Roadtrip durch Balis Berge

7. April 2016 • Bali • Views: 3312

20.01.2016

Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein los in Richtung Westen. Unser erstes Ziel ist Balian Beach, berühmt für seine Wellen und ein idealer Ausgangspunkt für unsere Expedition in die zentral- und nordbalinesischen Berge. Ursprünglich hatten wir einmal geplant, die Insel einmal zu umrunden. Bereits wenige Kilometer nach Tanah Lot sind wir froh, uns dagegen entschieden zu haben. Wir werden permanent von riesigen, überladenen Lastwägen überholt, deren Fahrer ihren Führerschein offenbar auf dem Schwarzmarkt in Jakarta gekauft haben. Wir sehen gleich mehrere Unfälle, bei denen zwei Lastwägen frontal kollidiert sind.

Am Strand angekommen, genießen wir beim Mittagessen von einer netten Terrasse die Aussicht auf die für uns viel zu anspruchsvolle Welle. Danach machen wir uns auf die Suche nach dem hiesigen Fledermaustempel, den wir nach vielen Umwegen und Irrfahrten dann auch finden. Wir erreichen die Höhle im Sonnenuntergangslicht. Sie liegt direkt am Meer. Vor dem Schrein knien ein paar Betende, auf den Felsen gegenüber stehen Fischer, die ihre Angeln in die wilde See halten. Es ist Flut und die Wellen rollen schnell auf die Höhle zu, um in majestätischen Fontänen der ganzen Szene noch mehr Kitsch zu verleihen.

Die Höhle selbst ist schwarz vor lauter Fledermäusen. Sobald das letzte Tageslicht verloschen ist, beginnen sie, erst zögerlich, dann mit voller Wucht auszuschwärmen. Ein beeindruckendes Spektakel.

21.01.2016

Nach einer sehr erholsamen Nacht in einem Homestay, dessen bunte Stelzenhäuser inmitten von Dschungel und einem benachbarten Reisfeld stehen, verlassen wir nach wenigen Kilometern den Alptraum-Highway und fahren unseren ersten Bergpass.

Das Wetter sieht hier an der Küste noch recht vielversprechend aus und ich tue die Bedenken der Jungs, dass es in den Bergen regnen könnte, als paranoid ab. Die beiden möchten Regenponchos kaufen, ich will das zusätzliche Gepäckstück nicht tragen. Also fahren wir ohne Ponchos weiter und bereits wenig später bereuen wir unsere Entscheidung. Wir werden bis auf die Knochen nass.

Maltes Navigations-App führt uns mehrere Male auf sehr abenteuerliche „Abkürzungen“, die sich in den meisten Fällen als Sackgassen oder steile, glitschige, sehr gefährliche Feldwege herausstellen. Als Robert an einem besonders rutschigen Teil der Straße stürzt, ist es mit meiner Courage vorbei und ich stehe schockgefroren, den Tränen nahe mitten im Regen und traue mich weder, mein Motorrad umzudrehen noch weiterzufahren. Malte muss das Bike für mich ins Tal bringen und ich laufe über die rutschigen Betonplatten im Schneckentempo hinterher. Nach diesem Umweg bleiben wir auf der offiziellen Straße.

Hinzu kommt, dass Roberts Motorrad eine schlimme Klapperkiste ist. Wir müssen insgesamt dreimal bei Werkstätten anhalten, um erst seine Vorderbremse zu richten und dann einen Platten zu flicken. Wenigstens sind die Leute, wie immer in ländlichen Regionen in Asien, sehr freundlich und die Sprachbarriere macht unsere Kommunikation sehr lustig.

Werkstattbesuch

Werkstattbesuch

Wir sind trotzdem heilfroh, als wir, inzwischen mit Ponchos ausgestattet, Munduk erreichen. Hier suchen wir nicht lange, sondern nehmen das erstbeste Guesthouse, das ein wenig teurer ist als unser übliches Budget. Dafür gibt es hier eine heiße Dusche, die wir alle bitter nötig haben.

22.01.2016

Der Gebirgsmonsun hat heute vormittag Pause, was wir ausnutzen und uns Munduks Wasserfälle ansehen. Ein abenteuerlicher Wanderweg, steil und durch den anhaltenden Regen schmierig, führt uns zu zwei verschiedenen Wasserfällen, die sehr hübsch sind, aber im Vergleich zum Wasserfall-Wunderland Laos keine Chance haben.

