Alps2Ocean Cycle Trail, Mt. Cook und Oamaru

2. Dezember 2015 • Neuseeland • Views: 4073

02.11.2015 – Der Weg nach Mt. Cook

Wir sind back on the road! Auf dem Highway 1 lassen wir Christchurch im strahlenden Sonnenschein gegen Mittag hinter uns und begeben uns auf die Fahrt nach Mt Cook. Auf Maori heißt er Aoraki. Erst geht es durch eintönige, flache Landwirschaft, dann, ab Geraldine, durch eine typisch neuseeländische Hügellandschaft, die uns wie immer begeistert. So richtig den Atem verschlägt es uns allerdings erst, als hinter einer der Hügelketten auf einmal sich eine Hochebene vor uns ausbreitet, die in der Ferne von den Southern Alps gesäumt wird. Wenig später erreichen wir Lake Tekapo, der das für Neuseeland ebenfalls typische türkisblaue, glasklare Wasser zur Schau stellt und in der Sonne funkelt. Wir können es kaum glauben, als dieser Anblick vom kurz darauf folgenden Lake Pukaki und dem dahinter in den tiefblauen Himmel aufragenden Mt Cook noch übertroffen wird. Kein Wunder, dass die ganze Strecke von Reisebussen und Wohnmobilen dominiert wird. Wir befinden uns offenbar (und völlig gerechtfertigt) auf der Haupttouristenroute.

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Kurz bevor die Sonne untergeht erreichen wir das winzige Mt Cook Village. Hier beginnt der Alps2Ocean Cycle Trail offiziell. Jedoch muss man nach den ersten fünf Kilometern dieses Radwanderwegs einen Helikopter nehmen, der einen über den gewaltigen Tasman River fliegt. Das ist uns zu teuer und wir gehen hier stattdessen zum Wandern, um uns den Aoraki aus der „Nähe“ anzusehen. Anscheinend ist der höchste Berg Neuseelands schwieriger zu besteigen als der Everest. Wir hoffen, dass das Wetter morgen nicht so schrecklich ist wie die Vorhersage prophezeit und haben uns für einen Wanderweg durch das Hooker Valley (hihi, Hooker…) entschieden.

03.11.2015 – Mt. Cook

Nach einer relativ unentspannten Nacht im Dorm (Doppelzimmer waren ausgebucht) sieht es schlecht aus für unsere Wanderung. Es gießt in Strömen, stürmt und hat 3 Grad draußen. Wir verbringen den Vormittag mit der Planung und Buchung unserer Unterkünfte für den A2O sowie mit Packen. Gegen Mittag wird das Wetter dann ein wenig besser und wir beschließen, wenigstens das Dorf und das Visitor Center zu erkunden.

Dort erfahren wir eine Menge über Bergsteiger in Neuseeland, die natürlich alle scharf auf die Besteigung des Mt Cook waren. Viele sind beim Versuch gestorben, ein paar haben es dann trotzdem geschafft. Der wohl berühmteste Bergsteiger Neuseelands ist übrigens nicht derjenige, der Mt Cook bezwungen hat, sondern Sir Edmund Hillary, der erste Mensch auf dem Gipfel des – Mount Everest.

Nach diesem sehr interessanten Visitor Center beschließen wir, dem Wetter zu trotzen und trotzdem zumindest einen Teil unseres Wegs zu wandern. Den ersten Abschnitt wollen wir wenigstens probieren, und wenn das Wetter dann schlimmer wird, kehren wir um.

Dabei bleibt es natürlich nicht. Der Weg macht auch mit Schmuddelwetter genug Spaß, dass wir nach dem ersten Abschnitt nicht umdrehen, sondern dem nächsten eine Chance geben. Wir werden sofort belohnt. Als wir um die nächste Ecke biegen, sind wir endlich richtig im Hooker Valley drin und dort steht er, in all seiner Pracht: Aoraki, der Unbezwingbare, komplett sichtbar und von Wolken umgeben. Wir haben ein Riesenglück, dass das Wetter hier im Tal ganz anders ist als noch vor 200 Metern. Die nächste Stunde wandern wir direkt auf Mt Cook zu, durch ein sicherlich sehr hübsches Tal mit einem netten Fluss, das aber vor der majestätischen Schönheit dieses den Maori heiligen Bergs völlig verblasst.

