Siem Reap – Angkor Wat

Angkor Wat

27. Mai 2015 • Kambodscha, Südostasien • Views: 3100

26.12.14

Der Tag beginnt gut ausgeschlafen. Beim Check-In hat sich der Guesthouse-Besitzer dafür entschuldigt, leider nur noch ein Twin Room zur Verfügung zu haben. Damit meinte er, zu unserer großen Freude, ein riesiges Zimmer mit zwei Doppelbetten. Zwei! Wir haben beide diagonal mit ausgebreiteten Beinen geschlafen, da bin ich mir sicher. Wisst ihr, nach 5 Jahren Fernbeziehung und dann auf einmal 4 Monate 24/7-Megafokus freut man sich über sowas. Obwohl ich glaube, dass ich besser schlafe, wenn Malte neben mir liegt, ist es trotzdem ein Highlight, mal wieder ganz egoistisch die gesamte Decke, Matratze und alle Kissen für sich zu beanspruchen.

Aber zurück zum Thema. Wir sind hier ja nicht irgendwo, sondern in Siem Reap, der Touristenhochburg, die sich neben einem der „neuen“ Weltwunder aus dem Dschungel erhebt: Angkor Wat. Während ich das geschäftige Treiben, die große Auswahl an internationalen Restaurants und die Massen an Touristen zur Abwechslung genieße, fühlt sich Malte nicht sehr wohl. Klar, die Stadt hat so gut wie nichts, was sofort als authentisch ins Auge sticht. Alles hier ist auf das Wohlbefinden reicher (und nicht so reicher) Besucher aus dem Westen und China ausgelegt. Allerdings war das Essen beim Japaner gestern Abend wirklich gut, der Cocktail in Angelina Jolie’s Lieblingsbar eiskalt und nach unserer Flussfahrt wohlverdient.

Lecker Cocktail Siem Reap

Lecker Cocktail

Um so gespannter sind wir nun auf die sechstausend Jahre alten Ruinen, die wir vorhaben, die nächsten Tage zu erkunden. Gängige Praxis ist es auch hier, sich einen Tuktukfahrer zu mieten und mit ihm als Führer und Fahrer die Tempelanlage zu erkunden. Ich denke im Nachhinein, dass das vielleicht eine gute Idee gewesen wäre, um einen tieferen Einblick in die Geschichte und Bedeutung der einzelnen Tempel zu erhalten. Natürlich haben wir uns trotzdem Fahrräder ausgeliehen und beschlossen, das riesige Areal mit unserem Lieblingsfortbewegungsmittel zu erfahren.

Auch die Fahrräder in Siem Reap sind Rostmühlen. Das größte Problem ist, dass man die Sättel nur bedingt verstellen kann. So muss Malte auf einem Rad für einen 1,70 großen Mann fahren und ich auf einem Rad für eine 1,60 große Frau. Die Sattelstangen sind einfach zu kurz für Europäer. Besonders knieschonend ist das nicht. Wenigstens funktionieren von den angegebenen sechs Gängen drei, was reicht, wenn man es nicht eilig hat.

Wir radeln also entspannt Richtung Angkor Wat. Kurz vor Ankunft werden wir von einer Straßenkontrolle angehalten, die unsere Tickets sehen möchte. Tickets? Haben wir noch keine, ob sie uns welche verkaufen könnte. Leider ist die Dame kein Ticketschalter, der liegt 5 km entfernt von hier auf der anderen Zubringerstraße zum Gelände. 5 Kilometer auf diesen Rädern? Da sehen wir vor 12 Uhr mittags keine Tempel mehr! Ich bin zu diesem Zeitpunkt bereits auf Kriegsfuß mit meinem Rad. Jede Unebenheit in der Straße raubt mir wertvolle Geschwindigkeit, mein Knie schmerzt und der Sattel ist furchtbar unbequem.

