Central Otago und Dunedin

17. Dezember 2015 • Neuseeland • Views: 4461

09.11.15 – Omarama

Hier, auf dem Campingplatz neben dem Fluss, beginnt unser Roadtrip erst so richtig. Wir haben die erste richtige Nacht in unserem Auto vor uns – seit Hokitika vor 6 Monaten haben wir nicht mehr darin geschlafen. Daher haben wir auch völlig vergessen, wie knapp unser Schlafplatz bemessen ist. Das Holzbrett, auf dem unsere Matratze liegt, liegt wiederum auf der Innenverkleidung des Autos auf, ca. auf gleicher Höhe mit den Kopfstützen unserer Fahrsitze. Die Öffnung, durch die wir unsere Körper schieben müssen, um ins Bett zu gelangen, reicht gerade so, dass wir mit wilden artistischen Verrenkungen und viel Gefluche reinpassen. Dann liegen wir so knapp unter dem Autodach, dass wir nicht mal unsere Knie anwinkeln können.

Eigenheim auf vier Rädern

Eigenheim auf vier Rädern

Malte ist mit der Konstruktion sehr unzufrieden und äußert das ab jetzt jeden Abend mindestens einmal. Der unschlagbare Vorteil ist jedoch, dass wir unter dem Bett jede Menge Platz für all das Equipment haben, das wir mit uns herumtragen: Zwei Rucksäcke, zwei Tages-Rucksäcke, drei Vorderreifen passend zu den Rädern auf unserem Dach, ein Gasherd, Geschirr, Unmengen an Essen, Campingstühle, ein Klapptisch, Fahrradtaschen, eine große Werkzeugkiste, ein Fön, zwei Isomatten, eine riesige, sehr warme Armeewolldecke und zahllose weitere Kleinigkeiten, von denen wir uns nicht trennen können. Es ist uferlos.

Während Malte sich also über das Bett aufregt, beschwere ich mich über das Chaos darunter und wir sind beide noch nicht überzeugt davon, ob wir es tatsächlich einen weiteren Monat unter diesen Umständen aushalten. Als wir uns an diesem ersten Abend nach dem Essen ins Bett quetschen, dauert es nicht lange und wir erliegen beide einem haltlosen Lachkrampf. Was machen wir hier bloß! Wir sind beide 30 Jahre alt und schlafen in einem Auto! Andere Menschen gründen Familien in dem Alter, oder bauen ihr erstes Eigenheim. Nur wir Verrückten haben allen Bequemlichkeiten den Rücken gekehrt und fahren mit unserem gesamten Besitz in einem Auto verstaut am anderen Ende der Welt durch die Gegend. Glücklich zusammengekuschelt schlafen wir wenig später in unserer ersten Eigentumswohnung, die der Odyssey ja quasi ist, ein und freuen uns, dass es uns so gut geht.

10.11.15 – Lindis Pass, Clyde, Alexandra

Wir treffen am Aussichtspunkt einen Mann, der mit dem Klapprad von Christchurch nach Haast radelt. Das sind mit dem Auto 525 Kilometer. Unsere Heldentaten auf dem Alps2Ocean-Trail kommen uns in Anbetracht dieses offenkundig wahnsinnigen Unterfangens recht bescheiden vor, vor allem, weil der Mann über 50 Jahre alt ist. Er begründet die Wahl seiner Strecke und seines Rades damit, dass sein Vater früher in Christchurch zur Schule ging und zum Ferienbeginn mit seinen Freunden genau diese Strecke Hause zu seiner Familie in Haast geradelt ist. Und da dachte er sich, das könnte er doch auch mal machen. Wenn wir eines lernen hier in Neuseeland, dann, dass Kiwis echt ein Haufen zäher Kerle und Kerlinnen ist.

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Klapprad Rennstrecke

Wir steigen beeindruckt wieder in unser Auto und fahren über einen sehr malerischen Highway nach Clyde, ein verträumtes altes Goldgräberstädtchen, wo wir einen Kaffee trinken und Mittag essen. Sonst gibt es hier jedoch auch nicht besonders viel zu tun, weshalb wir bald weiter ins 12 Kilometer entfernte Alexandra fahren, wo wir unsere Räder vom Dach holen und auf dem Roxburgh Gorge Trail und dem Flat Heads Park mountainbiken gehen. Das Wetter ist im Begriff, schlecht zu werden, weshalb stahlgraue Wolken einen dramatischen Hintergrund zum türkisblauen Flusswasser und den leuchtend-violetten wilden Thymianbüschen bieten. Hinzu kommen schwarze, kahle Felsen, an denen wir auf tollen, nicht zu anspruchsvollen Trails vorbeipreschen. Ein schöner Nachmittag.

Abends fahren wir weiter durch eine immer schöner werdende Hügellandschaft, die immer wieder von diesen dunklen Felsen durchbrochen wird. Unser Ziel ist ein Freedom Camping Spot, wieder an einem Fluss gelegen, bei dem wir entdecken, dass hier der Clutha Gold Trail vorbeiführt. Da ich morgen arbeiten möchte, nimmt Malte sich vor, diesen Radweg zu fahren und mich in Lawrence am Ende des Trails wieder zu treffen.

