Singapur – Schlemmen im Asien der Zukunft

6. Mai 2016 • Singapur, Südostasien • Views: 2003

06.02.2016

Nach einem angenehmen Flug über die zahllosen Inseln von Indonesien, landen wir nachmittags auf einem der besten Flughäfen der Welt, Singapur. Wir wohnen hier wieder in einem AirBnB, das etwas außerhalb der unbezahlbaren Innenstadt liegt. Dafür gibt es um die Ecke köstliches pakistanisches Essen und unsere Gastgeber Amon und Slovena (aus Pakistan und Bulgarien) sind sehr herzlich und aufgeschlossen.

Es zieht uns zum Abendessen erstmal in Richtung Chinatown. Wir fahren mit dem öffentlichen Bus und fühlen uns wie in ein Asien der Zukunft versetzt. Singapur ist in der Tat sauberer als die meisten asiatischen Großstädte, und moderner ist es auch. Überall prangen chinesische Schriftzeichen, durch die Straßenschluchten drängen sich hauptsächlich Chinesen, aber auch Inder und ein paar Malayen. Es ist anders als der Rest von Südostasien.

Angekommen in Chinatown, ist es erst einmal schwierig, ein Restaurant zu finden, das unseren Heißhunger auf Dim Sum stillen kann. Alles ist rappelvoll, da morgen das Chinese New Year ansteht. Tripadvisor hilft uns weiter und schickt uns ausgerechnet in eine Shopping Mall zu einem Restaurant, das sich auf Dim Sum spezialisiert hat. Dort angekommen, ist der Betrieb beinahe militärisch durchgetaktet. Während wir auf einen freien Tisch warten, müssen wir bereits schriftlich unsere Bestellung aufgeben, die dann von einer resoluten Chinesin in uniformartiger Kleidung in die Küche weitergeleitet wird.

Der erste Biss in einen der perfekt gedämpften Dumplings lässt jegliche Skepsis schnell dahinschmelzen. So gut haben wir schon lange nicht mehr gegessen! Die Füllung ist himmlisch, die Brühe, die innerhalb der Teigtasche auf uns wartet, explodiert in tausend verschiedenen Geschmäckern in unseren Mündern. Wir finden beim Bezahlen heraus, dass dieses Lokal einen Michelinstern trägt. Gezahlt haben wir für zwei Personen inklusive Getränken trotzdem nur 30 Euro.

Den anschließenden Rundgang durch Chinatown gehen wir gemächlich an. Überall ist üppige Dekoration für das anstehende Jahr des Affen aufgestellt. Die Selfiesticks bilden einen dichten Wald über den Köpfen der Menschen. Der Night Market ist nichts Besonderes, weshalb wir auch hier hauptsächlich Menschen beobachten. In einem zweiten Lokal bestellen wir noch einmal ein paar Dim Sum. Die sind jedoch ungenießbar.

Wir verlassen Chinatown und gehen durch ein offenbar sehr angesagtes Weggehviertel, in dem lauter junge, gutaussehende Menschen gemischter Herkunft feiern. Ich kann mich kaum sattsehen an den fremdartigen Gesichtern: indisch-chinesisch, malay-filipino, sumatra-vietnamesisch… ich habe keine Ahnung, woher die Eltern alle kamen, aber einen derartigen Melting Pot habe ich außerhalb von Singapur noch nie gesehen.

07.02.2016

Da nach dem Boot-Debakel auf Fiji unsere zweite Kamera in Bali den Sand-Tod gestorben ist, hat Malte für Singapur einen Kamerakauf auf dem Plan. Die letzten Tage hat er fleißig recherchiert und über die App Carousell eine nette Dame mit einem interessanten Angebot aufgetrieben. Diese treffen wir heute, um die Kamera zu begutachten. Sie ist eine fröhliche, bibelfeste Chinesin, die als Hobby gebrauchte Kameras an- und verkauft. Wir nehmen die Kamera und kaufen uns zur Belohnung im angrenzenden Shopping-Center einen Gong Cha. Dieser süße Eistee mit Jellystückchen schmeckt uns so gut, dass wir in den nächsten Tagen eine regelrechte Sucht entwickeln und so oft wie möglich welche trinken.

Als nächstes zieht es uns zu den Gardens by the Bay. Dieser futuristische Park ist quasi ein botanischer Garten der Tropen. Neben dem berühmten Skywalk (heute wegen Wind geschlossen) gibt es außerdem noch zwei riesige Gewächshäuser. Wir entscheiden uns für den Mountain Forest, ein künstlich angelegter konischer Berg, der über und über mit Pflanzen bewachsen ist, die in den höher gelegenen Regionen der Regenwälder wachsen. Wir schieben uns gemeinsam mit Massen an koreanischen, indischen und chinesischen Touristen durch die Ausstellung, die aber trotzdem Spaß macht.

Zum Abendessen gehen wir zu einem der berühmten Hawker Markets direkt an der Hafenfront. Wir warten ewig auf unser Essen, sehen uns aber danach die schön inszenierte Lichter- und Wassershow der Marina Singapurs an. Es ist so ähnlich wie in Dubai, kitschig und nett. Die Musik hören wir leider nicht, da wir am falschen Ende des Hafenbeckens sind.

Zuhause warten Slovena, Amon und ein Freund, dessen Name mir entfallen ist, auf uns. Gemeinsam spielen wir bis spät in die Nacht Cards against Humanity.