Zum Glück ist ganz zufällig ein junger Mann mit seinem Motorrad zur Stelle, der uns anbietet, uns zum Ticketschalter zu fahren. Wir müssen leider beide dorthin, weil unser Gesicht auf das Ticket gedruckt wird, um den Weiterverkauf zu erschweren. Wir halten ihn davon ab, auch noch einen Kollegen zu rufen und bitten ihn, uns beide mitzunehmen. Nach einem kritischen (!!!) Blick auf Maltes und meine Figur willigt er ein.

Quelle: http://www.canbypublications.com/maps/angkor-main-map-large.htm

Quelle: http://www.canbypublications.com/maps/angkor-main-map-large.htm

Mit unseren brandneuen Dreitagestickets radeln wir nun endlich los. Der Reiseführer empfiehlt, sich den Haupttempel, Angkor Wat, für den letzten Tag aufzuheben und sich den Rest des Areals vorher anzusehen, um sich quasi langsam auf den Höhepunkt vorzuarbeiten. Wir folgen diesem Rat und beginnen mit einer wahrlich mikrigen Ruine, Prasat Kravan, drei Türmchen mit kaum sichtbaren Steingravuren. Jeder Tempel hat ein Schild, auf dem beschrieben wird, was es zu sehen gibt und welches Land sich um die Instandhaltung kümmert. Hier ist Deutschland am Werk. Die deutsch-kambodschanische Freundschaft ist wahrlich keine viel gerühmte.

Der größte Spaß an den Ruinen ist, dass man fast ohne Restriktionen in ihnen herumklettern kann. Die Sonne prügelt einen zwar fast in den Boden, aber man kommt sich wirklich vor wie ein Entdecker – wenn man die Touristenmassen ausblendet, versteht sich. Malte ist immer noch nicht begeistert. Mich nervt unsere Wahl des Transportmittels viel mehr als die anderen Menschen. Die Tempelanlagen sind anstrengend genug, aber die zwei bis drei Kilometer zwischen ihnen geben mir den Rest.

Bei einer der größeren Anlagen (East Mebon) schafft es Angkor dann endlich, das Tempelfieber auch in Malte zu erwecken. Eine ältere Österreicherin gibt mir den Tipp, dass es in einer Ecke der Ruine eine Art Kammer gibt, in der ein kleiner Schrein steht – und, wenn man sich an die Wand lehnt und mit der Hand auf die Brust schlägt, der ganze Raum widerhallt. Ich probiere es aus und hole den lustlos fotografierenden Malte. Die nächsten 20 Minuten kommt er aus der Resonanzkammer nicht mehr heraus, er steht schlagend und dann sogar singend da und testet die Akustik, als müsse er die Philharmoniker hier drin abnehmen. Er findet sogar den Ton, mit dem der ganze Bau laut dröhnt. Es ist ein tiefes F. Man hört es über die ganze Ruine.

Mittags kehren wir in einem der Restaurants ein. Hier sind es vier nebeneinander und die Besitzerinnen rennen fast auf uns zu und zwingen uns ihre Speisekarten auf. So aggressiv beworben wurden wir bisher noch nirgends und mein erster Impuls ist, wütend zurückzuschreien. Stattdessen vergleichen wir die Preise auf unseren jeweiligen Karten und lassen die Damen noch Extras wie kostenlose Getränke auf ihr Angebot aufschlagen. Am Ende gebe ich meine Karten mit vielen Worten des Bedauerns an meine Dame zurück, die mich daraufhin wütend auf Khmer beschimpft. Maltes Dame zieht triumphierend mit uns im Schlepptau ab. Das Essen schmeckt dann fantastisch und die Frau mit ihrer reizenden Tochter freuen sich sichtlich über unseren Appetit. Wir finden auf den Nachbartischen noch weitere Speisekarten, auf denen das exakt gleiche Menü mit anderen Preisen abgedruckt ist. Wir haben alles richtig gemacht, unsere Speisekarte mit 3 Dollar pro Gericht ist die günstigste.

