaufen und eine vernünftige Luftmatratze.

26.12.2015

Nach dieser Horrornacht sind wir beide fix und fertig und wir haben wieder ähnliche Gedanken wie bereits in Neuseeland: 30 Jahre alt und im zu kleinen Zelt mit einer Rostmühle von 1998 in Australien campen? Was tun wir uns hier eigentlich an? Wenigstens ist die Straße nach Lorne wieder offen und wir fahren direkt dorthin. Dramatische Küstenlinien und bildhübsche Strände entschädigen uns schnell für die Strapazen der vergangenen Stunden.

Unterwegs telefonieren wir mit Nina, die tatsächlich evakuiert wurde und die Nacht mit Siana im Auto in Torquay verbracht hat. Wir verabreden uns für später in Lorne, aber sowohl sie als auch wir verschlafen erschöpft den ganzen Nachmittag. Später fahren wir über einen wunderschönen Umweg durch das Hinterland der Great Ocean Road nach Apollo Bay.

Das Gewitter hat zwar sowohl unser Zelt besiegt als auch einen sauberen Temperatursturz um ca. 20 Grad bewirkt, aber das Buschfeuer brennt nach wie vor. Dementsprechend leer ist es in Apollo Bay, da viele Urlauber sich wohl gegen ihren Weihnachtsurlaub in der Gefahrenzone entschieden haben. Dabei ist Apollo Bay überhaupt nicht betroffen. Wie durch ein Wunder sind übrigens keine Menschen zu Schaden gekommen, es gibt nicht mal Verletzte. Etwa 150 Häuser hat das Feuer allerdings konsumiert.

Die Nacht ist dieses Mal zwar trocken, aber immer noch zu kalt. Wir klammern uns bibbernd aneinander (sind Hostels wirklich sooo teuer…).

unisoliertes Eigenheim

unisoliertes Eigenheim

27.12.2015

Hurra, die Sonne scheint und es ist angenehm mild. Perfekt, um den zweiten Abschnitt der Great Ocean Road zu beginnen. Der erste Teil besteht normalerweise hauptsächlich aus Surfstränden und schöner Küstenstraße. Leider hat uns das Feuer hier einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht, weshalb wir nun auf etwas mehr Glück auf dem Sightseeing-Abschnitt der Great Ocean Road hoffen.

Los geht’s mit der Otway Peninsula. Berühmt ist sie für ihren schönen, weißen Leuchtturm und die Tonnen von Koalas, die hier überall in den Bäumen chillen. Schon nach wenigen Metern müssen wir eine dramatische Bremsung (gutes Auto, braves Auto) hinlegen, um nicht in drei halb auf der Straße geparkte Mietwagen zu krachen. Der Grund: Über uns hängen Koalas, ganz süße und dicke!

omnomnom... Eukalyptus

omnomnom… Eukalyptus

Der Otway-Leuchtturm ist ein interessantes Relikt aus Kolonialzeiten. Dieser Abschnitt der australischen Küste heißt nicht umsonst Shipwreck Coast: zahlreiche Schiffe aus England fanden hier, so kurz vor der Ankunft in Melbourne, ihre letzte Ruhe. Der Leuchtturm war neben seiner Funktion als Orientierungs- und Warnpunkt außerdem dafür zuständig, mit den Schiffen über Flaggen zu kommunizieren. Sind die Passagiere an Bord gesund? Braucht das Schiff Hilfe, gibt es wichtige Nachrichten, die sofort übertragen werden müssen?
Mit der Einführung des Telegraphen wurde die Bedeutung dieser ersten Kontaktaufnahme allerdings schnell geringer. Zwar wurde anfangs auch vom Leuchtturm aus fleißig gemorst, später jedoch gingen wichtige Nachrichten aus London auf dem direkten Weg nach Australien.

Auch hier: Ein informatives Aborigine-Zentrum, in dem wir einen Anthropologen kennen lernen, der sich auf Urvölker spezialisiert hat. Der Mann ist unglaublich: Wir erfahren in einem halbstündigen Vortrag gefühlt alles über die Geschichte und das Schicksal der Aborigines, von der Bedeutung des Wortes Nomadentum (Aborigines wanderten saisonal, aber hatten sehr wohl auch Siedlungen) bis hin zu dem Fakt, dass das einzige noch intakte Korallenriff der Welt in den Gebieten der Aborigines im Norden des Landes zu finden ist.

