Vang Vieng – Von Cholesterin und anderen Drogen

18. Juni 2015 • Laos • Views: 7209

11.01.15

Ich wünschte, ich könnte euch weiter vom kulturellen Reichtum des laotischen Volkes vorschwärmen. Von den wundervollen Tempeln, den freundlichen authentischen Locals. Leider geht es auch in diesem Beitrag wieder nur um Natur und Drogen. Wir sind auf dem Weg nach Vang Vieng.

Dieser kleine Ort war einmal berüchtigt für seine Geschichte der Drogen- und Saufexzesse. Ursprünglich kamen Backpacker hierher, da das die Stadt umgebende Karstgebirge absolut bezaubernd ist. Ab 2006 entwickelte sich dann die Partyszene und das Tubing wurde erfunden. Tubing bedeutet, dass man sich in einen aufgeblasenen Lastwagenreifen setzt, leichtbekleidet den Fluss hinabtreibt und sich währenddessen in denen am Ufer wartenden Ravebars die Kante gibt. Schnell war es nicht mehr „nur“ Alkohol, der hier konsumiert wurde. Drogen wie Gras, Mushrooms, Opium und gegen Ende sogar Crystal Meth (im laotischen Hinterland, wohlgemerkt!) wurden offen verkauft und genommen. Im Jahr 2011 starben 27 Traveller, weil sie es im Vollrausch für eine tolle Idee hielten, einen Kopfsprung in den extrem seichten Fluss zu machen oder weil sie in selbigem ertranken. Im Jahr 2012 starben innerhalb eines Monats zwei Australier. Auf den Druck der britischen und australischen Regierung hin schritt die laotische Regierung endlich ein und schloss alle Bars ohne Lizenz – das waren fast alle.

Seitdem herrscht Ruhe in Vang Vieng. Natürlich hat diese drastische Maßnahme viele vom Tourismus abhängige Unternehmen in eine schwierige Situation gebracht. Der Besucherstrom von früher ist abgerissen, es kommen nicht ansatzweise mehr so viele Backpacker hierher. Stattdessen entwickelt sich Vang Vieng seither zu einem familienfreundlichen Outdoor-Mekka, in dem man mountainbiken, Motorrad fahren und kajaken gehen kann. Die Guesthouse-Betreiber werben mit allem, was recht ist um die Gunst ihrer Kunden. Gut, dass wir schon in Pakse ein wenig Recherche betrieben haben und wissen, in welches Hotel wir einchecken möchten. Nach einer überraschend angenehmen Nachtbusfahrt steigen wir in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, in einen Minibus um, der uns weitere vier Stunden über schlimme, kurvige Geröllpisten nach Vang Vieng bringt. Der Bus hält direkt vor unserem favorisierten Guesthouse. Wir checken leider in ein furchtbar schimmliges Zimmer ein, da es draußen in Strömen gießt und wir nach der anstrengenden Fahrt keinen Nerv mehr für Zimmersuche mit Rucksack haben.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem großen Burger in einer Bar und der Suche nach einem besseren Zimmer. Es ist kalt und nass, was für diese Jahreszeit extrem untypisch ist, erklärt uns unser Kellner. Er prophezeit für übermorgen jedoch besseres Wetter. Wollen wir’s hoffen. Bisher versinken die Berge um Vang Vieng im Nebel und unsere Füße im Matsch. Vielleicht bleiben wir doch nicht so lange wie geplant. Nach ein paar Stunden finden wir ein lichtdurchflutetes Zimmer mit riesigen Fenstern und einem heimeligen gelben Wandanstrich. Am nächsten Morgen können wir einchecken, der Rezeptionist legt uns den Schlüssel zurück.

Abends treffen wir zufällig unsere Bekanntschaft aus dem Minibus wieder: Elien und Jesper aus Belgien sitzen in einem kleinen Lokal und essen zu Abend. Wir gesellen uns dazu und verstehen uns auf Anhieb wunderbar mit den beiden. Nach dem Abendessen ziehen wir gemeinsam weiter in eine schummrige Bar, in der entspannter Sound läuft und das Personal sowie alle uns umgebenden Gäste auf irgendetwas sind. Wir finden einen Sitzplatz an einem der niedrigen Tische. Unsere Tischnachbarn rauchen Opium, am Ende unseres Tischs liegen zwei Jungs in Decken eingekuschelt und flüstern und kichern rettungslos miteinander. Der Typ von nebenan klärt mich auf: Mushrooms, das erste Mal. Aha. Darauf bauen wir uns erstmal einen Lobster. Die beiden bemerken uns irgendwann und haben Angst vor uns. Wir amüsieren uns sehr über ihren Trip, was die beiden so verunsichert, dass sie sich wieder unter ihren Decken verstecken. Wo sind wir hier gelandet?

