Queenstown – Hassliebe mit dem Mountainbike

27. Oktober 2015 • Neuseeland • Views: 4608

Nach ein paar weiteren Wochen des Arbeitens in Franz Josef werden wir von unserer Chefin für eine ganze Woche freigestellt. Wir packen also aufs Neue unsere Rucksäcke, schnallen die Mountainbikes aufs Autodach und fahren nach Queenstown.

Eigentlich ist unsere Situation hier in Franz Josef gar nicht so schlecht, bedenkt man, dass unsere Chefin so entspannt mit unserer Wanderlust umgeht. Seit wir unsere neuen Kollegen Bee und Grant bei uns wohnen haben, ist es sogar noch erträglicher in unserem Exil. Dadurch, dass wir für eine Campingplatzkette arbeiten (Top 10 Holiday Parks), erhalten wir immer einen Preisnachlass, wenn wir in einem anderen Park schlafen.

Wir freuen uns trotzdem, wenn wir Ende Juni weiterziehen, am Besten nach Queenstown oder Wanaka, um eine Skisaison in Neuseeland mitzuerleben. Bei unseren Bewerbungen für die größeren Skigebiete in der Region ist leider nichts herausgekommen. Daher ist ein Teil unseres Besuchs in Queenstown auch der Jobsuche gewidmet. Wir wollen uns vor Ort ein Bild machen, ob es möglich ist, Arbeit für uns beide zu finden. Grundsätzlich haben weder Malte noch ich großartig Lust, weiterhin für 8 Euro die Stunde zu arbeiten. Wozu haben wir Ausbildungen bzw. Hochschulabschlüsse? Wir sind schließlich keine 20 mehr.

29.05.15 – Der Weg ist das Ziel

Aber erstmal ist ein bisschen Urlaub angesagt. Wir fahren diesmal bereits recht früh los, damit wir auf dem Weg nach Queenstown genügend Stopps bei diversen Lookouts, Waterfalls und Fish&Chips-Cafés machen können. Wir finden einen mystischen Sumpfwald, nehmen uns Zeit für den tollen Wasserfall am Haast River, den wir das letzte Mal aus dem Auto gesehen haben und natürlich für die Gates of Haast.

  • mystischer Wald
  • Wasserfall

Später halten wir noch einmal in Lake Hawea bei Wanaka wegen den guten Fish&Chips und nehmen die Scenic Route nach Queenstown. Diese führt durch karge, schneebedeckte Gipfel und eisige Straßen, vorbei an Cardrona, dem Backcountry-Mekka für Skifahrer und Snowboarder. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Gipfeln, was der Umgebung eine noch rauere Atmosphäre verleiht. Wir haben nicht unbedingt die besten Winterreifen, weshalb Malte um die Kurven schleicht wie ein Rentner und ich mich trotzdem noch über sein halsbrecherisches Fahrverhalten beschwere.

Den krönenden Abschluss bildet der höchste Punkt des Crown Range-Passes. Die Sonne ist bereits untergegangen, aber das Restlicht taucht das vor uns liegende Tal in ein dramatisches Licht. Wir stehen bei 3 Grad einander umklammernd im pfeifenden Wind und können es kaum fassen, wie schön dieses Land ist.

Pass

Pass

Danach folgt der gruselig-steile Weg hinab in besagtes Tal. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir dann endlich Queenstown, wie gewohnt in tiefster Dunkelheit. Nach dem Einchecken laufen wir aufs Geratewohl in die quirlige Innenstadt und gönnen uns bei einem nobel aussehenden Italiener Canneloni, Pizza und eine Flasche Rotwein.

30.05.15 – Eggs Benedict, ein hübscher Park und Shopping

Unseren ersten Tag in Queenstown verbringen wir mit entspannten Sachen wie einem ausgedehnten, köstlichen Frühstück in einem American Diner. Wir entdecken Eggs Benedict für uns – zwei pochierte Eier auf einem Stück Stremellachs, garniert mit frischem Spinat und Sauce Hollandaise. Wir wissen nicht, wie wir jemals wieder ohne Eggs Benedict leben können. Wenn Pochieren nicht so ein furchtbarer Aufwand wäre.

Naja, aber das interessiert euch jetzt wahrscheinlich nicht so sehr. Wir zeigen euch lieber ein paar Bilder aus den Queenstown Gardens, wo wir nach einer kleinen Runde durch die Innenstadt einen Spaziergang eingelegt haben.

Nachmittags kaufen wir für Malte ein Paar neue Schuhe. Ansonsten verbringen wir den Tag mit der Recherche nach Jobs. Ich schicke einem in Queenstown ansässigen Online-Marketing-Experten eine E-Mail, ob er Lust hat, sich mit mir auf einen Kaffee zu treffen. Ganz nach neuseeländisch-unkomplizierter Manier sagt er mir zu!