Nach einer langen, ausgedehnten Mittagspause, um der Hitze zu entkommen, schwingen wir uns wieder auf die Fahrräder. Wir kommen an einem Wegweiser in die „Botanical Gardens“ vorbei, der Eingang sieht sehr unscheinbar und irgendwie interessant aus. Malte fragt mich, ob ich Lust hätte auf eine kleine Natur-Radeltour. Wenig später finden wir uns mit unseren Damenrädern auf einem Sand-Single Track mitten im Dschungel wieder. Das ist kein botanischer Garten, das ist ein Abenteuer! Es geht hoch und runter, über Wurzeln, Steine und durch tiefe Sandlöcher, unser ganzes radlerisches Können ist auf einmal gefragt. Wir haben auf unserer Karte einen Tempel ausgemacht, den man über diese Waldwege erreichen kann. Wir finden eine Swing Bridge, die von einem Einsiedler mit drei zuckersüßen Welpen bewacht wird, die uns wild anbellen. Das ist der einzige Mensch, den wir hier treffen, kein einziger Tourist lässt sich blicken. Als wären wir nicht mehr in Angkor.

Nach einer Stunde öffnet sich der Wald vor uns. Wir haben eine Lichtung erreicht. Die Sonne bricht durch das Blätterdach und taucht den vor uns aufragenden Ta Nei-Tempel in ein mystisches Licht. Auch hier, keine Menschenseele – nur ein Khmer, der etwas repariert und uns entspannt zunickt. Wir stellen die Räder ab und erkunden die Ruine. Die Natur holt sich hier zurück, was ihr gehört, überall. Der ganze Tempel ist mit Moos überwachsen und die riesigen Tropenbäume schlagen ihre Wurzeln über Steine, Mauern, alles. In den dunklen Räumen des Tempels wohnen Fledermäuse. Als wir auf der anderen Seite des Tempels ankommen, sehen wir dann den Parkplatz und die offizielle Zufahrtsstraße hierher, gerade als drei Tuktuks eine holländische Großfamilie ausladen, die den Tempel lärmend in Beschlag nehmen. Unser Entdeckerfilm ist vorbei, der Tourismus hat uns wieder. Wir verlassen den Tempel über den offiziellen Weg.

  • Ta Nei-Tempel
    Ta Nei-Tempel
  • Bilderrahmen
    Bilderrahmen
  • Dschungeltempel
    Dschungeltempel
  • Die Natur übernimmt
    Die Natur übernimmt
  • Massiver Baum
    Massiver Baum
  • Tempel for scale
    Tempel for scale
  • Moos
    Moos
  • Verletzte Fledermaus
    Verletzte Fledermaus

Es ist bereits Nachmittag, als wir uns wieder auf der Hauptroute einfinden. Wir sehen uns noch einen weiteren Tempel, Ta Keo (restauriert von China), und das sehr beeindruckende Eastern Gate an, bevor wir uns zu unserem als krönendes Highlight geplanten Abschlusstempel begeben: Ta Prohm (restauriert von Indien), der Tempel, in dem Tomb Raider gedreht wurde, die Versinnbildlichung des Begriffs Dschungeltempel. Wir sind völlig von den Socken. Die Bäume, die sich hier über, neben und zwischen den uralten Steinen erheben, sind noch beeindruckender als die „unseres“ Tempels. Auch hier findet Malte eine Resonanzkammer und gibt sein Wissen an einen tief beeindruckten koreanischen Jungen weiter, der für den Rest seines Besuchs in Angkor seine Eltern von Kammer zu Kammer schleppen wird, scheint es. Trotzdem haben wir unser Herz bereits an den kleinen Dschungelbruder, Ta Nei, verloren. Da wars einfach noch wilder. Nach viel zu wenig Zeit schmeißt uns der Aufseher des Tempels dann raus, weil sie schließen. Es ist bereits halb sechs Uhr abends, wie haben wir das geschafft?

Der Heimweg ist lang und zäh. Mir tut alles weh, die Tuktuks brausen nah an uns vorbei und am Ende verfahre ich mich dann sogar noch so übel, dass ich fast das Heulen anfange. Malte habe ich im dichten Rush Hour-Verkehr verloren. Irgendwann finde ich dann trotzdem heim. Abends gehen wir zum Italiener und essen eine absolut fantastische Pizza mit einer genialen Tomatensauce.

