Von Pakse aufs Bolaven Plateau

14. Juni 2015 • Laos • Views: 6896

Ein herzliches Willkommen an den geneigten Leser. Wer sich wundert, wieso ich so lange keinen Blogbeitrag mehr geschrieben habe, kann sich bei den thailändischen Gefängniswärtern bedanken. Hätte mein Anwalt es nicht geschafft, doppellagiges Klopapier in meine Zelle zu schmuggeln, könntet ihr diese Zeilen nicht lesen. Anfangs habe ich noch den Luxus des samtweichen und bärigstarken Klopapiers genossen, das meinem geschundenen Hintern so gut getan hat. Jetzt aber nutze ich eine der Lagen, um der Außenwelt wieder von unseren Erlebnissen berichten zu können.

Und das war so:

05.01.2015

Nach einer recht ereignislosen Busfahrt nach Pakse schaffen wir es, den Tuktuk-Fahrern zu entkommen. Aus dem Reiseführer wissen wir, dass der Ort nicht groß ist und wir haben auch schon eine Idee, in welcher Straße wir schlafen wollen. Hier soll es einige nette Guesthouses geben und wir werden auch schnell fündig. Mit 15 € geben wir mehr als sonst aus, werden dafür aber mit einer wunderbaren warmen Dusche und gutem WLAN belohnt.
Pakse, eine absolut Sehenswürdigkeit-freie Stadt steht nur auf unserer Liste, weil wir von sagenhaften Motorradtouren auf dem schönen Bolaven-Plateau gehört haben. Das Bolaven-Plateau ist eine Hochebene in Zentrallaos, bekannt für den Kaffeeanbau und seine vielen Wasserfälle. Der Reiseführer erwähnt den Loop nur beiläufig, doch bei weiterer Recherche finden wir Kartenmaterial und einen Routenvorschlag. Einfach drauf los zu fahren im Land mit einer der höchsten Minendichten der Welt scheint uns nicht angemessen. Da wir nicht die ersten sind, die von Pakse aus das Bolaven Plateau erkunden wollen, ist es im Ort leicht, an einen fahrbaren Untersatz zu kommen. Wir leihen uns bei unserem Guesthouse zwei Honda Wave, hätten aber auch bei mindestens fünf weiteren Stellen in der selben Straße zuschlagen können.

 