31.05.15 – Tag der Hassliebe

Würde man mir in München vorschlagen, Ende November zum Mountainbiken zu gehen, würde ich wahrscheinlich in schallendes Gelächter ausbrechen. Aber Neuseeland weckt offenbar den Tiger in mir, weshalb wir uns heute vormittag auf einem Parkplatz wiederfinden, von dem aus mehrere Trails in das wunderschöne Umland von Queenstown abgehen. Wir suchen uns als erstes einen Weg aus, der als „Easy“ gekennzeichnet ist.

Das soll wohl ein Witz sein. Dieser Trail ist rutschig und feucht vom Regen der vergangenen Nacht, eng, steil und mit unvermeidbaren riesigen Felsen und Wurzeln gespickt, die man ohne Federung wirklich nicht in Angriff nehmen sollte. Nach etwa einem Kilometer beschließen wir, umzukehren und stehen gegen 11 Uhr vormittags ratlos und enttäuscht wieder an unserem Auto. Es muss doch wohl im MTB-Paradies Neuseelands auch Trails geben, die nicht nur für Profibiker machbar sind. Wir fragen ein paar Kiwis, die gerade ihre Bikes aus dem Auto holen, ob sie einen Tipp für uns haben.

Wenig später befinden wir uns auf einem relativ trockenen, jedoch bergauf führenden Singletrail durch einen Wald. Ich bin im vollen Anti-Modus, mir tut alles weh, mein scheiß Fahrrad hebt dauernd ab und einmal falle ich fast den steilen Abgrund links von mir hinunter. Ja, da sind sie wieder, die Tränen. Echt, dieses Hobby ist ein ständiges Auf und Ab.

Nach etwa einer Stunde strampeln wir dann auf Höhen, wo Schnee den Weg säumt, aber es wird langsam flacher. Dann gibt der Wald uns wieder frei und wir verschnaufen kurz an einem Viehrost. Ich bin so angepisst, dass ich nicht mit Malte reden kann, aber die Aussicht ist es leider schon wieder wert gewesen. Kackland. Zu hübsch zum sauer sein.

Dann geht es noch einmal ein paar Minuten bergauf, diesmal jedoch auf einer Passstraße. Auf dem Grat steigen wir ab und spielen ein bisschen im Schnee. Von hier aus bietet sich ein noch besserer Ausblick: Eine breite, in sanften Kurven bergab führende Straße, hinein in ein traumhaftes Tal. Wir flitzen runter und siehe da, das Lächeln hat mich wieder.

Wir folgen einem Wegweiser, der verspricht, uns innerhalb von drei Stunden zurück auf den Highway zu bringen. Der Weg ist verdammt beschwerlich, da unsere Reifen im zähen Matsch stecken bleiben. Außerdem ist die Sonne irgendwann hinter der Bergkette und nach ein paar weiteren Flussüberquerungen sind unsere Schuhe nass. Dafür treffen wir eine freundliche Kuhherde, noch freundlichere Mountainbiker und am Ende des Morasts erwartet uns ein weiteres Postkartental:

wie gemalt

wie gemalt

Mich verlassen inzwischen langsam die Kräfte. Als wir nach der steilen Abfahrt wieder auf den Highway treffen, bin ich sehr erleichtert. Jetzt müssen wir nur noch um einen Berg herum, um wieder an unserem Auto zu sein.

Leider ist der einzige Weg, der uns die 17% Steigung des kurvigen, stark befahrenen Highways vermeiden lässt, der „leichte“ Trail am Ufer des Sees entlang. Dieser wird zum ausgewachsenen Albtraum.

Malte hält sich noch einigermaßen auf seinem Fully und fährt den Großteil des Trails. Ich steige nach ein paar hundert Metern ab und schiebe. Ich kann nicht mehr. Vor allem nicht über furchteinflößende Felsen und garantiert nicht durch noch mehr Matsch. Zu allem Überfluss machen wir dann auch noch einen Umweg, weil wir die Wegweiser falsch interpretieren und kommen so nach einer weiteren Stunde mit dem letzten Tageslicht wieder an unserem Parkplatz an. Ich kann nicht mal mehr meinen Helm abnehmen, so fertig bin ich.

Wir beschließen diesen Tag mit einem Takeaway-Sushiberg so hoch wie der Fujiama und schauen im Bett einen Film.

die Nacht bricht herein über dem See

die Nacht bricht herein über dem See

01.06.2015 – Ein interessanter Kaffee und ein netter Ausflug

Nachdem wir heute so richtig ausgeschlafen haben, mache ich mich fertig für mein Coffee Date. Ich treffe Darren im Halo und bin schon ganz gespannt auf ein paar Einblicke in die neuseeländische Online-Marketing-Welt.