Wasserfall

Wasserfall

Das Ende des Wanderwegs befindet sich etwa 2 Kilometer bergab von unseren Motorrädern. Ein netter Lastwagenfahrer nimmt uns auf seiner Pritsche mit, wo wir neben Kisten voller Avocados sitzen und sehr zur Erheiterung aller Locals beitragen.

wertvolle Fracht

wertvolle Fracht

Wir sind kaum eine halbe Stunde unterwegs, als der Regen wieder beginnt. Diesmal ziehen wir unsere Ponchos sofort an – unsere Kleidung ist von gestern immer noch klamm. In Bedugul öffnet der Himmel seine Schleusen dann endgültig und wir retten uns gerade noch rechtzeitig unter das Dach einer Dame, die uns heißen Kaffee und Instantnudeln anbietet.

Als wir uns umblicken, bemerken wir, dass wir offenbar in einem Zoo gelandet sind. Auf zwei Tischen liegen riesige Warane, in Käfigen finden wir Chamäleons, ein Luwak, Schlangen und Vögel. Ihr kleiner Sohn liefert zusätzliches Entertainment, indem er uns zeigt, wie viel Spaß man mit einer Pappkiste haben kann. Draußen schüttet es.

Nach einer Stunde, als der Regen ein klein bisschen besser wird, wagen wir uns wieder auf die Motorräder und fahren zum Pura Ulun Danu. Dieser Tempel ist einer der meistfotografierten auf ganz Bali. In der Regenzeit steht ein Teil des Tempels quasi im See und bietet gegen die umgebenden Berge einen wunderschönen Anblick. Nicht jedoch bei Dauerregen.

wir haben trotzdem Spaß

wir haben trotzdem Spaß

Wir halten uns nach der Besichtigung des Tempels nicht weiter auf und fahren durch das, inzwischen wieder volle Fahrt aufgenommene, Gewitter Richtung Singaraja im Norden der Insel. Unsere Hoffnung ist, an der Küste dem Regen zu entkommen.

An einer Ampel spricht uns ein Mann auf einem Motorrad an, ob wir in seinem Guesthouse schlafen wollen. Wir sind durchnässt, müde und sehnen uns nach nichts mehr als einem Unterschlupf, weshalb wir zustimmen und ihm folgen. Die Zimmer, in denen wir unterkommen, stellen sich auf den zweiten Blick als die übelste Unterkunft der gesamten Reise heraus: Spinnweben, verschimmelte Kissen und eine Kakerlakenplage in Roberts Zimmer, was er uns schockiert am nächsten Tag beim armseligen Frühstück erzählt.

23.01.2016

Wir sind dankbar dafür, dass sich das Pattern von gestern wiederholt: Vormittags scheint die Sonne! Wir nutzen das aus und besichtigen ein paar Tempel. Als erstes den Pura Beji, der der Reisgöttin Dewi Sri geweiht ist und Jahrhunderte alt ist. Danach den Pura Dalem, dem Gott der Unterwelt geweiht, auf dessen alten Tempelmauern sich sehr detaillierte Sexszenen finden. Die hier anwesenden Locals grinsen sehr breit, als sie unsere Begeisterung aufgrund der riesigen Penisse und Orgien bemerken.

Danach möchten die beiden Jungs schon weiter fahren, ich bestehe jedoch auf der Besichtigung eines weiteren Tempels. Wir landen beim Pura Ponjok Batu, einer der allerheiligsten Tempel überhaupt. Wir dürfen ihn nicht betreten, ohne die korrekte zeremonielle Kleidung zu tragen und uns eines Reinigungsrituals zu unterziehen. Ich werde außerdem gefragt, ob ich gerade meine Tage habe. Zum Glück nicht, sonst hätte ich nicht reingedurft.

fesche Buam

fesche Buam

Danach werden wir von einem extrem relaxten Tempeldiener durch die Anlage geführt, der uns die einzelnen Hindu-Gottheiten und die Geschichte des Tempels erklärt.

