Milford Sound und Invercargill – Echte Fjorde, falsche Enden

30. Oktober 2015 • Neuseeland • Views: 4234

02.06.15

Der Weg nach Milford Sound ist normalerweise bereits ein Spektakel für sich. Wir haben heute leider mit dem Wetter Pech und fahren die kurvige Straße entlang eines wunderschönen Sees und später durch ein weites Tal durch neblig-trübe Suppe. Die hier normalerweise dramatisch aufragenden Bergketten sind teilweise komplett unsichtbar. Wir vertreiben uns die Zeit mit Achtzigerjahre-Hits und dem gegenseitigen Vorlesen aller Schilder, die wir unterwegs finden.
So unspektakulär der erste Teil der Fahrt ist, um so dramatischer ist der zweite ab Te Anau. Der Nebel lichtet sich ein wenig und wir fahren langsam, aber sicher in die fremdartige Landschaft des Fiordland National Park hinein. Den ersten Wow-Effekt erleben wir, als der Highway mutmaßlich an einer kahlen, riesigen Felswand endet. Der Eingang des geschichtsträchtigen Homer Tunnels sowie sämtliche Fahrzeuge wirken zwergenhaft verglichen mit dem Felsmassiv, das wir im Begriff sind zu durchfahren.

Felswand

Felswand

Direkt nach dem Tunnel windet sich die Straße in halsbrecherischen Serpentinen in ein Tal hinab. Der Blick ist trotz Regen spektakulär, aber die Fotos werden alle nichts.

Wenig später halten wir noch einmal an einem interessant wirkenden Stopp an. „The Chasm“ steht auf dem Schild und nach einer fünfminütigen Wanderung starren wir in eine bizarre Felsformation, durch die ein tosender Wildfluss rauscht.

Dann sind wir endlich am Ziel. Wir haben etwas Zeit, bis unsere Fähre uns in den Milford Sound fährt. Wir vertreiben sie uns mit Mittagessen und Kaffee.

Milford Sound ist technisch betrachtet kein Sound, sondern ein Fjord. Die Entdecker damals waren wohl jedoch mit der korrekten Terminologie nicht vertraut und daher blieb es bei der Bezeichnung für ein von einem Fluss geformten Tal. In Milford war jedoch eigentlich ein Gletscher am Werk. Der hat gleich so gute Arbeit geleistet, dass das Wasser hier bis zu 512 Meter tief ist und der Fjord ganze 16 Kilometer lang. Links und rechts ergießen sich majestätische Wasserfälle ins Tal, während schneebedeckte Berggipfel Höhen von bis zu 1700 Metern erreichen.

Unser Kapitän erklärt uns eine Menge interessanter Dinge, die wir während unserer Rundfahrt sehen können. Das meiste habe ich allerdings schon wieder vergessen. Das eigentliche Highlight des Trips sind sowieso die Wasserfälle, eine einsame Robbe, die offenbar vom Rest der im Sommer hier ansässigen Kolonie zurückgelassen wurde und einem Schwarm Delfine, der unser Schiff eine Zeitlang begleitet. Ich falle fast aus dem Boot, so begeistert bin ich.

Nach gut zwei Stunden erreichen wir das Ende des Fjords und wollen uns gerade auf den Rückweg machen, als die Sonne endlich durch die Wolken bricht, die Luft pink färbt und uns einen spektakulären Sonnenuntergang beschert.

Sonnenuntergang über Milford Sound

Sonnenuntergang über Milford Sound

Wir verbringen die Nacht in Te Anau und nehmen am nächsten Morgen spontan den Highway nach Invercargill am südlichen Ende der Südinsel.

03.06.15

Heute ist das Wetter schon deutlich besser. Das „Tal“ entpuppt sich als Hochebene, die von hochalpinen Bergen umgeben ist – ein gefundenes Fressen für Maltes Kamera.

Hochebene

Hochebene

Die Straße nach Invercargill ist dann weiterhin ganz nett. Da wir so spontan waren, haben wir uns nicht im Vorfeld informiert, ob es von Te Anau aus vielleicht auch eine Scenic Route gibt. Hätte es gegeben. Mist.