Diese Bar ist scheinbar das letzte verbliebene Drogennest der Stadt. Der freundliche Opiumraucher erzählt mir, dass es sonst nirgends in Vang Vieng mehr möglich ist, Mushroom-Shakes oder Opium-Tee zu erhalten. Die Polizei duldet diesen Ort, weil die paar Drogentouristen so einen Anlaufplatz haben, an dem sie sich austoben können. Außerhalb dieser Bar und kurz vor der Sperrstunde sollte man sehr aufpassen, wenn man irgendwas Illegales tun will. Ich frage ihn neugierig nach seinem aktuellen Bewusstseinszustand. Ich habe noch nie mit jemandem gesprochen, der Opium geraucht hat. Er erzählt, dass er es gestern zum ersten Mal probiert hat. Die einzige Beschreibung, die ihm als passend erscheint, ist ein Pink Floyd-Song: „Comfortably Numb“. Er versteht nun, warum unter anderem im 19. Jahrhundert gerade diese Droge so erfolgreich war. Man spüre keine negativen Emotionen mehr, alles sei einfach nur angenehm und entspannt. Dass man nach diesem Gefühl süchtig werden kann, kann ich nachvollziehen.

 

11.01.2015

Nachdem wir in unser neues, tolles Zimmer umgezogen sind, chillen wir den ganzen Tag. Wenn es kalt ist, gibt es hier nichts zu tun. Nach den letzten Wochen ist ein Tag Auszeit jedoch auch nicht weiter schlimm. Wir merken immer mehr, wieviel Input wir in den letzten Monaten erhalten haben. Womöglich ist Laos deshalb bisher kein besonders kultureller Abschnitt unserer Reise. Man muss auch mal Urlaub vom Urlaub machen.

Malte übt sich in einem seiner Lieblings-Ärgerspielchen mit mir: Er sperrt mich auf dem Balkon aus. Da er das sehr lustig findet, soll ich ein Bild von dazu hochladen.

Bebi lass mich rein

Bebi lass mich rein

Abends treffen wir Jesper und Elien wieder und gehen essen. Ein lustiger Laote, der Besitzer des Lokals, möchte uns mit „Toxic Water“, einem übelriechenden Schnaps, abfüllen. Ich weigere mich erfolgreich, die anderen trinken mein Stamperl einfach mit. Danach gehen wir noch in eine Goa-Bar, in der jemand mit Pois spielt und Shpongle im Hintergrund läuft. Mit den Besitzern, zwei Engländer, verratschen wir uns. Sie erzählen uns, dass es in Vang Vieng für öffentlichen Drogenkonsum 600$-Strafen hagelt, wenn man nicht extrem vorsichtig ist. Die Polizei sucht aktiv nach „Verbrechern“, da eine solche Strafe ihr Gehalt auf einen Schlag verdreifacht. Was sie uns auch verraten: Wirst du hier mit Crystal Meth beim Dealen erwischt, wirst du – erschossen.

 

12.01.2015

Wir wachen auf und blicken aus unserem riesigen Fenster im obersten Stockwerk. Der Regen ist weg, die Wolken haben sich verzogen, der Himmel ist blau – und man sieht endlich die Berge, wegen denen Vang Vieng so beliebt ist. Sie sind hinreißend! Wir treffen die Belgier, die übrigens auch in unser Hostel umgezogen sind, auf ein cholesterinreiches Frühstück an einem der ca. 30 Sandwichstände auf der Straße. Unser Standardfrühstück, Suppe, wird hier durch diese atemberaubenden Mega-Schnitten abgelöst. Ein Sandwich enthält:

  • ein halbes Baguette
  • ein Spiegelei
  • Speck
  • Zwiebeln
  • Salat
  • Tomate
  • Käse
  • Ketchup/Mayo

Natürlich wurde alles in viel, viel Fett gebraten.

Danach leihen wir uns Mountainbikes und starten mit einer kleinen Fahrradkarte auf eine der vorgeschlagenen Touren. Während die anderen eine gute Zeit haben, quäle ich mich mit meinem viel zu großen Drahtesel über die furchtbaren Feldwege. Der Sattel ist zu niedrig und ich kann den Lenker nicht ordentlich umfassen, was bei mir sofort zu üblen Schulterverspannungen führt. Zusätzlich ist die Gangschaltung ein schlechter Witz und der Sattel auch noch schrecklich unbequem. Ich habe sehr schnell überhaupt keinen Bock mehr. Wenigstens konnte man auf den kambodschanischen Rostmühlen aufrecht sitzen und hat keine Nackenstarre bekommen, wenn man nach vorne schauen wollte.