06.01.2015

Wir verlassen gut gestärkt mit kleinem Gepäck Pakse. Auch unsere Honda Waves werden nochmal an der Tankstelle gefüttert. Julia gewöhnt sich schnell an die halbautomatische Schaltung und wir können das verkehrsreiche Zentrum der Stadt in Waveseile hinter uns lassen. Über eine Schotterpiste entfernen wir uns immer weiter von der Hauptstrasse und fahren durch Wälder, die offensichtlich landwirtschaftlich genutzt werden. Überall in Laos kann man am Wegesrand Häufchen mit Holzschnipseln sehen, die dort zum Trocknen ausgelegt werden. Hier aber treffen wir auf einen riesigen Haufen mit dem Zeug und immer wieder kleine Laster, die die Schnipsel liefern. Auf Nachfrage bei ein paar Arbeitern erfahre ich, dass daraus Kraftstoff hergestellt wird. Der steigende Rohölpreis mit einem steigenden Energiebedarf hat in Laos für einen Biokraftstoffboom gesorgt. Eine dezentralisierte Kraftstoffproduktion könnte in dem armen Land dafür sorgen, dass viele Menschen zu erschwinglichen Preisen an Energie kommen. Hierfür darf der Handel aber nicht in die Hand großer profitorientierter Konzerne gelangen. Allerdings ist es teuer aus Holzschnipseln Treibstoff zu machen und ländliche laotische Dorfgemeinschaften haben normalerweise nicht viel Geld. Außerdem ist fossiler Brennstoff nicht die Lösung aller Energieprobleme, zumal hierfür viel unberührte Natur in Kulturlandschaft umgewandelt werden muss. Dabei ist gerade die unberührte Natur doch der wahre Schatz des Landes. Zumindest aus der Sicht von abenteuerlustigen, wasserfallsuchenden, Bio-Kraftstoff verbrennenden Reisenden. Womit wir auch schon wieder beim eigentlichen Thema sind.
Der Wasserfall, den wir am Ende der Schotterpiste entdecken, ergießt sich über mehrere Etappen nach unten und lädt zum Erforschen und Baden ein. Beim Erkunden stellen wir fest, dass wir nicht zu weit baden sollten, da der letzte Fall schon arg tief ist und gewaltig rauscht. Außerdem entdecken wir eine mit einfachsten Mitteln gebaute Wasserturbine. Der erzeugte Strom wird genutzt, um Gebetsmantras über einen Lautsprecher wieder zu geben. Passend dazu sitzen mehrere Meditierende in der Sonne, die uns freundlich grüßen nach ihrer Meditation.
Wir sind schon wieder beim Losfahren, als uns ein paar Waldarbeiter zu ihrer Hütte winken. Wir werden dazu eingeladen, Reis zu essen und leckere gebratene Hühnerfüße zu probieren. Neugierig und höflich wie wir sind, sagen wir nicht nein und knabbern an den Tierklauen herum. Auch mit der höllisch scharfen Soße fühlt es sich eher an, als würde man auf Händen von Säuglingen mit besonders scharfen Fingernägeln herum kauen. Glücklicherweise wird mir selbst gebrannter Reisschnaps angeboten, mit dem ich den Geschmack hinunterspülen und das aufwallende Trauma abtöten kann. Ja… Der Schnaps war gut und nein… Ich bin nicht erblindet.
Abends erreichen wir nach einer wundervollen Fahrt mit wiederholten kleinen Beschleunigungsrennen den beschaulichen Ort Tat Lo und nehmen uns ein Zimmer in einem der Guesthouses. Mit Badesachen bewaffnet erklimmen wir eine Anhöhe, wo sich Reisende und Einheimische zum Baden im Wasserfall versammelt haben. Wir springen immer wieder ins erfrischende Nass, bis zwei Elefanten mit ihren Wärtern den Wasserfall für sich zum allabendlichen Bad beanspruchen. Niemand legt Beschwerde ein, sondern alle staunen, wie sich die riesigen Tiere erst mit Hilfe der Wärter säubern und dann vergnügt Wasser um sich spritzend baden. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, Elefanten so hautnah beobachten zu können, ja sie sogar zu berühren. Der holländische Besitzer der hiesigen Bungalowanlage sponsort die Haltung der Elefanten, wodurch wenigstens zwei Arbeitsplätze gesichert sind und zwei Elefanten nicht als Arbeitselefanten im Dschungel schuften. Hierbei handelt sich es um ein schwieriges Thema, da die Tiere in freier Wildbahn oder einem Reservat natürlich besser aufgehoben wären. Auch gibt es immer wieder Berichte von Tieren, die zwar nicht mehr im Wald arbeiten, dafür jetzt aber von ihren Trainern gequält werden und unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden, damit Touristen mit ihnen durch den Wald reiten können. Den Elefanten hier geht es aber scheinbar gut und niemand wird zertrampelt.

 

  • Regen hält nicht ab vom Baden
  • Wasserfall in Tad Lo
  • Kaffeeplantage 1
  • Kaffeeplantage 2
  • unter den Fluten

06.01.2015

Heute wird gebadet, gelesen und gefaulenzt. Wir beschließen, für den kommenden Tag unterschiedliche Routen zu nehmen, da ich mir gerade kaum was Schöneres vorstellen kann als 6-8 Stunden auf dem Motorrad zu sitzen. Julia schon. Also gehe ich früh schlafen, um mit den ersten Sonnenstrahlen losrollen zu können.

 

07.01.2015

Nach einer stärkenden Reissuppe schwinge ich mich aufs Motorrad und mache mich auf den Weg. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen mich und die Landschaft ist atemberaubend. Es ist nicht viel los auf der Straße. Es gibt auch nicht viele Straßen, abgesehen von der, auf der ich fahre. Aus Neugier nehme ich kurzerhand eine der wenigen Abzweigungen und finde mich auf einer Schotterpiste mit rotem Sand wieder. Eine weitere Abzweigung führt mich auf eine kleine Buckelpiste, die immer weiter bergab führt. Irgendwann wird es mir zu steil und ich stelle die Honda Wave ab, um zu Fuß weiter zu gehen. Nicht weit und ich komme an einen Fluss, über den eine beeindruckende Brücke gebaut ist. Jetzt ist der Fluss aber leicht zu durchwaten, was mir ein laotischer Bauer mit seiner Honda Wave demonstriert. Mit Hilfe meiner begnadeten Fähigkeit, Wasserfälle zu imitieren, erfahre ich von ihm, dass es ein wenig flussaufwärts einen gibt. Dort angekommen entledige ich mich meiner Klamotten und bade ausgiebig. Penisfische gibt es ja nur im Amazonas und wir überstehen das ganze unbeschadet.