Invercargill selbst ist nicht besonders schön – aber es hat viele Geschäfte. Malte und ich, nach wie vor voll im Provinzmodus, staunen Bauklötze angesichts der schieren Auswahl an Supermärkten, Baumärkten, Motels, Autowerkstätten und weiteren Merkmalen der Zivilisation. Wir stellen unser Auto an der i-Site ab und machen uns auf den Weg in die „Innenstadt“, zwei Straßen, in denen sich die meisten Restaurants und ein paar Läden befinden. Wir essen ein Curry bei einem Inder und checken dann beim auf der anderen Straßenseite liegenden Hostel für die kommende Nacht ein.

Es ist erst Mittag und wir haben bereits Schwierigkeiten, etwas zu tun zu finden. Diese Stadt könnte so genauso gut im Mittleren Westen der USA stehen, inklusive einem Haufen Assis, die das Stadtbild dominieren. Wir finden auf einer Karte ein Museum, das Burt Munro und seinem World’s fastest Indian gewidmet ist.

Munro ist ein Southlander, der 1967 als 68-Jähriger auf den berühmten Bonneville Flats mit seinem 950 cm³-Motorrad der Marke Indian einen bis heute gültigen Weltrekord aufstellte. Das Museum befindet sich in einem Elektronikfachgeschäft. Wir verbringen ungefähr zwei Stunden damit, verschiedene alte Motorräder, Autos, Werkzeuge und etwa die halbe Auslage des Ladens zu bestaunen. Malte staunt eventuell etwas mehr als ich.

Museumskuriosität

Museumskuriosität

Nach dem Museum fahren wir mit unserem Auto an den Strand. Also so richtig. Invercargill hat einen Strand, auf den man mit dem Auto fahren kann. Ich bin sehr besorgt um unser Auto, als wir durch die Ausläufer der Brandung fahren, aber Malte hat viel Spaß. Anstatt uns mit einer kleinen Runde in der Nähe der Zugangsstraße zu begnügen, fahren wir mit der vagen Vermutung, dass es ein paar Kilometer weiter nördlich noch einen Ausgang geben muss, einfach mal weiter Richtung Norden. Nach rumpeligen fünf Kilomtern Schneckentempo kommt er dann auch endlich.

Zum Abschluss des Tages fahren wir nun noch nach Bluff. Bluff ist bekannt für zwei Dinge: Austern und als der Anfang/das Ende des Highway No.1, der sich von Northland auf der Nordinsel bis hierher über ganz Neuseeland zieht. Obwohl Bluff nicht ganz der südlichste Punkt der Südinsel ist, fühlt es sich so an. Das wird durch den lustigen globalen Wegweiser unterstrichen. Wir finden hier außerdem ein Kunstwerk, das eine Ankerkette darstellen soll, die ins Meer verschwindet. Auf Stuart Island, der dritten, kleinsten und südlichsten Insel Neuseelands, soll sie wieder zum Vorschein kommen. Hintergrund ist die Mythologie der Maori, nach der die Südinsel ein Kanu und Stuart Island dessen Anker ist. Die Nordinsel ist ein Fisch.

Auch hier: Die wohl futuristischste Toilette Neuseelands. Während man sein Geschäft verrichtet, spielt die Toilette Easy Listening und gibt darüber hinaus Anweisungen, wie die Spülung und der Wasserhahn funktionieren. Sehr High Tech.

04.06.15

Nach einem ereignislosen Abend fahren wir am nächsten Tag die 500 Kilometer zurück nach Franz Josef. Ab Queenstown nehmen wir nicht den Gebirgspass wie auf dem Hinweg, sondern den ebenso reizvollen Highway außenrum, auf dem uns folgendes Bild gelingt:

Nach weiteren fünf Stunden und insgesamt zehn, erreichen wir gegen Abend unser Zuhause.

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One Response to Milford Sound und Invercargill – Echte Fjorde, falsche Enden

  1. […] nicht so intensiv wie sonst. Auf jeden Fall kann dieser Sonnenuntergang nicht mit dem, den wir in Milford Sound erlebt haben, […]

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