11.11.15 – Roxburgh, Lawrence

Mein Tag verläuft ereignislos und ist arbeitsreich, während Malte auf dem Clutha Gold Trail eine wunderschöne Tour erlebt.

Nachmittags findet er mich in der örtlichen Bibliothek von Lawrence wieder und wir buchen uns für den Abend auf einem Campingplatz ein. Wir wollen mal wieder duschen, daher gönnen wir uns die 26 Dollar Platzgebühr. Wir sind die einzigen Gäste – was für ein Luxus. Dafür fängt es ungefähr dann, als wir ins Bett wollen, das Regnen an. Malte platzt nun endgültig die Hutschnur und er wünscht das ganze Auto zum Teufel. Ich muss leider schon wieder lachen. In Christchurch will Malte unser Brett zurechtsägen, damit es etwas tiefer liegt und das Ein- und Aussteigen aus dem Auto nicht so eine Tortur ist. Er hat Recht damit, bei Regen ist es wirklich sehr lästig.

12.11.15 – Dunedin

Wir fahren früh los und erreichen gegen 11 Uhr Dunedin, das neuseeländische Edinburgh. Die Stadt wurde von Schotten gegründet und sieht so aus, wie ich mir Edinburgh vorstelle – ohne Burg, natürlich. Dafür sehr hügelig und Heimat der steilsten Straße der Welt und natürlich einer Menge Mountainbike-Parks. Davon wollen wir heute jedoch erstmal nichts wissen und checken in einem Holiday Park am Strand ein – in ein Zimmer. Malte hat darauf bestanden und ich freue mich, mit ihm auf dem großen Doppelbett ein Nachmittagsschläfchen halten zu können.

Später am Tag erkunden wir mit den Rädern noch ein wenig die Innenstadt und gehen zum Abendessen zu einem sehr guten Japaner. Hach, das Stadtleben ist schon ein schönes! Man merkt, wie Dunedin viel lebendiger und urbaner ist als Christchurch, mit einer echten Altstadt, jungen Menschen (Dunedin ist die Universitätsstadt Neuseelands) und Bars, in denen abends etwas los ist. Wir sind trotzdem bald zurück in unserem Holiday Park und machen noch einen kleinen Spaziergang zum Strand, bevor wir ins Bett gehen.

13.11.15 – Dunedin

Heute haben wir etwas ganz Besonderes vor: Eine Führung durch die Cadbury Schokoladenfabrik. Ja, ganz genau: Willy Wonka in Neuseeland! Wir sind ganz aufgeregt, als wir von einer runden Frau in einer lila Latzhose am Eingang begrüßt werden und über die nächste Stunde hinweg erklärt bekommen, wie Cadbury seine Schokolade herstellt. Wir dürfen sogar selbst aus flüssiger Schokolade und Zutaten wie Haselnüssen, Brezelstückchen oder Gummibärchen unseren eigenen Schokococktail mischen. Zusätzlich erhalten wir noch ein paar weitere Schokoriegel und Malte und ich können bald schon kaum mehr geradeaus schauen vor lauter Zucker. Das Highlight der Führung bildet für mich dann der Aufstieg in einem 20 Meter hohen Silo, bloß, um dann zuzusehen, wie aus einem Eimer über uns eine Tonne(!!!) flüssiger Schokolade ausgeleert wird und durch ein paar Trichter nach unten fällt. Die Begründung für diese Aktion? „Just because we can“. Ich liebe es.

Den Nachmittag verchillen wir wieder in unserer Cabin und abends geht’s zum Veganer und ins Kino, James Bond kucken.

14.11.15 – Dunedin

Heute schälen wir uns wieder aus unserer faulen Haut, packen das Auto und fahren auf die Otago Peninsula zum Mountainbiken. Wir haben uns vorher ein wenig im Netz und in der i-Site informiert, wo man dort schön fahren kann und peilen einen nett aussehenden Trail an. Davor möchten wir uns Neuseelands einziges Schloss, Landargh Castle, ansehen. Am Eingang schreckt uns dann der Eintrittspreis von 30 Dollar ab. Dann doch lieber Neuschwanstein.

Der Mountainbike-Trail entpuppt sich dann leider auch als Enttäuschung. Es ist eigentlich ein Wanderweg, der erstmal bergab führt und nur mäßig Spaß macht. Unten angekommen möchten wir dem vorgeschlagenen Loop folgen und müssen nach kurzer Zeit absteigen. Und dann sind wir die nächste Stunde damit beschäftigt, unsere Bikes einen steilen, kaum sichtbaren Trampelpfad hochzutragen. Irgendwie gehen wir immer auch wandern, wenn wir mountainbiken wollen. Dafür ist die Aussicht schön.

