Bangkok die Erste

6. März 2015 • Thailand • Views: 4978

 

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Als wir den Airport Link – Zug am Phaya Thai-Bahnhof verlassen, schlägt uns die tropische Hitze wie eine willkommene Umarmung entgegen. Endlich Bangkok, endlich Thailand! Ich erinnere mich noch gut an die Ankunft vor zwei Jahren, wo ich mit meiner Schwester Melli an exakt diesem Bahnhof aus dem Zug stieg und wir dem nächstbesten Touristenfänger in die Arme liefen. Innerhalb einer Stunde in Thailand waren wir 150 Euro leichter und stolze Besitzer von drei Tickets der übelsten Abzockerbusfirma. Dieses Mal kann mir so etwas natürlich nicht passieren. Ich genieße das Gefühl, mich hier schon ein wenig auszukennen und viele der Anfängerfehler bereits gemacht zu haben. So führe ich Malte und mich erfolgreich an einem Abzockertaxi vorbei auf die tosende Hauptstraße und verhandle mit den Taxifahrer so lange, bis uns einer ohne Fixpreis, sondern mit Taxameter zu unserem Guest House bringt. Dort angekommen, lassen wir alles fallen, schmeißen uns in unser sommerlichstes Outfit (es hat nachts immer noch 30 Grad) und laufen die 5 Minuten zur Khao San Road. Malte hat zu diesem Zeitpunkt noch sehr viel Respekt vor der berüchtigten Schärfe des thailändischen Essens, weshalb wir uns, wie ich es damals auch mit Melli gemacht habe, in ein Touristenrestaurant setzen und ein Pad Thai essen. Dazu gibt es Bier und Gin Tonic. Meine entblößten Schultern glänzen in der Hitze. Wir bleiben den ganzen Abend auf der Khao San Road, betrinken uns ziemlich und schauen, auf wackeligen Plastikstühlen sitzend, den Freaks beim Freak-Sein zu. Geil, endlich Urlaub!

Tag 1 – 28.11.2014

Nach unserer ersten Nacht in der schier unerträglichen Hitze dieser Stadt, in der wir splitternackt, zugedeckt, aber mit Ventilator auf Vollgas, letztendlich doch noch etwas Schlaf gefunden haben, ist der Schädel am Morgen groß und das Bedürfnis nach einer kalten Dusche und etwas Salzigem zu essen auch. Wir setzen uns in die nächste Straßenküche und ich erwische gleich mal ein höllenscharfes Schweinefleisch mit Thai-Basilikum. So gestärkt fühlen wir uns imstande, uns den Großen Palast und den Tempel anzusehen. Auf dem Platz vor dem Palast laufen die Vorbereitungen für die Militärparade anlässlich des Geburtstags des Königs. Uns fällt auf, dass die thailändischen Soldaten sehr schmal und drahtig aussehen. Mit ihnen anlegen wollen wir uns trotzdem nicht. Die können bestimmt alle Karate oder so.

Der Tempel und der Palast hauen uns von den Socken. Maltes Auslöser läuft vor allem bei den beeindruckenden Wandmalereien der Begrenzungsmauer des Tempels heiß, so schön und detailliert sind die dargestellten Szenen.

Aber auch der Tempel an sich ist wunderschön. Gerade zu dem Zeitpunkt, an dem wir ankommen, sitzen hunderte Gläubige in einem der Vorzimmer des Tempels und rezitieren Mantren. Ich komme sofort in eine andächtige und ehrfürchtige Stimmung. Wären bloß die ganzen russischen und chinesischen Touristen mit ihrem Bedürfnis, permanent zu reden und zu fotografieren, nicht…

Hier finde ich auch einen meiner Lieblingsorte wieder. Gegenüber des Eingangs zur Halle, in der der Smaragdbuddha ausgestellt ist, befindet sich ein kleiner Schrein für eine Fruchtbarkeitsgöttin. Hier kann man jederzeit Frauen und auch Männer beim Beten und Opfern beobachten. Für mich ist es heute wie auch schon damals das erste Mal, dass ich die Religiosität der Thais hautnah miterlebe. Ich weiß nicht, warum, aber diesen Leuten beim Beten zuzusehen, erfüllt mich mit tiefem innerem Frieden.

Nach diesem ersten Kulturbrocken steht uns der Sinn nach etwas Leichterem. Malte hat sich im Reiseführer das Siam Museum ausgesucht. Es stellt sich heraus, dass das eine exzellente Idee war. Erstens kostet es nach 16 Uhr keinen Eintritt mehr. Und zweitens ist dort echt richtig was geboten. Das ganze Museum ist eine einzige interaktive Spielwiese für Kinder und Erwachsene. Wir hauen auf Trommeln rum, finden echte Reisbauernhüte zum Anziehen, es gibt Holzspielzeug, Grafiken, Filmausschnitte über verschiedene Aspekte der thailändischen Kultur, die tatsächlich lustig und informativ sind und in der Kriegsabteilung kann man mit einer echten Kanone digitale Angreifer abschießen! Zwei Stunden reichen überhaupt nicht für diesen Riesenspielplatz und wir geloben, auf jeden Fall irgendwann wieder zu kommen.