Endlich Pizza

Endlich Pizza

 

27.12.14

Heute gehen wir es an: Angkor Wat wartet auf uns. Natürlich haben wir auch heute unsere Räder dabei (manchmal frage ich mich, ob wir eigentlich auf gnadenlose Selbstkasteiung stehen) und kommen nach einer bedeutend kürzeren Fahrt als gestern am Eingang an. Hier kennt der Massentourismus kein Halten mehr: mehrere tausend Menschen und wir schieben sich durch das steinerne Tor in der beeindruckenden Mauer, die den Tempel umgibt. Dahinter wird der Blick frei auf den Höhepunkt – und wir sind irgendwie nicht so überwältigt, wie wir erwartet haben.

Ist es unsere Müdigkeit? Ist es die schiere Masse an Eindrücken, die wir nicht nur hier, sondern in den letzten Monaten gesammelt haben? Ist es die Tatsache, dass selbst der Lonely Planet in den allerhöchsten Tönen von diesem ersten Moment geschwärmt hat, in dem man seinen Blick auf eines der schönsten menschlichen Bauwerke richtet? Wissen wir zu wenig über die Signifikanz dieses Gebäudes? Natürlich ist Angkor Wat eine riesige, sehr gut erhaltene Tempelanlage aus alten Zeiten, der Schlüssel zur kambodschanischen Nationalidentität, Zeugnis eines vergangenen Reiches, das die ganze Region beherrscht hat. Aber ich muss ehrlich sein: Die Kathedrale in Straßburg, die Sagrada Familia in Barcelona oder der Shah-eh-Cheragh-Schrein in Shiraz haben mir Tränen in die Augen getrieben. Angkor Wat tut das nicht.

Wir fließen mit dem Strom, vorbei an den hunderten von Metern langen Steingravuren in den Mauern des Tempels, die Treppen empor auf den Aussichtspunkt aus dem Tempel über das Gelände, durch Räume, Gänge und Nischen. Dann setzen wir uns völlig platt auf eine Mauer und starren eine Weile vor uns hin. Zum Abschluss gehen wir noch an einer kleinen Hütte auf dem Gelände vorbei, wo über die Geschichte der Restauration des Tempels informiert wird. Hier stellt sich heraus, dass der Tempel in den Achtzigern von den Indern fast völlig verschandelt wurde, da sie versucht haben, die Reliefs der Apsaratänzerinen, jede einzelne eine individuelle Abbildung, mit Säure von Witterungsschäden zu befreien. Abgelöst wurden sie – Trommelwirbel – von Deutschland! Die viel gerühmte deutsch-kambodschanische Freundschaft wird noch in Jahrhunderten von unseren Barden besungen werden.

Nach Angkor sehen wir uns noch den Bayon-Tempel, in dessen Fassade mehrere Hundert Gesichter eingraviert wurden, an. Außerdem besteigen wir einen Hügel, auf dem die Amerikaner einen Tempel restaurieren. Außer einer kleinen Gruppe sehr lauter Chinesen ist hier niemand. Man hat von hier einen schönen Blick auf Angkor Wat. Wir essen an einem kleinen See zu Mittag, wo wir nicht nur die einzigen Touristen, sondern auch die einzigen Gäste sind. Die Tempel von Angkor gehen also tatsächlich auch abseits vom Mainstream, wir sind der Beweis.

Danach fahren wir zurück ins Hotel und schlafen den ganzen Nachmittag. Abends gehen wir in einer Bar, die von zwei großen Beatles-Fans betrieben wird, Burger essen. Auf der Dachterrasse lässt es sich gut aushalten. Danach ziehen wir weiter in die X-Bar, ebenfalls eine Dachterassenbar, auf der sich eine kleine Miniramp befindet. Auf diese setzen wir uns und genießen den Blick über die Stadt. Unter uns spielt eine sehr gute Coverband. Die Barkeeperin gräbt mich schamlos an. Ein schön belangloser Abend nach zwei Tagen steinerner Wucht. Ich verstehe immer besser, warum sich hier eine Touristenoase entwickelt hat. Hier gibt’s sogar mehrere 5-Sterne-Hotels und ein Hard Rock Café! Mitten in einem Land, in dem die Armut so allgegenwärtig ist, dass du selbst als Pauschaltourist nicht auskommst. Es ist bizarr.