Unser erstes Zwischenziel ist ein Berg, auf den man hochgehen kann. Der Lonely Planet verspricht nach einem schweißtreibenden, 25-minütigen Aufstieg fantastische Aussichten. Elien, die sehr gerne raucht, graust es schon nach 5 Minuten. Wir feuern sie an, obwohl wir selbst aus dem letzten Loch pfeifen. Der Aufstieg hat teilweise fast neunzig Grad, wir sind uns sicher. Als wir nach tatsächlich nur 25 Minuten oben ankommen, finden wir die versprochene Aussicht vor. Vor uns breitet sich ein weites Tal aus, auf dem Felder bestellt werden, ein kleiner Fluss sich seinen Weg bahnt und man das Läuten von Kuhglocken leise hören kann. Wir sind außerdem die Einzigen hier oben. Alles ist so friedlich und still. Wir haben überraschend eines der Highlights unserer Laosreise entdeckt.

  • in den Wolken
  • einfach mal die Füße baumeln lassen
  • fruchtbares Land
  • Reisfelder
  • Steilhang
    Steilhang
  • diese Ruhe

Nach dem weitaus angenehmeren Abstieg schuften wir uns mit unseren Scheißrädern weiter durch die Landschaft und erreichen wenig später die Blue Lagoon. Das Wasser hier ist tatsächlich ziemlich blau und man kann von einem Baum aus reinspringen. Malte und ich essen erst was und wagen uns dann auf den Baum. Von unten sah der Sprung nicht so hoch aus… Aber da ich ja schon seit Australien Expertin für von-hohen-Klippen-Springen bin, fasse ich mir ein Herz und springe ab. Das Wasser ist genauso cool wie ich und schreit auch nicht, wie ich. Malte hingegen hat total Angst und ich muss ihn mit meiner Coolness erst mal motivieren. Die letzten zwei Sätze waren gelogen.

Neben dem Wasserspaß, den außer uns eine gefühlte Million von Koreanern auch genießen, gibt es hier eine dunkle Höhle zu erkunden. Nach einer weiteren anstregenden Kletterei gelangen wir, mit Taschenlampen ausgerüstet, zum Eingang. Die erste Höhle enthält einen Buddhaschrein, der durch ein natürliches Fenster angeleuchtet wird. Leider kommt das auf den Bildern nicht so gut rüber.

Höhlentempel

Höhlentempel

Dahinter geht es dann in die Dunkelheit. Es gibt hier keinen vorgeschriebenen Weg, nur hin und wieder ein paar Pfeile auf den Felsen. Wir haben zum Glück alle Turnschuhe an und bewegen uns langsam immer weiter in die Höhle hinein. Unsere Taschenlampen zeigen uns tolle Tropfsteinformationen und die Ausmaße der Höhle. Sie ist riesig! Außerdem hat das Gestein einen hohen Quarzanteil, was bedeutet, dass die ganze Höhle im Schein der Taschenlampen funkelt.

Licht am Ende der Höhle

Licht am Ende der Höhle

Eigentlich hatten wir nach der Blue Lagoon noch vor, den Rest eines längeren Loops zu fahren. Allerdings ist es bereits Nachmittag und nicht nur ich spüre die Qualität unserer Räder in den Knochen. Wir drehen also um und fahren zurück nach Vang Vieng, wo wir uns zum Abendessen in einer Aussiebar wiedertreffen, die The Works-Burger serviert. Sie sind von der Zusammensetzung ähnlich wie unser Frühstück, nur mit Beef-Pattie, Roter Beete und Pommes zusätzlich. Wir verschlingen unsere Burger im Rekordtempo und gehen wenig später völlig erschöpft ins Bett.