Dann geht es weiter über die schöne Straße, die sich nun durchs Landesinnere schlängelt, bis nach Port Campbell. Hier suchen wir uns einen Campingplatz und hoffen auf gute Wellen am hiesigen Strand. Leider werden wir enttäuscht und verbringen den Nachmittag mit Chillen.

Auf eindringliche Empfehlung meiner Schwester Sonja fahren wir erst gegen Abend in Richtung der 12 Apostel. Die wunderschöne Loch Ard Gorge und die röhrende Thunder Cave lassen sich im Abendlicht toll fotografieren.

Loch Ard

Loch Ard

Erst zum Sonnenuntergang fahren wir zum angepriesenen Highlight der Great Ocean Road. Diese Idee hatten nicht nur wir: Horden von Indern, Chinesen und Europäern drängen sich auf dem Aussichts-Weg, um die zugegeben bildhübschen Kalksteinformationen zu fotografieren, die das Meer auf diese seltsame Art und Weise geformt hat. Wir bleiben bestimmt über eine Stunde hier und Malte schießt Foto nach Foto.

Selbst nach Sonnenuntergang sind wir noch da, wieder auf Empfehlung meiner Schwester, die den pinken Afterglow, der die Luft durchtränkt, als das Schönste, was sie jemals gesehen hat, beschrieben hat. Da es heute jedoch etwas bewölkt ist, ist der Effekt wohl nicht so intensiv wie sonst. Auf jeden Fall kann dieser Sonnenuntergang nicht mit dem, den wir in Milford Sound erlebt haben, mithalten.

28.12.2015

Nach einer weiteren sternenklaren, kalten Nacht, fahren wir weiter nach Warrnambool, wo wir wieder Bodyboarden gehen und uns endlich eine wärmere Decke kaufen. Heute geht es vor allem ums Strecke machen, da wir in zwei Tagen bereits in Adelaide sein wollen. In Cape Bridgewater machen wir an einem wunderschönen Strand Mittagspause.

Noch ein paar Stunden weiter fahren wir durch typisch-australische Landschaft bis knapp über die Grenze nach South Australia, wo wir am Eight Mile Creek einen kostenlosen Beach Camping-Spot finden, der aus allen Nähten platzt.

Neben einer Großfamilie Maoris (wir können es gar nicht glauben, dass wir Maoris vor Aborigines in Australien finden!) lernen wir außerdem unseren Nachbarn Ian kennen, einen sehr freundlichen älteren Australier. Er kommt aus Queensland und kennt – ich kann es kaum glauben – den Pub, in dem ich vor zehn Jahren gearbeitet habe! Wir sitzen mit ihm noch gemütlich bei einem Bier zusammen und ratschen unterm Sternenhimmel. Heute Nacht ist uns endlich warm.

29.12.2015

Wir fahren weiter nach Mt. Gambier, wo wir frühstücken und den Blick auf den knalltürkisen Blue Lake genießen. Danach fahren wir entlang der Küste die Strände in Southend und Beachport ab, auf der Suche nach ein paar Wellen zum Bodyboarden. In Beachport werden wir fündig, wobei diese Wellen nichts im Vergleich zu Torquay sind.

In Robe machen wir Halt für ein Picknick an einem kleinen See, an dem wir australische Familien beim Wasserskifahren beobachten. Danach geht es auch hier zum berühmten Surfstrand und wir holen die Bodyboards noch einmal heraus.

Dann geht es weiter nach Kingston, 270 Kilometer südlich von Adelaide. Hier treffen wir unseren Couchsurfing-Host für heute Nacht, Jimmy. Jimmy hat vor 10 Monaten bereits meine Mutter auf ihrem Australien-Trip beherbergt und mir wurde von ihr ans Herz gelegt, das Gleiche zu tun. Wir treffen ihn und seinen Angestellten an der Bootsrampe in Kingston und fahren mit ihnen gleich mal raus aufs Wasser, die Crabpots nach Beute checken.

