Von Brisbane nach Sydney – Roadtrip durch Australien

16. September 2015 • Australien • Views: 6860

13.02.2015

Wir nehmen den Gold Coast Highway nach Surfer’s Paradise und Main Beach, wo wir auf Empfehlung meiner Freundin Maike in einem Café frühstücken. Als wir einen Blick auf die Karte werfen, zieht’s uns die Schuhe aus. Die Preise hier sind sehr westlich. Nach unserer Finanzwatschn in Kuala Lumpur sind das keine erfreulichen Nachrichten, aber da können wir wohl nichts machen. Auf diesen Schreck (und vor allem nach diesem Flug) bestelle ich ein vegetarisches Frühstück mit Avocado, Portobello-Pilz und pochierten Eiern, dazu einen echten Cappuccino und Orangensaft. Malte gibt sich das Farmer’s Breakfast mit Speck, Würstchen, Kartoffeln und einem fetten Spiegelei. Wir sind im siebten Himmel.

Danach gehen wir an den Strand, den Pazifik anschauen. Der dritte Abschnitt unserer Reise beginnt hier offiziell, am dritten Weltmeer, das wir erreichen. Malte macht mir in der Euphorie gleich noch einen Heiratsantrag, während stürmische Wellen um unsere Füße spülen.

Nächster Programmpunkt: Ein Plätzchen finden, an dem wir schlafen können. Wir sind gejetlagt und unausgeschlafen und sehnen uns nach einem Stückchen Strand nur für uns. Nach einer kurzen Suche werden wir in einer windstillen Bucht fündig und schlafen zwei Stunden lang. Danach sieht die Welt schon gleich ganz anders aus. Wir nehmen ein erfrischendes Bad im nicht ganz so Thailand-warmen Wasser und schauen den Australiern um uns herum beim Grillen und Boot fahren zu. Danach gehen wir auf die Suche nach einem Supermarkt und decken uns mit Lebensmitteln ein. Wir sind beide sehr empfindlich, was wir kaufen sollten und was nicht. Alles hier sieht teuer aus! Der Dollar ist zwar schwächer als der Euro, aber die Preise sehen mit nur einer Zahl vor dem Komma den deutschen zu ähnlich. Als Malte eine Pfeffermühle in den Einkaufswagen legt, die 50 Cent mehr kostet als der gemahlene, erhält er tatsächlich eine Standpauke von mir.

Abends treffen wir dann Maike und ihren Freund, die uns in seiner Wohnung empfangen. Die Schwester ist auch da und wenig später sitzen wir zu fünft am Küchentisch und spielen Dominion. Ausgerechnet Dominion! Malte und ich haben vor Jahren mit meiner damaligen Mitbewohnerin Uta eine ausgeprägte Sucht nach diesem Spiel entwickelt. Dass wir ausgerechnet am anderen Ende der Welt auf Dominion-Fans treffen, hätten wir im Traum nicht erwartet.

Gegen neun fahren wir dann gemeinsam mit Maike nach Brisbane. Wir schlafen heute Nacht bei ihr. Davor zeigt sie uns ihr Viertel, das schicke Westend, und wir sitzen bald in der ersten von vielen kleinen Brauereien, die überall in Australien und Neuseeland großen Zulauf erhalten. Alex, Maltes ehemaliger Mitbewohner aus Augsburg, gesellt sich ebenfalls zu uns. Er ist seit 1 ½ Jahren in Australien und denkt nicht daran, wieder nach Hause zu fahren. Er erzählt Malte, was er schon alles gemacht hat, seit er hier war. Er hat sogar einen eigenen Pizzaofen besessen, mit dem er auf Märkten Pizza verkauft hat. Ansonsten macht er Malte den Mund wässrig mit den Verdienstmöglichkeiten in Fabriken und Minen.

Maike ist seit inzwischen vier Jahren in Australien. Seit ihrem Auslandssemester hat sie dieses Land nicht mehr losgelassen. Sie kam damals nur kurz für unseren Abschluss zurück nach Deutschland und ist dann gleich wieder abgehauen. Sie wirkt, wie Alex, sehr glücklich und entspannt. Wie damals reden wir ohne Punkt und Komma und auf einmal ist es sehr spät. Als wir wieder bei ihr sind, überlässt sie uns ihr Bett und wir fallen in einen traumlosen, tiefen Schlaf.