 

An jeder Abzweigung gibt es etwas zu entdecken und die Zeit vergeht wie im Flug. Mir wird bewusst, dass ich mich beeilen muss, wenn ich es noch nach Paksong schaffen will, wo Julia und ich uns wiedertreffen. Ein Teil der Straße zwischen Band Beng und Paksong befindet sich im Bau und es sieht so aus, als würde das noch länger so bleiben. Immer wieder gibt es Stellen, an denen der Jungle das schwarze Asphaltband wieder verschluckt und Bagger die Erdrutsche beseitigen müssen. Wie das wohl erst in der Regenzeit ist?

  • Schland
  • Schreine
  • SMILE
  • Müllhalde
  • Müllhalde
  • Straße gen Westen
  • Dschungel gegen Maschine
  • Sonnenuntergangsromatik
  • Dammbau

Die Nacht ist schon hereingebrochen und es ist empfindlich kalt auf der Hochebene, als ich endlich in Paksong ankomme. Julia hat eine tolle Unterkunft gefunden und schon Gesellschaft für das Abendessen klargemacht. Mit ein paar Amerikanern und Franzosen, die wie wir auf dem Loop unterwegs sind, sitzen wir in einer Karaokebar und essen durchschnittliches Essen. Das Highlight hier sind die Laoten, die bei einer ohrenbetäubenden Lautstärke mit einer gnadenlos übersteuerten Anlage Karaoke singen. Es werden ausschließlich Thai und Lao Hits zum Besten gegeben, bis einer unserer Amerikaner zu “Hit me Baby one more time” abgeht und Julia unsere Herzen mit “One Direction” zum Schmelzen bringt. Das wars dann auch mit englischsprachigen Titeln im Repertoire.

08.01.2015

Zum Frühstück gibt es eine grandiose Hühnersuppe. Genau das Richtige gegen den leichten Kater. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag verkatert bin, ein Leben ohne Suppe am Morgen mag ich mir aber gerade nicht vorstellen. Und das muss ich hier in Südostasien auch nicht. Es gibt sie an jeder Straßenecke zu jeder Tageszeit, traditionell mit Nudeln, Sprossen und Fleischbällchen und Schärfe je nach Gusto.

So geht es frisch gestärkt mit den Hondas wieder Richtung Pakse. Auf dem Weg schauen wir uns drei wunderschöne Wasserfälle an. In einem davon baden wir und fahren mit einem kleinen Floß durch die herabtosenden Fluten. Auch hier gibt es wieder keine Penisfische.

Als wir Abends in Pakse ankommen, essen wir hervorragend indisch und bereiten uns auf unsere Fahrt im Hotelbus vor. Der “King of Bus” ist zum Schlafbus umgebaut und soll uns über Nacht nach Vientiane bringen. Unsere Koje bietet uns gerade genug Platz, um die Füße auszustrecken und wir werden in den Schlaf geschaukelt.

 

 

 

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3 Responses to Von Pakse aufs Bolaven Plateau

  1. So ein Glück, dass die Penisfische nicht in Laos daheim sind! Wisst ihr, dass mit euren Galerien was nicht funktioniert? Man kriegt die Bildchen nicht groß und es geht nicht weiter, jedenfalls auf dem IPad. Bei den letzten Postings ist immer der Text verrutscht,wenn man ein Bild angeklickt hat. Bussi

  2. Man kann die Slider nicht vergrößern. Man muss draufklicken oder wischen, damits weitergeht. Das geht nicht automatisch, wie bei deinem Blog. Wenn ich es automatisch mache, verrutscht der Text wenn ein Hochkantfoto dabei ist, daher habe ich es ausgemacht. Die anderen Bilder kriegen wir auf Laptop und Tablet groß, ohne Probleme.

  3. […] führt uns zu zwei verschiedenen Wasserfällen, die sehr hübsch sind, aber im Vergleich zum Wasserfall-Wunderland Laos keine Chance […]

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