Marlborough Sound, Taranaki und Tongariro

7. Januar 2016 • Neuseeland • Views: 4087

Die nächsten vier Wochen arbeiten wir uns mit unserem treuen Honda Odyssey von Christchurch langsam, aber sicher Richtung Auckland vor.

Marlborough Sound & Wellington

Die ersten Tage verbringen wir nach einer wunderschönen Fahrt entlang des Highway 1 durch Kaikoura im Marlborough Sound zusammen mit Ammon, den wir zufällig auf einem Parkplatz in Blenheim wiedergetroffen haben. Er schlägt am ersten Abend vor, einen sehr abgelegenen Campingplatz namens Robin Hood Bay aufzusuchen, da man dort anscheinend auch surfen kann.

Nach einer 20 Kilometer langen, engen, kurvigen, steilen Schotterpiste erreichen wir die Bay unbeschadet und perfekt zur Incoming Tide. Ammon stürzt sich mit seinem Surfbrett in die Wellen, Malte kocht und ich arbeite auf meinem Tablet mit Blick aufs Meer und die Surfer. Wir lernen außerdem ein nettes deutsches Paar kennen, die sich selbst Muscheln gesucht haben und uns einweihen, wie und wo man verschiedenste Arten findet.

Am nächsten Tag regnet es immer wieder, weshalb wir außer einer kleinen Weintour durch die berühmte Weinregion Marlborough eigentlich nichts besonderes machen. Die Verkoster der beiden Weingüter, die wir aufsuchen, verstehen ihr Handwerk und füllen uns ziemlich rapide ziemlich ab, so dass Malte und ich am Ende drei Flaschen Wein kaufen.

Danach machen wir pflichtbewusst so lange Pause und essen etwas, bis wir das Gefühl haben, wieder fahren zu können und finden, wieder mithilfe der CampingNZ-App, einen weiteren hübschen Campingplatz an einem Fluss.

Dort flippen wir circa 2 Stunden Steine ins Wasser (unglaublich, wie viele flache, glatte Steine es hier gibt!), bevor wir nach einem kleinen Kartenspiel und Mondbeobachtung ins Bett fallen. Unser Bett ist jetzt übrigens um einiges tiefer als vorher und wirklich bequem.

Am nächsten Morgen heißt es Abschied von Ammon nehmen, der noch etwas länger auf der Südinsel bleibt. Wir nehmen den kurvigen Queen Charlotte Drive von Havelock nach Picton, der uns den Marlborough Sound noch einmal auf wundervolle Weise näher bringt.

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Hier sammeln wir auch unsere ersten eigenen Muscheln im Schlick. Wir haben keine Ahnung, welche es sind, aber da hier so viele rumliegen, nehmen wir einfach mal welche mit.

In Picton fahren wir dann unser Auto auf die Fähre Richtung Nordinsel. Dieser Moment erfüllt mich mit Wehmut – für so lange Zeit war die Südinsel unser Zuhause und jetzt ist es vorbei! Andererseits freuen wir uns beide sehr auf Wellington und die noch völlig unbekannte Nordinsel. Wir haben bereits ein bisschen recherchiert und einige Mountainbike-Parks ausfindig gemacht. So schlimm kann es dort also nicht sein.

letzter Blick auf die Südinsel

letzter Blick auf die Südinsel

Nach einer sanften Überfahrt erreichen wir Wellington am späten Nachmittag und fahren zu einem weiteren Freedom Camping Spot in einer windigen, aber schönen Bucht. Dort finden wir heraus, dass es sich bei unseren Muscheln um Austern handelt! Wir sind total begeistert und braten sie mit ein wenig Knoblauch und Limettensaft kurz an, dazu gibt es Brot.

Am nächsten Tag verlassen wir Wellington nach einer actionreichen Hammer-Session im Makara Peak Mountainbike Park. Wir sind beide total beeindruckt davon, wie wenig uns drei Stunden Mountainbiken momentan ausmachen.

Makara Peak

Makara Peak

Es geht nun entlang der Kapiti Coast nach Wanganui, eine traditionsreiche Stadt im Maori-Kernland. Hier verbringen wir zwei Tage, in denen wir mountainbiken, in einem einsamen See nacktbaden, ein Kilo Erdbeeren verdrücken und ein bisschen die Stadt anschauen. Es fühlt sich an wie Sommerferien im Freibad.

Taranaki

Eigentlich wollten wir die berühmte River Road, die dem legendären Wanganui River folgt, abfahren, diese ist aber wegen Flut gesperrt. Macht nichts, dann fahren wir eben weiter in Richtung Taranaki – ein persönliches Highlight für mich.

Der Taranaki oder Mt Egmont ist ein Bilderbuchvulkan mit schneeverschneiter Spitze, der aus einer relativ flachen Landschaft herausragt. Es ist ein beeindruckender Anblick.

Mount Taranaki

Mount Taranaki

Davor finden wir jedoch ganz unverhofft den wunderschönen Cave Beach, an dem wir fast zwei Stunden verbringen und mit dem schwarzen Sand, den Höhlen und Felsen spielen. Der schwarze Sand hat es mir ganz besonders angetan: Er ist mit irgendeinem glitzernden Stein versetzt, der in der Sonne so funkelt, dass der Sand einen 3D-Effekt auf mich hat. Ich fühle mich, als wäre ich von funkelnden Partikeln umgeben, während ich durch die wunderschöne Szenerie wandle.

Auf unserem ersten Campingplatz in der nähe von Hawera werden wir von freundlichen Kiwis zum Barbecue eingeladen. Es stellt sich heraus, dass die Frauen der Runde ziemlich gut Ukulele spielen und bald sind wir fröhlich am Jammen, Singen und Lachen. Celina, der der große Bus gehört, in dem wir gerade sitzen, lädt uns sogar ein, die nächsten Tage bei ihr zu wohnen.