14.02.2015

Wir schlafen bis nach 11 Uhr und müssen uns beeilen, um noch rechtzeitig zu Maikes Kaffeestand auf dem lokalen Obstmarkt mit angeschlossener Fressmeile zu kommen. Sie gibt uns einen Kaffee umsonst und setzt sich noch kurz zu uns, bevor sich unsere Wege trennen. Wir brechen heute auf Richtung Süden und möchten den Abend in Byron Bay verbringen. Nach einer herzlichen Verabschiedung fahren wir noch kurz nach Brisbane City und ich lasse ein paar Erinnerungen von vor neun Jahren wieder aufleben. Danach nehmen wir den Highway ins Landesinnere, das uns mit grünen Wiesen und vielen Kühen überrascht. Australien hat Malte sich anders vorgestellt, mehr so wüstenmäßig und überall rote Erde. Das fruchtbare Hinterland der Ostküste sieht eher aus wie Österreich, vor allem, als es dann auch noch richtig bergig wird.

Wir machen an einem kleinen Fluss mitten in den Bergen halt. Hier lernen wir eine sehr dicke Familie mit sehr dicken Hunden kennen, die sich sehr darüber freuen, an diesem wunderschönen Fleck auch mal ein paar nicht-australische Touristen zu treffen. Das Wasser des Flusses ist klirrend kalt und genau das Richtige an einem so sonnigen Tag. Nach einer kurzen Brotzeit fahren wir weiter zu unserem ersten Zwischenziel: Die Drogi-Hippie-Stadt Nimbin.

Hier leben seit Ende der Siebziger statt der zu erwartenden Bauern ein paar Hundert Hippies, die nach dem dort stattfindenden Aquarius-Festival einfach nicht mehr gegangen sind. Heute sind sie alle so um die 70 und machen einen Riesen-Reibach mit Tagestouristen aus Byron Bay, die hierher zum Gras und Haschkekse kaufen fahren. So auch wir. Wir essen eine teure, aber genial schmeckende Pizza aus dem Steinofen und trinken einen Kaffee, bevor wir uns auf die Suche nach einem Dealer machen. Bei den abgeranzten Aborigines im kleinen Stadtpark werden wir fündig. Zusätzlich zu unserem Grasbeutel erhalten wir außerdem eine kleine Lektion in australischer Geschichte und eine Riesenportion Frust einer unterdrückten Minderheit, die sich offenbar anders als durch Drogen und Alkohol nicht mehr zu helfen weiß. Ich böser Tourist habe die wahre Flagge Australiens nicht auf Anhieb erkannt und werde Opfer einer wütenden, mit Beschimpfungen gespickte Hasstirade einer betrunkenen Frau meines Alters. Wir schauen, dass weiterkommen und fahren weiter nach Byron Bay.

Dort angekommen holen wir uns zwei Kängurusteaks im Supermarkt und eine Tüte Coleslaw. Wir wollen sie bei den öffentlichen Grillstellen, die jeder australische Strand hat, grillen und dabei aufs Meer sehen. Leider hat die Stadt die Grills für heute Nacht bereits ausgestellt. Es bleibt uns also ein Salat mit ein bisschen Brot, arme Schlucker die wir sind. Dafür gibt es zum Nachtisch einen großen Lobster, der ziemlich stark gerät und den Strand für Malte zum Erlebnis und für mich zu etwas Gruseligem macht. Wir stehen in der Schwärze und vor uns brüllt die Brandung des Pazifiks. Als die Wirkung etwas nachlässt, kann ich mich von der Macht und der Wildheit dieses Ozeans auch gefangen nehmen lassen. Anschließend entwerfen Malte und ich im Sand eine total tolle Business-Idee, die so gut ist, dass ich sie auf gar keinen Fall weitersagen werde. Ehrlich.

Ein wenig später ist es so weit, die erste Nacht im Auto steht an. Wir haben außer unseren Inlets und Maltes Campingkissen (meines liegt in Kambodscha) nichts, was unsere Nacht angenehmer gestalten könnte. Dazu kommt, dass wir von der Mietwagenfirma eine Limousine (grundsätzlich ein Upgrade) zur Verfügung gestellt bekommen haben, die einen mit der Fahrerkabine nur durch ein etwa 90 cm hohes Loch verbundenen Kofferraum hat. Das weiß ich deshalb so genau, da ich quer mit meinem Hintern gerade so reinpasse. Es ist furchtbar unbequem. Der Boden ist hart. Umdrehen geht nur, wenn der Partner mitmacht. Zu allem Überfluss schließt sich das Auto außerdem automatisch ab. Als Malte eine der Türen von innen öffnen möchten, schrillt auf einmal die Alarmanlage los und weckt garantiert den ganzen Campingplatz. Es scheinen mindestens 15 Minuten zu vergehen, bis er die Anlage wieder zum Schweigen bringen kann. Wir erleiden einen mittelschweren Lachanfall und schlafen dann relativ schnell ein.