Spieleabend

Spieleabend

Und dann geschieht ausgerechnet in Singapur, der Stadt, die sich mit ihrer Sauberkeit rühmt, eine Premiere: Wir entdecken eine kleine, eklige Kakerlake, die sich unter dem Bett versteckt hat und nun Maltes Rucksack ansteuert. Wir rücken ihr sofort mit Insektenkiller zuleibe.

08.02.2016

Nach einem köstlichen Frühstückbeim Pakistani zieht es uns heute in den East Coast Park. Wir leihen uns an einer der Fahrradstationen zwei Räder und radeln entlang der Ostküste Singapurs in Richtung Changi. Da heute Feiertag ist, ist im Park viel los. Überall sieht man Familien beim Grillen, Spazieren gehen oder selbst Radeln. Es sind verhältnismäßig wenige Chinesen hier. Die sind über das Neujahrsfest alle nach Hause zu ihren Familien geflogen. Der Park gehört heute eindeutig den Moslems aus Pakistan, Malaysia und Indonesien und den indischen Hindus.

Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung. Überall hört man lautes Gelächter. Kinder spielen Fangen, junge Inder wischen sich gegenseitig eins aus und eine Gruppe Filipinos singen lautstark einen Gassenhauer, den einer von ihnen auf seiner Gitarre zum Besten gibt, mit. An einem Punkt hat ein Vogelliebhaberverein seine Paradiesvögel zur Schau gestellt und lässt die beeindruckenden Papageien frei fliegen.

Dann wird es leerer und wir fahren durch einen schönen, grünen Wald, bis wir auf der Höhe des Flughafens Richtung Changi abbiegen. Wir folgen dem Zaun, der die Startbahn von der Straße abgrenzt für ein paar Kilometer und beobachten ein paar Flieger beim Start. In Changi gehen wir bei einem Hawkerzentrum Mittagessen und ich traue mich, eine malayische Nachspeise zu bestellen. Es stellt sich als geschabtes Eis mit Blaubeersauce und ein paar Lychees heraus. Gar nicht so übel.

Dessert

Dessert

Wir bringen die Räder wieder zur Verleihstation zurück und entspannen uns kurz inmitten des Getummels. Danach zieht es uns ins arabische Viertel. Die Moschee hat leider zu, als wir ankommen, aber das Viertel selbst ist den Spaziergang absolut wert. Wir laufen durch lauter kleine Gässchen, in denen sich traditionelle Touristenrestaurants mit hippen Bars und Cafés die Straßenfronten teilen.

Danach wandern wir weiter nach Little India. Hier ist was los! Die Straßen quellen über vor lauter indischen Männern. Frauen sieht man so gut wie gar nicht. Und im Gegensatz zu dem, was man über das echte Indien hört, werden wir hier komplett ignoriert und haben so die Möglichkeit, das geschäftige Treiben in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Wir essen sehr lecker zu Abend in einem ebenfalls aus allen Nähten platzenden Restaurant, bevor wir weiter durch Elektronikläden, Juwelierstraßen und an einem Hindutempel laufen.

Wir kommen an einer kleinen Gasse vorbei, aus der es einladend in warmen Rottönen leuchtet. Wir biegen ein und sehen vor einem schmalen Eingang eine Gruppe indischer Männer, die sich in einer Art Pyramide aufgestellt haben und erwartungsvoll in das Haus hineinsehen. Auf den ersten Blick können wir nichts Spannendes erkennen. Im Vorraum sitzt eine sehr müde wirkende, ältere Chinesin an einem klapprigen Tisch. Als wir weitergehen, wiederholt sich die Szene vor weiteren Eingängen und so langsam dämmert uns, dass wir hier wohl in der Herrmanstraße Singapurs gelandet sind. Die Häuser sind Bordelle.

Ich fühle mich sofort unwohl. Hier bin ich tatsächlich die einzige Frau unter sehr vielen Männern mit offenbar sehr fleischlichen Gelüsten. Ich treibe Malte zur Eile an, ich will hier so schnell wie möglich weg. Natürlich kann ich mir ein paar neugierige Blicke in die Häuser nicht verkneifen. Was ich sehe, deprimiert mich: Die desillusionierten Blicke der Frauen, die emotionslos und still wartenden Männer, die Schäbigkeit der Inneneinrichtung, die langen Gänge mit modrigen Zimmertüren – dies ist kein schöner Ort. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es in den Rotlichtvierteln anderer Städte Asiens aussieht.

Wir fahren zum Abschluss noch einmal nach Chinatown, auf der suche nach einer Neujahrsparty. Das ganze Viertel liegt jedoch wie ausgestorben da. Hier feiert heute niemand. Auch nicht schlimm, so kommen wir einigermaßen früh ins Bett, bevor wir am nächsten Morgen um 7 Uhr unsere Maschine nach Hanoi erwischen. Singapur hat uns sehr gefallen und das nächste Mal wollen wir hier etwas länger bleiben.

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2 Responses to Singapur – Schlemmen im Asien der Zukunft

  1. 30,- Euro für ein Sterne-Essen. Wow. Nicht schlecht…. Und auch die anderen Sachen klingen total spannend. Ich versuche solche Gerichte ja immer mal wieder zu Hause nachzukochen – aber irgendwie wird das immer nicht so richtig. 😉

    Liebe Grüße!
    Sarah

    • Julia sagt:

      Ja, das versuche ich auch oft 🙂 Aber bei Dim Sum fang ich gar nicht erst an – das gehört in kompetente Hände. Eigentlich schade, dass ich in Zukunft alle Dim Sums meines Lebens mit denen in Singapur vergleichen werde. Da kann doch nichts mehr rankommen!

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