Am nächsten Tag sehen wir uns den Taranaki aus der Nähe an. Ursprünglich wollten wir eine längere Wanderung hier unternehmen, was leider durch ein zu gutes Gespräch mit einem deutschen Paar in der Campingküche zeitlich nicht mehr reinpasst. Ein paar nette Aussichten und eine coole Ansammlung an natürlichen Pools finden wir trotzdem.

Wir campen wieder an einem Fluss, den wir am nächsten Morgen zur kalten Morgendusche nutzen, bevor es nach New Plymouth, der Hauptstadt des Distrikts, geht. Wir machen hier außer Bibliothek und einem massiven Mittagessen in einem American Diner nicht sehr viel, aber nachmittags sind wir im nahe gelegenen Mountainbike Park zur Stelle und probefahren diesmal die 2016er-Kollektion von GIANT Mountainbikes.

Dabei lernen wir Leon, einen weiteren sehr aufgeschlossenen Neuseeländer kennen, der uns nicht nur tonnenweise Tipps für die Nordinsel gibt, sondern uns kurzerhand sogar zu sich nach Hause einlädt. Seine Freundin und er haben noch ein Zimmer frei. Wir können es gar nicht fassen, wie nett die Leute in diesem Teil Neuseelands alle sind!

Es ist regnerisch und kalt, als wir unsere Gastgeber verlassen und den Weg in Richtung Westen über den Forgotten World Highway antreten. Klingt cool, ist es auch. Diese Straße schlängelt sich durch eine Landschaft, wie man sich das Auenland aus dem Herrn der Ringe vorstellt. Außerdem kommen wir in einem Dorf namens Whangamomona vorbei, dass sich zur unabhängigen Republik erklärt hat und ein paar Jahre einen Pudel zum Präsidenten hatte. Bei der zweiten Wahl hat sich der Pudel sogar gegen den einzigen Gegenkandidaten, einen Menschen, durchgesetzt.

Wir wandern sogar noch zu einem tollen Wasserfall, allerdings hält das schlechte Wetter den ganzen Tag an und wir sind froh, als wir abends Taumaranui, ein gesichtsloses Städtchen mit einem Campingplatz erreichen. Der Highway ist sicherlich noch viel besser, wenn es nicht schüttet.

Der nächste Tag ist ebenso regnerisch, so dass wir uns einen Ruhetag gönnen, bevor ein weiteres Highlight ansteht.

Tongariro National Park

Mount Ruapehu, besser bekannt als Mount Doom aus dem Herrn der Ringe, ist ein weiterer, düsterer Vulkan. Eine der schönsten Tageswanderungen der Welt führt direkt an ihm vorbei. Wenn man komplett spinnt, kann man den Berg sogar besteigen. Wir haben uns dagegen entschieden und die auch so schon sehr anstrengende Sechs-Stunden-Wanderung nur durch den kleinen 1 1/2-Stunden-Umweg zum Gipfel des Mt. Tongariro ergänzt.

Wir, das sind ab heute für eine Woche Kieran, Malte und ich. Kieran kennen wir ebenfalls aus Christchurch und auch er ist momentan auf Erkundungstour auf der Nordinsel. Wir treffen uns in der früh auf dem Parkplatz und lassen uns gemeinsam zum Anfang des Wanderwegs shuttlen. Mit uns starten ca. 2.000 weitere Wanderer die Tour heute – Tongariro ist nicht nur berühmt, sondern auch unglaublich belebt. Man läuft nie alleine und an den kräftezehrenden Aufstiegen spielen sich teilweise wahre Überholungsjagden ab.
Obwohl das Department of Conservation ausdrücklich darauf hinweist, dass diese Wanderung kein Zuckerschlecken ist, nehmen Alte, Junge, Dicke, Dünne, Sportler, Raucher den Track in Angriff. Er ist immerhin 21 Kilometer lang und hat zwei heftige Anstiege und zum Schluss einen zweistündigen Abstieg, bei dem ich mir einen Bluterguss am Zeh laufe.

Ansonsten ist die Wanderung jedoch einfach nur geil. Wir kommen nicht nur an Mt. Doom vorbei, sondern am Red Crater, der mit seinem blutroten Fels seinem Namen alle Ehre macht, den schillernden Emerald Lakes und zischenden Schwefelquellen vorbei.
An einem Punkt starre ich außerdem in ein dunkelbraunes, karges Tal, das ohne jegliche Special Effects Mordor vor meinem inneren Auge auferstehen lässt. Hier oben wächst absolut nichts mehr. Nur Lavagestein, septische Seen und etwas Schnee umgeben uns. Es herrscht trotz der Menschenmassen eine außerordentliche Stimmung hier oben.

Diese Tour wollte ich vor zehn Jahren bereits machen, als ich das erste Mal in Neuseeland war. Damals war das Wetter zu schlecht und ich grinse daher wie ein Honigkuchenpferd, als wir nach nur 7 Stunden inklusive Mittagspause das Ende des Tracks erreichen. Unser Campingplatz heute abend befindet sich direkt am Ufer des Lake Taupo, in dessen klirrend kaltes Wasser wir direkt nach Ankunft springen. Das haben wir uns verdient!

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One Response to Marlborough Sound, Taranaki und Tongariro

  1. […] Air ist herrlich komfortabel. Nach wochenlangem Schlafen im Auto oder Zelt und nach unserem feuchtfröhlichen Roadtrip durch Balis Berge kommt Malte und mir eine […]

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