 

13.01.2015

Vormittags lassen wir es alle vier ruhig angehen. Wir checken E-Mails und Flüge. Nachmittags begeben wir uns dann aufs Wasser. Tubing muss nicht sein, das ist uns zu langsam. Elien und Jesper haben eine tolle Idee – wir könnten uns Kayaks leihen und uns den Fluss so ganz trocken hinuntertreiben lassen. Und ein bisschen Gin Tonic als Proviant mitnehmen. Und Lobster. Kurz darauf sitzen wir in einem Taxi, das uns zum Startpunkt der Kayakstrecke bringt. Mit uns starten zwei koreanische Mädels und zwei Guides, sowie einige begeisterte Tuber. Ich einige mich mit Malte im Vorfeld, dass er das Paddeln und lenken gerne übernehmen darf, während ich mich im Vordersitz sonne. Elien und Jesper machen es genauso. Viel paddeln tun die beiden Jungs aber auch nicht, sehr zur milden Verärgerung unserer Guides und der Koreanerinnen. Wir sind ihnen zu langsam. Das ist uns aber ein kleines bisschen egal. Wie soll man bei einem höheren Tempo bitte Lobster drehen und die Plastikflasche mit dem Nachmittags-Aperitiv von Kayak zu Kayak weitergeben?

Wir halten unterwegs bei einer der verbliebenen Ravebars. Von Exzess ist hier weit und breit nichts zu sehen. Ein paar Jungs spielen Basketball, es läuft ohrenbetäubend laut schlechter Techno und ein paar Grüppchen sitzen zusammen und trinken ein gepflegtes Bier. Wir haben einen Aufenthalt von 20 Minuten, bevor wir mit unseren Guides weiterfahren müssen. Wir erklären ihnen höflich, dass es für uns überhaupt kein Problem ist, wenn sie mit den beiden Koreanerinnen schon mal vorfahren, wir wollen uns Zeit lassen. Sie lächeln und erklären uns genauso höflich, dass wir leider alle zusammen bleiben müssen. Na gut, dann geht es eben weiter wie bisher.

Zurück auf dem Wasser, geraten wir in eine große Gruppe kayakender Koreaner, mit denen bald eine wilde Wasserschlacht beginnt. Außerdem navigiert Malte uns über den seichten Teil einer Stromschnelle. Wo alle links fahren, muss der Herr natürlich nach rechts. Es ist haarscharf, dass wir nicht kentern und ich belege Malte ungefähr drei Minuten lang mit übelsten Flüchen und Beleidigungen, bis wir die kritische Situation hinter uns gelassen haben. Dann entschuldige ich mich. Malte hat eh nicht genau zugehört, sagt er. Gut, dass wir nicht nüchtern sind.

Nach etwa einer Stunde sind wir froh, nicht in so einem Reifen zu sitzen. Wir sind zwar nicht trocken, wegen der Wasserschlacht, aber wir hängen auch nicht die ganze Zeit mit dem Hintern im Wasser. Im Schatten ist es aufgrund der Höhe von Vang Vieng gar nicht mal so warm. Und als uns dann doch langweilig wurde, konnten wir einfach paddeln und die Fahrt beschleunigen. Daher, wenn ihr nach Vang Vieng fahrt: Mietet euch ein Kayak, kein Tube.

Zum Sundowner treffen wir uns auf dem Balkon unseres Guesthouses, um noch ein wenig mehr Gin zu trinken. Die Sonne geht perfekt zwischen zwei Bergen unter und taucht die Stadt in ein magisches Licht.

Abends gehen Elien und ich dann ohne die Jungs in einen Massagesalon. Wir möchten uns nach den Strapazen des Tages ordentlich durchkneten lassen. Leider ist dieses Erlebnis für mich die schlechteste Massage, die ich jemals erhalten habe. Am nächsten Tag habe ich Muskelkater. Der junge Mann, der mich da massiert hat, hat seine Ausbildung ganz offensichtlich nicht in der Wat Pho-Massageschule in Bangkok absolviert, sondern eher bei seiner Freundin. Naja, nicht so schlimm, Eliens Masseuse war dafür sehr gut. Einigermaßen entspannt machen wir uns auf die Suche nach unseren Männern. Zufällig laufen sie uns nach fünf Minuten in die Arme. Sie waren noch ein Bier trinken. Keiner von beiden kann noch geradeaus schauen. Wir bringen sie nach Hause und ins Bett.

 

14.01.2015

Unser Bus nach Luang Prabang fährt bereits um halb neun Uhr morgens. Keiner von uns begrüßt diesen Umstand. Die Straße ist extrem bergig und kurvig, weshalb Malte vorsichtshalber eine Vomex nimmt und die anderen beiden auch einschlafen. Ich würde auch gern, aber die Aussicht aus dem Fenster, während wir uns quälend langsam einen Gebirgspass hochquälen, ist umwerfend. Nach vier Stunden Landschaftsporno (leider war meine Handykamera kaputt und Maltes im Rucksack) kommen wir in Luang Prabang an, sowohl für uns als auch für Elien und Jesper die letzte Etappe in Laos.

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