Als wir auf seiner Farm ankommen, erwarte ich eigentlich ein etwas heruntergekommenes Holzhaus, in dem schon lange niemand mehr sauber gemacht hat. Umso überraschter bin ich, als wir das sehr ansprechende, blitzblanke Backsteinhaus betreten, in dem wir ein sehr hübsches Zimmer beziehen. Danach nimmt uns Jimmy mit zu seinen Schafen und wir helfen beim Füttern. Er gibt uns noch eine kleine Tour mit seinem Jeep über seine Farm und wir erleben einen der geilsten Sonnenuntergänge unserer Reise, als wir mitten auf einer Weide der goldenen Sonne dabei zusehen, wie sie hinter den Bäumen versinkt.

Jimmy ist ein sehr lebendiger, lebensfroher Mensch. Er redet ohne Punkt und Komma und lässt einen derben Witz nach dem anderen vom Stapel. Er feiert die Tatsache, dass ich die Tochter meiner Mutter bin ziemlich und versucht, mich den ganzen Abend durch zweideutige (oder auch ganz eindeutige) Kommentare aus dem Konzept zu bringen. Sogar Malte tue ich irgendwann Leid.
Im Grunde ist er aber ein herzensguter Kerl, der uns tonnenweise Tipps für unsere Route nach Adelaide gibt und uns anbietet, unser Auto zu kaufen, wenn es sonst keiner nimmt.

30.12.2015

Der letzte Abschnitt unseres Roadtrips nach Adelaide fängt mit einer abenteuerlichen Fahrt über die Old Coorong Road an, einer staubigen Sandpiste, die durch den gleichnamigen National Park führt – und an einem riesigen Salzsee vorbei. Auf diesem Salzsee sehen wir Reifenspuren, was Malte als unwiderstehliche Einladung versteht, unseren armen Camry auf ein weiteres Abenteuer zu schicken.
Wir fahren also auch auf den See und Malte stellt schnell fest, dass man hier ganz hervorragend driften kann. Ich sitze schreiend auf dem Beifahrersitz. Malte schreit auch, aber vor Freude.

Und dann stecken wir fest. Unsere Reifen drehen im feuchten Schlick unter der Salzkruste hoffnungslos durch und ich kann nicht anders, als mein „Hab-ichs-doch-gesagt“-Gesicht aufzusetzen, während wir mit den Fußmatten unseres Autos versuchen, die Reifen aus ihrem Gefängnis zu befreien.

Nach etwa zwanzig Minuten haben wir großes Glück – am Ufer tauchen zwei große 4WD-Vans auf, die auf unser hektisches Winken auf den See gefahren kommen. Es sind zwei junge Paare, die ihre Spielzeuge auf den Sandpisten und Offroad-Tracks des National Parks ausprobieren. Die Jungs sind sofort Feuer und Flamme, uns mit ihren Wägen und Seilwinden herauszuziehen und machen sich an die Arbeit. Fünf Minuten später können wir den See mit unserer armen Klapperkiste verlassen. Ein weiteres Abenteuer mit Happy End.

Zurück auf dem Highway fahren wir dann recht zielstrebig bis nach Adelaide. Durch unsere kleine Exkursion haben wir viel Zeit verloren und können unseren geplanten Umweg über ein paar weitere Surfstrände leider nicht machen. Auf dem Weg sehen wir jedoch noch ein paar riesige Pelikane, die majestätisch durch die Luft segeln. Gegen sechs Uhr erreichen wir Adelaide und unseren Freund Ryan, der uns für die nächsten Tage beherbergt.

Tags: , , ,

2 Responses to Die Great Ocean Road und der Weg nach Adelaide

  1. […] unserem doch recht anstrengenden Roadtrip entlang Australiens Südküste steht uns der Sinn nach Entspannung und etwas Luxus. Wie passend, dass Ryan in West Beach, einer […]

  2. […] Air ist herrlich komfortabel. Nach wochenlangem Schlafen im Auto oder Zelt und nach unserem feuchtfröhlichen Roadtrip durch Balis Berge kommt Malte und mir eine kleine, […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.