Taupo, Rotorua, Coromandel und Auckland

12. Januar 2016 • Neuseeland • Views: 4136

Nach einem Tag Auszeit und Entspannung fahren wir ans nördliche Ende des Lake Taupo. Hier verbringen wir mehrere Tage auf einem von der Stadt Taupo kostenlos zur Verfügung gestellten Campingplatz namens Reid’s Farm. Man darf hier bis zu sieben Tage umsonst übernachten! Das freut unsere strapazierten Reisekassen, vor allem, da wir in dieser Gegend einiges vorhaben. Nicht nur die atemberaubenden Huka Falls warten auf uns, sondern auch ein Mountainbike-Park.

Um das Urlaubsfeeling perfekt zu machen, lernen wir außerdem gleich am ersten Abend Steffi und Olli kennen, die ebenfalls mit einem Honda Odyssey unterwegs sind. Mit ihnen verbringen wir entspannte Abende mit Kartenspiel, Bier und Geschichten. So ein hochkarätiges Gefährt verbindet eben.

Die Huka Falls besichtigen wir gleich am ersten Tag. Obwohl ich immer noch kaum laufen kann, packen wir hier auch die Räder aus und fahren den sehr schönen, kurzen Trail zu einem heißen Thermalbach, der sich in Kaskaden in den kalten Waikato River ergießt. Perfekt zum Glieder entspannen – und das auch noch umsonst!

Die nächsten beiden Tage gehören dem Craters of the Moon MTB Park, für den wir 10 Dollar Eintritt zahlen. Und das zurecht. Die Trails sind in einem erstklassigen Zustand. Während wir uns fast sieben Stunden auf den mal fließenden, mal steilen, mal anspruchsvollen, mal einfach nur schönen Trails vergnügen, kommen wir an einer Baustelle vorbei, wo freiwillige Mitglieder des hiesigen MTB-Clubs neue Obstacles für Anfänger bauen. Es ist die pure Freude, hier zu fahren. Ich merke an einem Punkt, wie es in mir klickt und mein bisheriger Survival-Modus auf dem Bike sich ein gutes Stück in Richtung Können verschiebt. Am zweiten Tag im Park (ein entspannter Sechs-Stunden-Ride…) erlebe ich dann auch meine ersten richtigen Stürze – davor war ich nie schnell genug, um so richtig hinzufallen. Außer ein paar Schrammen passiert mir zum Glück nichts.

Tags drauf brechen wir unsere Zelte in Taupo ab und fahren nach einem kurzen Abstecher zu den eigentlichen Craters, einer Schwefelfeldlandschaft, nach Rotorua.

Hier treffen wir wieder auf Steffi, Olli und ein weiteres Paar mit Odyssey, Patrick und Linda. Wir campen gemeinsam an einem wilden Fluss und genießen nachts die unzähligen Sterne am neuseeländischen Himmel. Morgens trauen sich Olli, Malte, Kieran und schließlich auch Steffi, über ein Schwingseil in den reißenden Strom ca. 10 Meter unter uns zu springen. Ich habe zu viel Schiss, vor allem, weil Malte sich bei seinem Versuch mal wieder die Schulter auskugelt

Danach erkunden wir alle gemeinsam die Wai-O-Tapu Geothermal Fields, eine gigantische Landschaft voller bunter Seen, grellgelber Schwefelquellen und blubbernder Schlamm-Pools. Sie sind eines der Highlights von Rotorua, einer Stadt, die immer nach Schwefel riecht. Das andere Highlight, die Maori-Kultur, die einem hier mit touristisch bestens erschlossenen, „traditionellen“ Maori-Dörfern näher gebracht werden soll, lassen wir aufgrund gesalzener Eintrittspreise aus.

alle bestaunen die heißen Quellen

alle bestaunen die heißen Quellen

Dann heißt es Abschied von Linda und Patrick nehmen, bevor wir restlichen Fünf zu einem Campingplatz am wunderschönen Lake Okareka fahren. Dort gibt es einen Sandstrand, auf dem eine Couch steht. In dieser versinke ich für eine lange Zeit in friedvoller Meditation. Am nächsten Morgen müssen wir auch zu Steffi und Olli Auf Wiedersehen sagen – die beiden gehen zum Wwoofen auf eine Farm in der Nähe von Hamilton.

Auch Rotorua hat einen Mountainbike-Park, sogar einen weltberühmten. Der Redwoods MTB Park ist mit 150 Kilometern Trails der größte Neuseelands und Austräger verschiedener weltbekannter Turniere. Wir lernen ziemlich am Anfang eine nette Gruppe Mountainbiker im Alter unserer Eltern kennen (Respekt!), die uns anbieten, mit ihnen den Park zu erkunden. Sie kennen sich hier sehr gut aus und ehe wir uns versehen, sind wir auch in Rotorua entspannte sechs Stunden über anspruchsvollste Rüttelpisten geheizt. Da fast der gesamte Park durch Waldgebiet führt, ist hier eine gute Federung immens wichtig – Malte und ich stellen fest, dass unsere wohl ihre besten Tage hinter sich haben.