Nach so viel Kultur steht uns der Sinn nach einem Besuch der direkt am Meer gelegenen natürlichen Süßwasserquellen, die zum Freibad umfunktioniert wurden. Wir sind die einzigen Touristen hier. Das Wasser ist kristallklar und eine Horde balinesischer Jungs führt uns ihre akrobatischen Springkünste vor.

Freibad

Freibad

Nachmittags wird das Wetter wieder schlechter und wir fahren bald durch mystische Nebelschwaden, die in den Bergen hängen. Je höher wir kommen, desto dichter wird er. Wir wollen eigentlich den höchstgelegenen Tempel Balis auf einem Berggipfel besichtigen, verpassen ihn aber wohl und finden uns in einem Tal wieder, das wir aufgrund des Nebels und des einsetzenden Starkregens nicht wirklich sehen. Bald fahren wir durch knietiefe Riesenpfützen und Schlamm und werden trotz Regenponchos wieder komplett nass. Wir retten uns mal wieder bei einer netten Dame unters Dach, die uns Kaffee serviert, während draußen das Land versinkt.

Land unter

Land unter

Als nach einer halben Stunde immer noch keine Besserung in Sicht ist, brechen wir trotz des Wetters wieder auf. Anhand unserer Navis haben wir festgestellt, dass wir in die falsche Richtung unterwegs sind. Wir sind anscheinend am Rand des Vulkankraters, an dessen anderen Endes wir heute übernachten wollten. Malte hat allerdings eine Abkürzung ausgemacht, die auf der Karte schon sehr fragwürdig aussieht: Viele Kurven und sehr kurz. Das kann doch bei dem Wetter keine gute Idee sein…

War’s auch nicht. Die Straße ist ein sausteiler Abhang, der streckenweise zum Minifluss wird, inklusive losem Geröll, aufgebrochenen Asphaltresten und anderen, lebensgefährlichen Elementen. Habe ich erwähnt, dass es außerdem wie aus Eimern gießt? An einer besonders haarigen Stelle verlässt mich mein Mut vollends und ich komme nicht mehr weiter. Zum Glück kommt uns in diesem Moment ein junger Balinese auf seinem Scooter entgegen, bemerkt meine Not und fährt mir meinen Roller über die kritischsten Stücke nach unten.

Den Jungs macht die „Herausforderung“ natürlich eine Menge Spaß.

Der Krater selbst versinkt, wie der Rest, im Nebel und Regen, aber man kann trotzdem ausmachen, dass die Landschaft hier normalerweise atemberaubend ist. Wir halten an einer Informationstafel über die jüngsten Lavaströme an, die inmitten einer außerirdisch wirkenden Felslandschaft steht und verfluchen das Wetter einmal mehr.

im Krater

im Krater

Nach einer weiteren steilen, aber immerhin normalen Straße bergauf stehen wir dann endlich in Kintamani, wo wir uns mit einer warmen Suppe aufwärmen, während wir von hartnäckigen Souvenirverkäuferinnen belagert werden. Wir lehnen auch das Angebot eines Mannes, bei ihm im Homestay zu schlafen ab und suchen uns auf eigene Faust ein Hotel.

Anscheinend ist derzeit dermaßen Nebensaison (mich wundert’s nicht), dass wir ein echt schickes Zimmer für einen sehr fairen Preis abgreifen. Die Wolken verziehen sich zum Sonnenuntergang und bescheren uns eine perfekte Aussicht auf den gegenüberliegenden Vulkan Ulan Batur und das darunter liegende Tal.

24.01.2016

Vormittags präsentiert sich das Wetter wieder von seiner besten Seite, als wir bergab hin zum Danau Batur – See fahren. Der Originalplan war, die hiesigen Hot Springs zu besuchen, was wir bei einem absolut horrenden Eintrittspreis von 10 Euro allerdings abblasen. Auch der Rest der am See liegenden Dörfer überzeugt uns nicht. Die Menschen hier geben uns stärker als sonst irgendwo auf Bali das Gefühl, wandelnde Geldbeutel zu sein und versuchen uns sogar während wir nur an ihnen vorbeifahren, Dinge anzudrehen. Der See ist allerdings sehr hübsch.

Wir biegen recht schnell in Richtung Krater ab, den wir uns heute nochmal bei gutem Wetter ansehen wollen. Das Tal ist bei Sonne wunderschön und wir werden uns noch einmal darüber bewusst, was für eine halsbrecherische Aktion es war, hier gestern über diese Wahnsinnsstraße hineinzufahren.