Selbst als uns auf dem Rückweg der Wind den Regen ins Gesicht peitscht, freuen wir uns, dass wir so hartnäckig waren. Die kostenlose Sauna im Hostel entschädigt uns zusätzlich für die Strapazen des Tages – am Ende waren wir doch so um die fünf Stunden wandern.

04.11.2015 – Twizel nach Ohau – 38 km

Wir lassen Mt Cook hinter uns und fahren nach Twizel, ein recht beschauliches Dörflein, von dem aus wir den A2O beginnen wollen. Unser Auto stellen wir bei der Firma Cycle Journeys ab, die uns am Ende des Trails abholen wird und wieder hierher fährt. Es gibt noch ein kleines Mittagessen mit fantasischem Lach-Sashimi, das wir uns, ganz die Touris, im Lake Pukaki Salmon Center gekauft haben, und dann fahren wir mit unseren vollgepackten Mountainbikes los in die Berge.

Wir kommen genau 300 Meter weit, bevor Malte mir auch schon wieder bedeutet, für folgendes Foto anzuhalten:

Schweres Gerät erfordert kundige Hand

Schweres Gerät erfordert kundige Hand

Danach geht es dann aber wirklich raus aus Twizel. Die ersten 20 Kilometer führen an einem ziemlich langweiligen Damm auf einer Teerstraße entlang. Dann erreichen wir den wunderschönen Ohau Weir, den wir zur Hälfte umfahren, bevor wir an unserer heutigen Unterkunft ankommen. Die Ohau Lodge ist zwar nicht sehr kreativ benannt, aber hat dafür drei Sterne. Es gab auf diesem Abschnitt des Trails nichts Günstigeres, außerdem lebt man ja nur einmal. Malte und ich nehmen uns ein Doppelzimmer mit Seeblick und erhalten gemeinsam mit einer Busladung Senioren ein ziemlich leckeres Dreigänge-Menü. Nachts können wir aus unserem Bett heraus den Sternen beim Funkeln zusehen. So lässt es sich aushalten mit dem Radreisen.

05.11.2015 – Ohau nach Otematata – 72 km

Nach einem erquickenden Schlaf und einem üppigen Frühstück in unserem Luxusresort machen wir uns an die zweite Etappe unseres Radtrips. Dieser beinhaltet die meisten Höhenmeter des Trails, die wir gleich zu Beginn in Angriff nehmen. Ein 5 Kilometer langer, jedoch relativ sanfter Anstieg führt uns über ein paar idyllische Bächlein, immer mit grandiosen Aussichten über den Ohau Weir und die Alpen dem 900 Meter ü.NN gelegenen Tarnbrae High Point entgegen. Wir sind zwar beide Schlimmeres gewohnt, aber dennoch sehr stolz, als wir ihn schließlich erreichen.

Darauf folgt eine rasante Downhillstrecke, die Maltes Gepäckträger leider nicht überlebt. Er versichert mir, nur „einen ganz kleinen Bunnyhop“ gemacht zu haben und zack – glatter Bruch an der Stange. Zum Glück hat das Ding nicht viel gekostet. Malte verteilt sein Gepäck kurzerhand etwas um und ist für die vielen Schnallen seines Rucksacks dankbar. Eine seiner Drybags wird mit einem Fahrradschlauch auf die Lenkerstange gebunden, die zweite landet an seinem Rucksack. Zwar nicht ganz so komfortabel wie mit Gepäckträger, aber es hätte ja wirklich schlimmer ausgehen können.

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Der Rest des Abschnitts nach Omarama verläuft ohne weitere Zwischenfälle. Wir machen Mittag bei einer historischen Woolshed in einem kleinen Seitental und begegnen hier, im tiefsten Hinterland Otagos, keiner Menschenseele.

Ursprünglich wollten wir nur bis Omarama fahren, aber es ist erst 15 Uhr, als wir das Dorf erreichen. Wir trinken beim Segelflugplatz einen Kaffee bei einer netten Ungarin, die mit Ihrem Freund vor ein paar Jahren als Backpacker nach Neuseeland kam und inzwischen hier wohnt. Sie leitet das Café, er ist einer der Piloten, die Touristen über die Alpen fliegen.