Das Mittagessen in Portobello haben wir uns redlich verdient und nachmittags wollen wir beide nichts mehr von radeln wissen. Dafür fahren wir zum Ende der Halbinsel zu einem Wildlife Centre und sehen im Sturm einem majestätischen Albatross zu, wie er seine Kreise zieht.

15.11.15 – Dunedin

Im Schaufenster eines Sportgeschäfts haben wir vorgestern einen kleinen Aushang entdeckt, der interessierte Mountainbiker zum Testfahren der neuen 2016-Modelle der Marke Specialized einlädt. Umsonst! Das lassen wir uns nicht nehmen und fahren zum Redwoods MTB-Park, wo das Event stattfindet. Die nächsten Stunden verbringen wir damit, auf sündhaft teuren Mountainbikes über mal wieder großartige Trails zu heizen (in Maltes Fall) bzw. zu vorsichtig-progressiv fahren (in meinem Fall). Das teuerste Fahrrad, auf dem wir sitzen, kostet 10.000 Dollar/6.000 Euro. Der Unterschied zu unseren geliebten, aber doch schon etwas in die Jahre gekommenen Mühlen ist deutlich.

Und danach fahren wir zur Baldwin Street. Sie ist die steilste Straße der Welt, mit einer Neigung von sage und schreibe 35%, 350 Meter lang und eine der Hauptattraktionen von Dunedin. Ratet mal, wer sich in den Kopf gesetzt hat, dort mit seinem Tourenrad hoch- und wieder runterzufahren.

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Die Oberschenkel haben ganz schön gebrannt

Ich war natürlich sehr stolz auf ihn.

Abends gibt’s Muschelrisotto im Hostel, in das wir inzwischen umgezogen sind. Die neuseeländischen Arbeiter, die hier wohnen, waren heute beim Muschelsammeln und bieten uns großzügig von ihrem Fang an. Wir wussten gar nicht, dass es so leicht ist, selbst Muscheln zu fangen. Malte fragt gleich ganz interessiert nach und erfährt, dass man wohl an Flussenden bei Ebbe fündig wird. Die Muscheln schmecken vorzüglich und Malte beschließt, dass wir das auch mal versuchen.

16.11.15 – Dunedin

Seit Tagen wollen wir in zwei Museen gehen und wir schaffen es erst heute: Die Public Art Gallery, die mit einer interessanten Auswahl verschiedener Ausstellungen aufwartet, haben wir in einer Dreiviertelstunde erledigt, um dann die nächsten Stunden im Settlers Museum zu verbringen. Klingt todlangweilig, war es aber nicht. Das Museum erzählt die Geschichte Dunedins sehr interaktiv und gut aufgemacht. Man kann sogar alte viktorianische Kleidung anprobieren und auf ein Hochrad steigen.

Als Ausgleich fahren wir danach zum Tunnel Beach, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Er heißt deshalb so, weil man ihn nur bei Ebbe durch einen von Menschen geschaffenen Tunnel erreichen kann. Er ist sehr hübsch.

17.11.15 – Fahrt nach Christchurch

Nach einer sehr entspannten Auszeit in Dunedin fahren wir heute über den Highway 1 zurück nach Christchurch. Unterwegs halten wir einmal bei den Moetaki Boulders an…

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…und einmal in Oamaru, um ein vergessenes Oberteil im Hotel abzuholen und in der Whitestone Cheese Factory Unmengen an Käse zu testen – und zu kaufen. Endlich haben wir essbaren neuseeländischen Käse entdeckt! Lecker!!

Der Rest der Fahrt verläuft ereignislos und gegen Spätnachmittag trudeln wir wieder in Christchurch ein. An diesem Abend sehen wir Jess, bei der wir unser Bettbrett zurechtsägen und fahren danach zu unserem alten Haus, da Malte seinen Schlüssel in den Briefkasten werfen will. Und siehe da – John ist immer noch hier. Ihm sind am Tag unserer Abreise alle seine Arrangements geplatzt und er hat unsere Vermieter gebeten, ihn noch zwei Wochen bis zum Eintreffen einer Freundin aus Kanada dort wohnen zu lassen. Er freut sich riesig, uns zu sehen und bietet uns an, die beiden nächsten Nächte in Christchurch in unserem alten Zimmer zu schlafen. Wir nehmen gerne an und verbringen den Abend dann zwar nicht mit ihm, dafür aber mit Catarina, Isaac und einem deutschen Radler, der gerade ganz Neuseeland beradelt hat und bei ihnen übernachtet.

Zwei Tage später fahren wir mit neu gepacktem Auto und nur noch mit zwei Rädern (Malte hat sich heldenhaft von seinem Tourenrad getrennt) weiter Richtung Norden.

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2 Responses to Central Otago und Dunedin

  1. Brigitte sagt:

    Overhead the Albatros hangs motionless upon the air
    and deep beneath the rolling waves
    in labyrinths of coral caves
    an echo of a distant time
    runs willowing across the sand
    and everything is green and submarine…. (Pink Floyd, Echoes)

    Ich finde es toll, dass ihr Leben dem Eigenheim vorzieht… 🙂

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