 

Wir kommen wieder in Kintamani beim Tempel raus. Heute ist auf Bali ein wichtiges hinduistisches Vollmondfest, weshalb das kleine Dorf überquillt mit festlich gekleideten Menschen, die alle zum Tempel strömen. Wir machen leider alles falsch und lassen uns von drei sehr penetranten Damen Tickets für den benachbarten Tempel und drei Miet-Sarongs auffschwatzen.

zugegeben... es sind nicht gerade Cross-Maschinen

zugegeben… es sind nicht gerade Cross-Maschinen

Die Tempelanlage ist dann trotzdem recht schön, aber dort, wo heute die wahre Action stattfindet, sollen wir dann noch einmal das Doppelte an Eintritt zahlen. Zu diesem Zeitpunkt sind wir von der Geldgier der Menschen dieser Region (die unter Reisenden berüchtigt ist) schon so angefressen, dass wir uns den eigentlichen Kintamani-Tempel, der sogar Weltkulturerbe ist, nicht mehr ansehen, sondern über eine tolle Gebirgsstraße die rasante Abfahrt nach Ubud beginnen.

Tempelanlage in Kintamani

Tempelanlage in Kintamani

Wir entkommen heute dem Regen und erreichen Ubud am frühen Nachmittag. Die Sonne scheint, ein westliches Café reiht sich ans nächste und wir suchen uns eines direkt am Lotusgarten mit Hinduschrein aus. Wenig später ist auch eine Unterkunft für heute Nacht, der Sudana Homestay, gefunden und wir hängen als erstes den gesamten Inhalt unserer Rucksäcke zum Trocknen in die Sonne.

im Café in Ubud

im Café in Ubud

Abends treffen wir Ash und Reli, die uns bereits in Sydney vor fast einem Jahr beherbergt haben, in ihrem Luxushotel mit Privatpool. Hier werden wir gerne freiwillig nass. Später gehen wir noch gemeinsam ins Café Soma, einen Steinwurf von unserem Homestay entfernt.

Was für ein Erlebnis! Wir wussten schon vorher, dass Ubud die Hippie-Hauptstadt der Insel ist. Das Soma toppt jedoch alle Erwartungen. Die Speisekarte besteht fast nur aus veganen Raw Food-Kreationen. Die Fruit Shakes sind grün und extrem gesund. Am Eingang sitzt eine Gruppe Mittdreißiger und schrammelt Lieder á la Redemption Song auf einer schlecht gestimmten Gitarre und – das Highlight – nebenan sitzt eine Gruppe spindeldürrer Frauen mit einem ach-so-spirituell-erotischen Mann, offenbar der Guru der Damen, versunken in einer Sing-Meditation! Mir bleibt fast eine Gojibeere im Hals stecken vor lauter Lachen.

25.01.2016

Unser letzter Roadtrip-Abschnitt von Ubud zurück nach Legian ist eine langatmige, anstrengende Fahrt durch den Wahnsinnsverkehr rund um Denpasar. Wir sind froh, als wir das Sri Beach Inn wieder erreichen und unsere Motorräder wieder abgeben. Gegen Nachmittag kommt dann Felix, ein Bekannter aus der RAD-Crew aus Christchurch, an.

Zusammen gehen wir zum Strand, in der Hoffnung, vielleicht noch einmal surfen zu gehen. Die Regenzeit hat jedoch inzwischen auch Südbali erreicht und die Wellen sind nicht mehr wirklich surfbar. Es wird Zeit, dass wir auf die Gili Islands fahren. Hoffentlich ist das Wetter dort nicht so wie in Balis Bergen!

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2 Responses to Roadtrip durch Balis Berge

  1. […] komfortabel. Nach wochenlangem Schlafen im Auto oder Zelt und nach unserem feuchtfröhlichen Roadtrip durch Balis Berge kommt Malte und mir eine kleine, touristische Trauminsel gerade recht. Zwischen günstigem […]

  2. […] es ab und zu tatsächlich noch Gegenverkehr gibt. Ich dachte, dass mich nach unserer kleinen Expedition in Bali nichts mehr schocken kann und werde hier eines Besseren belehrt. Wir brauchen für acht Kilometer […]

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