Sydney – Wiedersehen macht Freude

18. September 2015 • Australien • Views: 5054

16.02.2015

Nach einer verwirrenden Fahrt durch Sydney’s Tunnelsystem finden wir die richtige Ausfahrt zum Hotel meiner Mutter. Wir parken großspurig im Anfahrtsbereich des Hotels und kommen uns vor wie die letzten Penner, als wir, ungekämmt, voller Salzwasserreste und in irgendwelchen abgetragenen Klamotten in der Lounge dieses recht noblen Hotels aufrocken. Als ich an der Rezeption frage, ob meine Mutter da ist, wird dies verneint. Auf die Frage, ob ich kurz ihr WLAN benutzen dürfte, heißt es, dass sie mir keines verkaufen dürfen, weil ich kein Gast bin. Mir platzt fast die Hutschnur. Keine asiatischen Preise, okay. Aber dann auch nur schlechteren Service bieten, das ist zu viel für meine geplagte Traveller-Seele. Um die Ecke finden wir glücklicherweise eine Pizzeria, die WLAN hat und in der wir eine Sprite trinken, bis meine Mutter zurück beim Hotel ist.

Die Freude ist groß, als wir uns nach fast sechs Monaten wieder in die Arme schließen. Meine Schwester Sonja kommt erst morgen in Sydney an, also ziehen Malte, Mama und ich los, um in King’s Cross einen Gin Tonic zu trinken. Wie üblich wird sofort losgeplappert und schreiend gelacht. Auf die Frage, wie viele Paar Schuhe meine Mutter, die sich in Australien zum ersten Mal als Soloreisende versucht, eingepackt hat, antwortet sie: „Das weiß ich jetzt nicht so genau…“ Brüll! Japs! Gewichtsoptimierung ist scheinbar nur was für junge Rucksackreisende.

Nachdem wir meine Mutter zurück zum Hotel gebracht haben, treffen wir meine alte Freundin Reli und ihren Mann Ash bei sich zu Hause. Sie nehmen uns für unsere Zeit in Sydney bei sich auf – endlich wieder ein richtiges Bett! Das Auto war auch mit Isomatte nicht bequemer, und so freuen wir uns nach einer kurzen Ratschrunde sehr auf den Schlaf.

17.02.2015

Andrea, die Reisebegleitung meiner Mutter, ist leider krank und bleibt daher im Hotel. Wir nutzen den letzten Tag unseres Mietautos für einen Ausflug in die Blue Mountains. Wir wandern einen Teil des Nationalparks rund um die Three Sisters ab und reden über Ehe, die Liebe und alles mögliche andere. Mittags stellen wir meiner Mutter außerdem das kulinarische Meisterwerk Australiens, den The Works-Burger, vor. Das ist ein Burger, der einfach alles beinhaltet, was man sich auf einem Burger vorstellen kann, vom Beef-Pattie bis hin zur Rote-Beete-Scheibe und einem Spiegelei. Für den Cholesterinspiegel ist das natürlich absoluter Selbstmord, aber was solls, wir sind schließlich im Urlaub.

Auf dem Rückweg besuchen wir den Kindheitsfreund meines Vaters, Karcsi. Er hatte mich damals vor neun Jahren bereits für ein paar Wochen in seinem Haus beherbergt und ich freue mich sehr, ihn wiederzusehen. Noch eine Begegnung, bei der ich mir sicher war, dass sie einmalig bleiben würde – so kann man sich irren.

Karcsi lässt es sich nicht nehmen, uns eine riesige Brotzeit vorzusetzen. Wir sind eigentlich alle drei noch pappsatt von unserem Burger, aber all die Leckereien verschmähen geht natürlich auch nicht. Vor allem den Kuchen und die Kekse. Karcsi ist Konditor in Bondi Beach und backt phänomenale Torten. Außerdem dürfen wir den neuesten Familienzugang kennen lernen, Julianna (schöner Name). Sie ist nur ein paar Monate alt und Karcis erste Enkelin. Seine Tochter habe ich damals schon kennen gelernt und wir haben uns immer gut verstanden. Das Kind ist tatsächlich vom gleichen Freund, den sie damals schon hatte!

Nach einem tollen Nachmittag fahren Malte und ich dann das Auto zu unserer Abgabestelle am Flughafen. Danach treffen wir uns mit Reli und Ash in einem Pub auf ein Bier. Wenig später gesellen sich auch meine Mutter und – endlich – meine Schwester Sonja und ihre Freundinnen Vera und Sophie zu uns! Reli und Ash bieten den Mädels an, bei ihnen zu übernachten und zu duschen. Sie schlafen auch seit Monaten im Auto, allerdings etwas bequemer als wir.