 

28.12.2014

Heute gibt es keine Steintempel, Khmer-Vergangenheit oder sonstige kulturelle Einflüsse. Heute gehen wir zum Friseur auf dem Old Market. Für 10 Dollar erhalten Malte und ich eine Pediküre, einen Haarschnitt und ich noch eine Maniküre. Unser Salon hat nicht mal vier Wände, sondern eine, an der der Spiegel hängt und sich Regale unter der Last hunderter verschiedener Nagellackfarben, Lippenstifte und Friseurutensilien biegen. Meine Friseurin ist nicht besonders freundlich, aber versteht ihr Handwerk. Für unsere Pediküre holt sie eine Freundin, die sich an Maltes Füßen zu schaffen macht. Sie kichert die ganze Zeit, es ist wohl unüblich, dass sich Männer die Füße pflegen lassen. Sie fragt ihn schließlich auch, welchen Lack er denn gerne hätte und biegt sich vor Lachen.

Abends gehen wir in ein Khmer-Restaurant (wieder ganz normal mit Plastikstühlen und normalen Preisen) und bestellen einen Hill of Fire. Das ist quasi die kambodschanische Version eines Brühe-Fondues. Wir erhalten Hühnchen, Rind, Shrimps, Gemüse, Nudeln, Schweineschmalz und eine sehr professionelle Anleitung, wie wir das Ganze zu essen haben. Der Hill selbst ist eine, tja, hügelförmige Aluminium-Vorrichtung, unter der ein kleines Feuer angezündet wird. Auf dieser werden wir unsere Zutaten braten. Am unteren Ende unseres Hills sammeln sich die Bratensäfte in einer Brühe, in der die Nudeln und das Gemüse kochen. Es schmeckt vorzüglich.

Hill of Fire

Hill of Fire

29.12.2014

Wir sind uns einig: Die zwanzig Kilometer zum Ladies Temple werden wir nicht radeln. Nach dem Frühstück handle ich mit einem sehr freundlichen Tuktukfahrer einen akzeptablen Preis für seine Dienste aus. Wenig später strecken wir unsere Beine in den Fußraum des Tuktuks, während wir uns mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit auf den Weg zum letzten Tempel unserer To-Do-Liste begeben.

  • Tuktuk zum Frauentempel
    Tuktuk zum Frauentempel
  • So ein nettes Paar!
    So ein nettes Paar!
  • Fotogen
    Fotogen
  • Bildhübsch
    Bildhübsch
  • Bananen
    OLYMPUS DIGITAL CAMERA
  • Lastenmotorrad
    Lastenmotorrad
  • Long Vehicle
    Long Vehicle
  • Das Fahrrad passt
    Das Fahrrad passt

Der Tempel ist sehr hübsch anzusehen. Der Name kommt daher, dass vermutet wird, dass hier vor allem Frauen gearbeitet haben. Die filigranen Verzierungen, die die Ruine über und über bedecken, waren wohl damals Aufgabe der Frauen. Zum Abschluss ist diese Anlage tatsächlich nochmal ein Höhepunkt.

Auf dem Rückweg halten wir noch beim Landminenmuseum. Der Gründer des Museums, Aki Ra, ist der Allerhärteste Typ Aller Zeiten. Sein Lebenslauf liest sich wie ein Computerspiel: Geboren auf dem Land, wird er erst mal Kindersoldat, erst für die Khmer Rouge, dann für die Vietnamesen. Er spezialisiert sich auf das Legen von Landminen, später dann auf das Entschärfen besagter Minen. Als der Krieg vorbei ist, macht er mit dem Entschärfen einfach weiter. Ganz Kambodscha ist bis heute einer der meistverminten Landstreifen der Welt. Aki Ra zieht seit Jahrzehnten durchs Land und entschärft mit seinem Team Minenfelder, die meistens dadurch entdeckt werden, dass Dorfbewohner bei ihrer täglichen Arbeit oder Kinder beim Spielen auf eine treten, die sie dann in Stücke reißt.