Nach einer ausgedehnten Pause entschließen wir, den nächsten, nur 23 Kilometer langen Abschnitt heute noch zu fahren. In Omarama finden wir einen lustigen Pumptrack, den wir noch kurz ausprobieren müssen.

Und dann erfahren wir aus erster Hand, warum man im Frühling nachmittags nicht nach Osten fährt. Wir haben die gesamte Strecke heftigsten Gegenwind. Zwar ist die Landschaft wunderschön und der Trail führt nach einem anfänglichen Stück auf dem Highway schließlich am Lake Benmore entlang, dafür brauchen wir für einen 2 Kilometer langen Anstieg auf der Straße eine halbe Stunde. Die anschließenden 6 Kilometer Abfahrt müssen wir komplett pedalieren, weil der Wind stärker ist als unser Drehmoment.

Nach über 70 Kilometern kommen wir in einem Nest mit dem lustigen Namen Otematata an. Der hiesige Holiday Park hat seine besten Tage hinter sich und erinnert uns ein bisschen an einen Gruselfilm, aber die Besitzerin ist sehr nett und das Zimmer günstig. Wir sind die einzigen Gäste und nach dem Abendessen ist dann auch relativ schnell Schicht im Schacht.

06.11.2015 – Otematata nach Kurow – 42 km

Heute spüren wir unsere Körper. Die Beine sind schwer, meine Schultern schreien nach einer Massage, die Knie beschweren sich auch. Man wird nicht jünger, vor allem nicht mit 30. Mit relativ wenig Elan machen wir uns an den nächsten Abschnitt des Alps2Ocean, der erst mit angenehmem Rückenwind zum beeindruckenden Benmore Dam hin, und dann auf ihn drauf führt. Der Anstieg ist steil, dafür aber kurz. Oben erwartet uns eine tolle Aussicht.

Die nächsten Kilometer fahren wir an einem weiteren schönen Stausee entlang. Leider kommt der Wind wieder aus dem Osten, wenngleich er auch nicht mehr so stark ist wie gestern. Wir kommen an erstaunt kuckenden Kühen vorbei und schließlich an einem wirklich kuriosen Wildunfall. Hier, mitten in Neuseeland, liegt ein Wallaby auf der Straße. Gehören die nicht eigentlich nach Australien?

ROADKILL

ROADKILL

Wir radeln verwirrt weiter und machen vor dem Mittagessen noch einen Abstecher zum Deep Creek Walk. Ein malerischer Wanderweg, der uns tief in ein hübsches Tal mit hübschem Creek hineinführt bringt eine willkommene Abwechslung zum ewigen Radeln.

Am zweiten Damm des heutigen, der hydrokulturellen Geschichte Neuseelands gewidmeten Radelabschnitts, machen wir eine kurze Mittagspause, bevor wir die letzten paar Kilometer nach Kurow in Angriff nehmen. Wir kommen bereits gegen halb vier an, checken in den sehr hübschen Holiday Park ein und machen außer einem kurzen Ausflug ins Dorfcafé, wo wir köstlichen Kuchen und Kaffee zu uns nehmen, nichts mehr.

07.11.2015 – Kurow nach Oamaru – 78 km

Wir stehen mit dem Vorhaben auf, erstmal zu sehen, ob wir nicht nach der nächsten, sehr kurzen Etappe keine Lust mehr haben und uns in Duntroon etwas zum Schlafen suchen. Der Gegenwind und die bereits recht ansehnliche Kilometerzahl der vergangenen Tage machen sich immer deutlicher bemerkbar und wir hätten beide nichts gegen einen Ruhetag einzuwenden.

Die 23 Kilometer auf dem Highway sind flach, fad, aber auch angenehm windstill und ohne mörderische neuseeländische Sonne. Wir kommen bereits mittags in Duntroon an – dem bisher nichtssagendstem Dorf unserer Tour. Ausgerechnet hier wollen wir nun den restlichen Tag verbringen?