Nach einem wohlverdienten Burger bei Neuseelands führender Burgerkette Burgerfuel verlassen wir Rotorua in Richtung Kaikere Falls, die zwar wunderschön, aber auch übelriechend sind. Hier liegt es jedoch nicht am Schwefel, sondern an Wasserfäule. Hier verbringen wir mit Kieran einen letzten gemeinsamen Abend, bevor er Richtung East Cape und wir auf die Coromandel Peninsula fahren.

Coromandel Peninsula

Coromandel ist ein kompletter Szenenwechsel zu unseren bisherigen Neuseeland-Abenteuern. Hier geht es zum ersten Mal seit Wochen nicht mehr primär ums Mountainbiken, sondern um die bildhübschen Strände, die die Halbinsel umgeben. Das erste Mal Salzwasser testen wir in Waihi Beach. Über die nächsten Tage entdecken wir außerdem die Strände Opoutere, Cathedral Cove und Stingray Bay, New Chum’s Beach und den lustigen Hot Water Beach, an dem man mit den Händen oder einer Schaufel die heißen Quellen direkt am Strand anzapfen und sich seinen persönlichen Hot Pool graben kann.

Neben den offensichtlichen Highlights von Coromandel bietet die Gegend noch ein paar weitere Kuriositäten. Die beeindruckendste ist eindeutig die riesige Goldmine mitten in Waihi Town – wirklich mittendrin. Anscheinend wird hier so wenig Gold geschürft, dass sich die Mine gerade so selbst finanziert. Imposant ist sie dennoch.

Goldmine

Goldmine

Wir landen außerdem auf dem Mills Creek Campingplatz im Hinterland, der ganz viele süße Tiere zum Anschauen hat. Abends und morgens leistet uns ein wunderschöner Pfau am Auto Gesellschaft, Malte freundet sich mit Bestechung durch saftiges Gras mit ein paar Ponys und Eseln an und die zwei Emus mit ihren bösen Krallen und Echsenaugen erinnern uns an prähistorische Zeiten.

Natürlich lassen wir uns auch in Coromandel das Radeln nicht nehmen und fahren über eine sagenhafte Schotterstraße in Richtung Fletcher Bay ganz im Norden der Halbinsel. Von dort geht der 8 Kilometer lange Coromandel Walkway entlang einer wunderschönen Küstenlinie nach Stony Bay, welchen wir nach einer schönen Nacht in Jackson’s Bay in Angriff nehmen.

Es ist eigentlich ein Wanderweg und wir merken schnell, dass Radeln hier zwar möglich ist, aber nicht besonders viel Spaß macht. Die ersten knüppelharten Anstiege schieben wir fast durchgehend und lediglich die letzten Kilometer bieten eine rasante, lustige Abfahrt bzw. einen angenehmen Anstieg auf dem Rückweg. Für die Aussichten hat es sich trotzdem gelohnt.

Auckland

Nach einer kurzen Stärkung mit Fish&Chips in Coromandel Town beginnt dann schließlich die letzte große Fahrt in Neuseeland – wir kehren zurück nach Auckland, wo wir nach fast 10 Monaten unsere Freunde Sanna und Finlay wiedertreffen. Die beiden wohnen nicht mehr in Wellington, sondern hüten das Haus ihres Onkels in einer Nobelgegend der Stadt. Wir haben unser eigenes Zimmer und der Garten hat einen Pool!

Hier verbringen wir die letzte Woche unserer Zeit in Neuseeland gemeinsam mit den beiden und verkaufen unser Auto und die Mountainbikes. Einen letzten Ausflug zum Piha Beach und zum Tasman Coastal Track machen wir noch mit unserem geliebten Odyssey, bevor wir ihn an ein nettes deutsches Paar verkaufen.

Mit Sanna und Finlay setzen wir am letzten Tag vor Abflug noch nach Devonport über, wo wir eine alte Verteidigungsanlage aus dem zweiten Weltkrieg besichtigen und die tolle Lage Aucklands ein letztes Mal bewundern. Abends finden dann auch unsere treuen Räder neue Besitzer – ebenfalls aus Deutschland.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr Morgens stehen die beiden gemeinsam mit uns auf und fahren uns zum Flughafen. Ich muss mich nach einer festen Umarmung schon abwenden, weil mir die Tränen in den Augen stehen. 10 Monate Neuseeland gehen genau hier und jetzt zu Ende.

Ich hätte nie gedacht, dass wir so lange hier bleiben und am anderen Ende der Welt eine zweite Heimat finden, in der wir so viele geliebte Menschen und Orte zurücklassen. Außerdem markiert dieser Moment den Umkehrpunkt unserer Weltreise: Ab jetzt reisen wir wieder Richtung Heimat anstatt weg von ihr.

Good Bye New Zealand

Good Bye New Zealand

Ein paar Stunden später landet unser Flieger in Melbourne.

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