18.02.2015

Heute treffen wir uns vor der Oper, da meine Mutter uns auf eine Führung durch dieses Wahrzeichen Sydneys einlädt. Die Innenräume und ganz generell das ganze Konzept der Oper sind sehr beeindruckend.

Sydney Opera

Sydney Opera

Danach laufen wir noch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten Sydneys, wie das Queen Victoria Building und Chinatown ab. Hier essen wir zu Mittag, wenngleich uns auch hier die Preise einen mittleren Herzinfarkt verschaffen. Australien ist teuer! Und Sydney anscheinend sogar noch mehr als der Rest! Geld ist ein konstantes Thema in unseren Unterhaltungen in Sydney. Wir sind noch verwöhnt von Südostasien, meine Mutter hat das Konvertieren noch nicht ganz drauf und Sonja ist sowieso schon seit Monaten im Hardcore-Sparmodus. Naja, es hilft ja nichts, essen müssen wir.

Nachmittags laufen wir durch Darling Harbour und setzen uns anschließend in eines der Passagierschiffe, die die verschiedenen Stadtteile Sydneys, die sich um die Bucht entwickelt haben, verbinden. Wir fahren unter der Harbour Bridge durch und ergattern ein paar kitschige Bilder, von der Brücke und von uns.

Abends gehen wir in ein sündhaft teures, aber leckeres Asian-Fusion-Restaurant, in dem wir vor unseren winzigen Portionen regelrecht verzweifeln. Aber mehr können wir uns alle beim besten Willen nicht leisten, 25 Euro für einen winzigen Hauptgang ist bereits über der Schmerzgrenze.

Wenig später verabschieden wir uns dann auch schon alle Richtung unserer jeweiligen Heimaten (die Mädels schlafen heute wieder im Auto). Wir verbringen noch einen lustigen Abend mit unserer WG, bevor wir ins Bett gehen.

19.02.2015

Heute ist ultimatives Chillen am Bondi Beach angesagt. Nach einem teuren Snack in einem der Cafés in Bondi wird sich geaalt, mit den Wellen gespielt und die Jungen und Schönen Sydneys beobachtet. Es ist unglaublich, was hier für Männer und Frauen rumlaufen. Wer hat so viel Zeit für Körperpflege und Fitness? Sind die alle arbeitslos? Wir kommen zu dem Schluss, dass es in einem Land ohne nennenswerte Kultur wohl nichts besseres zu tun gibt, als ins Fitness zu rennen und einen wahren Körperkult zu zelebrieren. Wir versuchen uns mit unseren Durchschnittskörpern, aber dafür unglaublich ausgeprägten intellektuellen Fähigkeiten, besser zu fühlen. Ab heute gibt es keine Works-Burger mehr für uns. Zumindest nicht bis zum Abendessen.

Dieses nehmen wir, ebenfalls in Bondi, wieder mit Karcsi und seiner Ehefrau ein. Danach gehen wir noch zu einer berühmten Eisdiele in Bondi, wo wir uns ein riesiges (und sauteures) Eis genehmigen. Vielleicht sind die Australier auch deshalb so schlank: die können sich das gute Essen nicht leisten und knabbern daher nur Selleriestangen und Reiswaffeln…

ein letztes Eis

ein letztes Eis

Nun heißt es, Abschied zu nehmen von meiner Familie. Sonja fährt weiter nach Brisbane, meine Mutter und Andrea fliegen nach Cairns, Malte und ich nach Neuseeland. Es ist wie immer furchtbar, tschüss zu sagen – ich weiß nicht, wann ich die beiden wiedersehen werde. Das ist der Wermutstropfen am Reisen ohne Deadline.

20.02.2015

Nach einem letzten Frühstück in der WG verabschieden wir uns auch hier von allen und fahren zum Flughafen. Diesmal haben wir vorher nochmal alles fünfmal gecheckt, ob wir mit unserem Working Holiday-Visumszettel auch tatsächlich abfliegen dürfen. Alles geht glatt, und nach einem dreistündigen Flug taucht, nach sechs Monaten, acht Ländern, unzähligen über Land zurückgelegten Kilometern und noch mehr geflogenen, unser Zielland unter uns auf: Neuseeland.

Weiter weg von daheim geht’s nicht.

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2 Responses to Sydney – Wiedersehen macht Freude

  1. Jaaaaa!!! Ich vermiß euch auch!!! Wo seid ihr Weihnachten? 😉

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