15.02.2015

Morgens prellen wir als allererstes Mal die Zeche. Maltes Kreditkarte funktioniert nicht und wir versprechen, in die Stadt zu fahren und mit Bargeld zurück zu kommen. Stattdessen waschen wir und fahren danach zum Leuchtturm und zum offiziell östlichsten Punkt Australiens. Dieser liegt auf einem felsigen Berg, der hoch über dem Rest der Küste thront. Die Aussicht über den Pazifik und die Strände, die sich links und rechts bis zum Horizont trecken, ist spektakulär.

Wieder zurück in Byron Bay, grillen wir endlich unsere Steaks am Strand. Sie gelingen uns sehr gut, wir sind zufrieden. Känguru schmeckt gut. Aber irgendwie stellt sich das in Byron Bay anscheinen vorherrschende Hippie-Feeling nicht so richtig ein. Ich denke, dass man hier eine längere Zeit verbringen muss, um in den Flow zu kommen. Wir haben jedoch einen engen Zeitplan, da wir bereits morgen Abend in Sydney sein wollen. Also fahren wir wenig später weiter Richtung Süden, jedoch nicht ohne uns vorher zwei dicke Isomatten fürs Auto zu kaufen.

Der nächste Strand, an dem wir halten, heißt Moonee Beach. Er wurde uns empfohlen, da hier ein Fluss ins Meer fließt. Wir werden nicht enttäuscht: Man muss erst durch das Brackwasser hindurch auf eine Sandinsel waten, um zum Strand zu kommen. Wir schmeißen uns begeistert in die wilden Wellen und spielen Wellentauchen. Vor allem Malte will gar nicht mehr aus dem Wasser raus.

Ursprünglich wollten wir hier übernachten. Nachdem uns aber, während wir zu Abend essen, sowohl gefühlt alle Einwohner des Dorfes und sogar der Polizist gegrüßt haben, entscheiden wir uns dagegen und fahren weiter nach Valla Beach. Dort stellen wir uns neben eine öffentliche Toilette im Ort und sind um neun Uhr Abends schon im Bett.

16.02.2015

Wir haben unseren Übernachtungsort gut gewählt: Nur ein paar Meter die Straße hoch befindet sich ein sehr nettes Café, in dem wir uns unseren Kaffee holen. Zum Frühstücken fahren wir weiter nach Nambucca Heads und frühstücken am Fluss.

Danach folgen wir den braunen Zeichen des hier ausgeschilderten Tourist Drives. Eine tolle Erfindung der Australier: Tourist Drives sind landschaftlich reizvolle Alternativrouten zum jeweiligen Highway und führen dich jedes Mal wieder zurück auf deine ursprüngliche Route. So kann man das Land und seine Vorzüge kennen lernen, während man weiter seiner eigentlichen Route folgt. So macht Roadtrippen richtig Spaß! Wir nehmen heute gleich zwei Tourist Drives mit und fahren den wunderschönen Hastings River entlang. In Port Maquarie ghen wir wieder ins Wasser und spielen gemeinsam mit 11jährigen Jungs mit den Wellen. Nach einer stärkenden Portion Fish&Chips an einem weiteren schönen Ort am Fluss fahren wir weiter nach Anna Bay.

Anna Bay ist ein bekanntes Surf-Mekka und wir verstehen warum. Der Wind türmt das Wasser zu ziemlich beeindruckenden Wellen auf. Malte verschwindet bald ziemlich weit vom Strand entfernt unter ihnen, während ich mich auf etwa gleicher Höhe mit einem Großvater und seinen Enkeln halte, die das Wellentauchen gerade von ihm lernen.

Hier entscheiden wir, dass wir bereits heute nach Sydney fahren werden und nicht, wie ursprünglich geplant, erst morgen. Wir sind noch etwa zwei Stunden entfernt und können bis zum Abend bereits dort sein. Meine Mutter ist schon in der Stadt und wir sehen keinen Grund, warum wir uns heute Abend nochmal in dieses schreckliche Loch unseres Kofferraums pressen müssen, wenn es auch anders geht.

Wir nehmen die wunderschöne Route des Old Pacific Highway über Newcastle, bevor wir im Sonnenuntergang Sydney aus dem Wald emporwachsen sehen.

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4 Responses to Von Brisbane nach Sydney – Roadtrip durch Australien

  1. Schöne Story zu folgen, unsere Frank ist auch diese strecke gefahren so einige von die Ortsnamen kenne ich schon. Take care!

  2. Wo hat es Frank denn am Besten gefallen? Wir fahren nochmal nach Australien und freuen uns über Tipps!

  3. Ah, danke! 😀 Warum machen die so einen Blödsinn auch… aber der Kaffee an deinem Stand war eh der beste!

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