Aki Ra außerdem ein Heim mit einer Schule gegründet, die Kinder aus Familien mit finanziellen Problemen aufnimmt, um ihnen den Zugang zu einer höheren Bildung zu ermöglichen. Natürlich nimmt er auch Kinder auf, die das Glück hatten, bei ihrem Landminenunfall nicht getötet zu werden. Der Mann ist unfassbar. Er hat für seine Dienste eine Auszeichnung von der UN erhalten. Hier könnt ihr mehr über ihn lesen.

Nach unserem Ausflug werden wir an unserem Guest House abgesetzt, wo der liebenswürdige Besitzer sich weigert, uns ein Busticket zu verkaufen. Wir wollten unbedingt bei ihm kaufen, weil er so nett ist, obwohl er teurer ist als die Konkurrenz die Straße runter. Er möchte uns aber nicht mehr Geld abnehmen als nötig und bleibt bis zum Ende standhaft. Wir sind zu diesem Zeitpunkt bereits absolut begeistert von ihm. Gestern unterhielten wir uns mit ihm, während unablässig das Telefon klingelte. Als wir ihn fragen, ob er nicht rangehen will, erzählt er: „Heute morgen ist mein Dienstmädchen nicht zur Arbeit erschienen. Ein Mann, der hier die letzten Tage immer wieder war, hat ihr 1000 Dollar geboten und sie mitgenommen. Ich habe mich darüber so aufgeregt, dass ich heute morgen von meinem Motorrad gestürzt bin und mir das Schienbein gebrochen habe. Ins Krankenhaus kann ich nicht gehen – wer soll denn sonst das Guest House führen? Außerdem scheinen die Buchungsportale im Internet ein falsches Bettenkontingent von mir zu haben. Ich muss schon den ganzen Tag Leute wieder wegschicken, weil ich kein Zimmer mehr frei habe – obwohl sie gebucht haben. Deshalb gehe ich auch nicht mehr ans Telefon.“

Heute hat er Gott sei Dank wieder eine Hilfe einstellen können, die die Zimmer putzt. Wir waren kurz davor, ihm unsere Hilfe anzubieten, bis wenigstens Silvester vorbei ist. Das ist nun glücklicherweise nicht mehr nötig.

Am nächsten Morgen brechen wir in der Früh in Richtung Kratie auf.

5 Responses to Siem Reap – Angkor Wat

  1. Toll. Ich hab Angkor ganz anders erlebt: Mit Guide, der alle Reliefs erklärt hat. War sehr beeindruckend, aber leider konnte er nur ganz schlecht Deutsch und Englisch, so dass wir die Erklärungen nur teilweise verstanden haben. 🙂

  2. Also wars das Geld nicht wert? Oder konnte man genug mitnehmen, um einen tieferen Einblick in die Geschichte zu gewinnen?

  3. Doch schon, die Erklärungen haben das Verständnis schon gefördert. Man vergisst halt vieles wieder und mit besseren Sprachkenntnissen hätten wir sicher noch mehr erfahren. Darauf sollte man achten, bevor man bucht. Wir haben allerdings aus Deutschland gebucht, so dass wir den Guide vorher nicht kannten. Aber er hat viel von den Khmer Rouge erzählt, das war es auch allemal wert.

  4. Laszlo Bencker sagt:

    wird immer besser. Habe heute Abend sogar GEO-EPOCHE links liegen gelassen. János schaut mich manchmal komisch an (bin am Balaton), versteht nicht, warum ich immer wieder loslache.
    Lass dich nicht von Bezzerwizzer -wenn überhaupt vorhanden – stressen! Das Niveau, das hier herrscht, reicht allemal! 3:) Super. Viele viele Bussis!
    PS: könntest dich langsam wieder zu Hause blicken lassen :-/

  5. […] BBQ ist zurecht beliebt. Er erinnert uns an den kambodschanischen Hill of Fire, den wir in Siem Reap gegessen haben. Vor uns wird ein Tischgrill platziert, die einzelnen Speisen, die wir bestellt haben, werden auf […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.