Nach einem Kaffee im Flying Pig Café, das tatsächlich ganz süß ist, beschließen wir, die letzte Etappe nach Oamaru wenigstens anzufangen. Unterwegs verspricht die Reisebroschüre verschiedene Farmstays und ein Hotel in einer alten Kirche. Dem Höhenprofil nach kommen die beiden harten Anstiege noch vor dem Hotel, was für den letzten Tourentag eine angenehme Etappe verspricht.

Wir brechen also auf und finden uns nach recht kurzer Zeig auf einem gut ausgebauten Radweg in malerischer Landschaft wieder. Der erste Höhepunkt sind die Elephant Rocks, die wie wild gewürfelt in der Gegend herumstehen und wirklich sehr groß sind.

Danach geht es über sanfte Hügel (also sanft für Autos, für uns eine rechte Strampelei) weiter, bis der Radweg den Straßenverlauf verlässt und wir in ein wunderschönes Tal hineinfahren, das von irren Kalksteinwänden eingerahmt wird und ein paar süße Kühe zu bieten hat.

Die Etappe entpuppt sich trotz zweier knüppelharter, langer Anstiege zur schönsten des ganzen Cycle Trails. Es ist einfach besser, wenn man nicht an Autostraßen entlangfahren muss. Die Kalksteinfelsen, die Hügel und der fantastische Ausblick tut sein Übriges.

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In Windsor, dort, wo das Kirchenhotel ist, verschnaufen wir an einem coolen Schild:

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…und beschließen, die letzten paar Kilometer nach Oamaru jetzt auch noch runterzureißen. Das Hotel kostet 100 Dollar pro Person – das ist einfach meilenweit außerhalb unseres Budgets. Nach zwei weiteren Stunden Auf und Ab durch die Hügel erreichen wir gegen 6 Uhr Abends die wunderschönen Oamaru Gardens, folgen den Wegweisern des Alps2Ocean Trails durch das Wirrwarr der Altstadt und stehen dann, fix und fertig, aber stolz wie Oskar – am Meer!

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Nachdem wir im reizenden Empire Hotel, eines der vielen Relikte der Stadt aus der viktorianischen Epoche, eingecheckt haben, beschließen wir unsere Tour, die wir in anstatt der geplanten fünf in nur vier Tagen durchgezogen haben, mit einem riesigen Festmahl im The Last Post Pub gegenüber. Danach fallen wir ins Bett.

8.11.15 – Oamaru

Wir schlafen lange aus und frühstücken ausführlich im Hotel, bevor wir nachmittags die Stadt ein wenig erkunden. Oamaru hat sich selbst zur Steampunk Capital of New Zealand gekürt und besitzt ein ganzes Museum, das sich nur dem Steampunk widmet. Wir finden die die mit vielen Totenköpfen und anderen, sehr gothic-mäßigen Stilelementen verzierten Maschinen, Autos, Boote, Fahrräder etc. natürlich total geil. Mein persönliches Highlight ist das Portal, eine Kammer, die sich mit vielen Lichtern und Spiegeln gemeinsam mit ätherischer Musik in eine wahrlich transzendentale Erfahrung verwandelt.

Nach etwa einer Stunde haben wir alles gesehen und gehen nach einem halbherzigen Rundgang durch die hübsche viktorianische Altstadt zurück ins Hotel, wo wir mit einem Engländer einen Spaghettiwestern schauen und unseren geschundenen Körpern Ruhe gönnen.

9.11.15 – Oamaru

Heute Nachmittag fährt unser Shuttle zurück nach Twizel, wo unser Auto steht. Wir verbringen die Zeit davor mit mehr Sightseeing, zum Beispiel in der Grainstore Galerie und einer netten Kirche.

Die Rückfahrt zum Auto verläuft ereignislos und ich schlafe noch eine Runde. So kalt und feucht das Wetter in Oamaru war, umso besser ist es überraschenderweise in Twizel. Zum ersten Mal seit Fiji reiße ich mir die Thermoleggings von den Beinen und schlüpfe in Hotpants und Flipflops, als wir das Auto erreichen. Ist die kalte Jahreszeit nun endlich überstanden? Wir können bloß hoffen.

Nach einem Stopp beim Supermarkt fahren wir auf zum ersten Campingplatz auf dem Weg nach Dunedin, bei Omarama, wo wir bereits mit dem Fahrrad vorbeigekommen sind.

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