Darren ist in echt genauso nett wie auf seiner Webseite. Er kommt ursprünglich aus Schottland, lebt aber seit Jahren schon in Queenstown. Wir ratschen über unsere gemeinsamen Hobbies (Mountainbiken, Skifahren), bevor wir dann auf meine E-Mail zu sprechen kommen.

Er ist selbst ein Einzelkämpfer und zeichnet ein recht düsteres Bild von unserer Branche in Queenstown und Neuseeland generell. Queenstown ist fest in der Hand des Tourismus. Alle Firmen, die hier ansässig sind, sind davon abhängig. Gleichzeitig sehen die meisten Marketingabteilungen jener Firmen den Mehrwert einer anständigen Online-Präsenz nicht. Google Adwords ist für viele ein Fremdwort, mobile Webseiten sucht man vergebens.

Er erzählt mir dann noch ein paar weitere Schauermärchen, mit denen ich euch nicht weiter langweilen möchte – auf jeden Fall ist nach dem Gespräch klar, dass ich in Queenstown beruflich keine besonders rosigen Aussichten habe. Er selbst würde mich liebend gern anstellen, aber er wüsste nicht, wie er sich mich leisten soll. Die Gehälter im Marketing sind auch in Neuseeland eher bescheiden.

Also trennen sich unsere Wege hier wieder, ich bin aber aus touristischer Sicht um einen weiteren Einblick in die neuseeländische Kultur reicher.

Als ich Malte von meinem Treffen berichte, beschließen wir, dass wir Queenstown aus unserer Liste potenzieller Wohnorte ausschließen werden. Nicht nur ich werde hier nicht fündig – auch für Malte sieht es an der Eventfront schlecht aus. Zudem ist die ganze Stadt überrannt von arbeitssuchenden Backpackern. Man sieht fast nur junge Ausländer auf den Straßen. Wir haben aber keine Lust auf Friss-oder-stirb Bewerbungssituationen, bei denen wir uns garantiert unter Wert verkaufen.

Nachmittags fahren wir über eine bezaubernde Bergstraße den See entlang nach Glenorchy, wo wir ein paar Bilder machen.

  • auf nach Glenorchy
  • am See entlang
  • das Asphaltband schlängelt sich am See entlang

02.06.15 – Arrowtown entschädigt mich

Ich muss zugeben, dass ich mal wieder skeptisch war, ob ich jemals in meinem Leben wieder mountainbiken will. Natürlich hat meine ehrgeizige Natur wieder gesiegt und wir befinden uns auf dem Weg nach Arrowtown. Malte hat eine angeblich reizvolle, gut zu bewältigende Route ohne Single Trails im Internet recherchiert, die wir heute angehen wollen.

Es ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne blinzelt manchmal durch, der Weg am Fluss entlang und durch sanfte Hügel ist breit und präpariert, die Anstiege machbar und schließlich geht es auch noch vorbei an einem spiegelglatten, schwarzen See. Für extrakitschige Fotos ist auf die dramatischen Bergketten im Hintergrund Verlass.

  • Arrowtown Rundtour 1
  • Arrowtown Rundtour 2
  • Arrowtown Rundtour 3
  • Arrowtown Rundtour 4
  • Christines Hill
  • gute Nacht Arrowtown

Lediglich Christine’s Hill bringt mich so richtig aus der Puste. Danach geht es aber hauptsächlich bergab und wir erreichen rechtzeitig mit dem letzten Tageslicht wieder den Parkplatz. Ein Auf und Ab, dieses Hobby, wie gesagt.

Heute Abend kochen wir gemütlich in unserer Gemeinschaftsküche und gehen wieder wie brave Schulkinder um zehn ins Bett. Am nächsten Morgen verlassen wir Queenstown frühmorgens in Richtung Milford Sound und Invercargill.

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3 Responses to Queenstown – Hassliebe mit dem Mountainbike

  1. Brigitte sagt:

    Tolle Bilder, leider klappt da was nicht. Wenn ich auf die Galerien klicke (die kleinen Bilder nebeneinander), dann schickt mich die Seite zurück auf Los (also nach ganz oben) und die Bilder sind nur ganz klein zu sehen. Ich kann sie also nicht größer machen und anschauen. Das ist nur bei den Galerien so, bei den einzelnen und den gekachelten Mosaiken geht alles.

  2. mein Gott sind das Landschaften!
    (bei mir funktioniert alles prima. Tja, MacBook PRO!!! 3:)

  3. Ich hab's im Büro angeschaut. Schnödes Windows.

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