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Abends fahren wir zum Essen nach Chinatown und probieren uns einmal die komplette Fressmeile rauf und runter. Endlich kann ich Sticky Rice und Mango probieren – und es ist himmlisch. Ich frage mich, wie ich es damals vor zwei Jahren eigentlich geschafft habe, zwei Kilo abzunehmen. Wenn das so schon losgeht, muss ich mich wahrscheinlich als Sperrgepäck nach Australien einchecken lassen.

 

Tag 2 – 29.11.2014

Malte möchte sich in Bangkok seine Zähne richten lassen. Es ist hier viel günstiger als zu Hause. Über Couchsurfing haben wir uns von einem Einheimischen eine Klinik empfehlen lassen, bei der wir heute einen Termin zur Zahnreinigung haben. Wir fahren mit dem öffentlichen Linienboot und dem Skytrain zur Sukhumvit Road, die neben Zahn- und Schönheitskliniken viele 5-Sterne-Hotels und eine breite Auswahl an internationalem Essen bietet. Und Hochhäuser! Das ist ein starker Kontrast zu den traditionelleren Häusern Alt-Bangkoks, wo wir wohnen.

Die Klinik sieht sehr modern aus und die nette Zahnärztin weiß genau, was sie tut. Gekostet hat uns die Reinigung nur 30 Dollar. Nach dem rauch- und teeintensiven Ländern Iran und Türkei war das dringend nötig. Außerdem haben wir beide das Rauchen aufgegeben und entfernen so die letzten Reste unserer lasterhaften Vergangenheit.

Danach wandern wir die Sukhumvit Road entlang, auf der Suche nach einer guten Thai-Massage ohne Happy End. Gar nicht so leicht in diesem Viertel. Letztendlich finden wir einen schicken Spa mit Thaimassagen im Sonderangebot. Ich schlafe bei meiner Massage fast ein – ein gutes Zeichen? Hungrig fahren wir zum Sukhumvit Food Market und holen uns Energie für unsere nächste Station: Patpong.

Das originale Nuttenviertel von Thailand wirkt auf uns eher wie eine ganz normale Vergnügungsmeile mit Nachtmarkt, ein paar dubiosen Bars und endlosen Angeboten, sich eine Pingpong-Show anzusehen. Wer hier an Tischtennis denkt, ist auf dem richtigen Weg. Die Damen führen sich mehrere Pingpongbälle ein und die Zuschauer erhalten Tischtennisschläger. Und dann werden die Bälle ins Publikum geschossen. Dies ist kein Bericht aus erster Hand, aber es wurde uns erzählt. Wir haben uns ein bisschen davor gefürchtet, mitzugehen, da man immer wieder Geschichten darüber hört, dass man, ohne dem gesamten Personal „Drinks auszugeben“ nicht mehr gehen darf. Wir wollen keine Prügel.Wir setzen uns lieber in einen Irish Pub und trinken einen ganz normalen Gin Tonic und lassen das Treiben auf uns wirken.

Tag 3 – 30.11.2014

Heute ist Samstag und Samstag ist Shoppingtag in Bangkok. Der Chatuchak Weekend Market öffnet seine Tore und verführt Händler, Einheimische und Touristen gleichermaßen mit Kleidung, Souvenirs, lebenden Tieren, Dekoration, Taschen, Schuhen und so weiter zum Einkaufspreis. Man findet hier alles, was man überall in Bangkok auf jedem Markt und jedem Straßenstand zu etwas höheren Preisen kaufen kann. Daher ist Verhandeln auch nicht so einfach wie woanders. Die meisten Preise sind fix.

Das Areal ist riesig. Es ist unmöglich, alles an einem Tag zu sehen. Wir kaufen uns Flipflops, einen Rock, eine Hose und noch ein paar andere Sachen. Was es hier außerdem in Hülle und Fülle gibt, ist Essen. Wir essen hier sowohl zu Mittag als auch zu Nachmittag (neue Kategorien für dieses Food-Mekka!), bevor wir den langen Shoppingtag im anliegenden Park ausklingen lassen. Abends schaffen wir es gerade noch in eine Bar und planen bei einem Espresso unsere bevorstehende Südostasien-Tour.

Tag 4 – 01.12.2014

Ich muss heute zur Deutschen Botschaft, da ich meinen Führerschein verloren habe. Danach spazieren wir durch den anliegenden Lumphini-Park. Wir treffen auf einen Fahrradclub und freilaufende Warane. Und hier laufen wir letzten Endes doch noch in eine Touristenfalle und lassen uns von einem Taxifahrer „wegen des Verkehrs“ zum nächsten „Bootspier“ fahren. Es stellt sich heraus, dass der Taxifahrer verdammt schnell wegfahren kann und der Bootspier nur für die überteuerten Dschunkenfahrten ist und nicht, wie von uns verlangt, der Linienboot-Pier. Wir ärgern uns, wissen nicht wo wir sind und treten den Rückweg vorerst zu Fuß an. Es hat dann doch etwas Gutes, dass der Mann uns hierhin gefahren hat. Wir finden endlich eine Post und kaufen ein großes Paket, in das wir unsere warmen Sachen und ein paar andere Dinge packen wollen, die wir auf unserer Reise durch die Tropen nicht brauchen.

Für unseren Rückweg erwischen wir einen der coolsten Taxifahrer Bangkoks. Er hört laut Michael Jackson, als wir einsteigen und bald sind wir in ein Gespräch über Rock und die aktuelle politische Situation in Thailand vertieft. Er findet die Militärregierung, die vor kurzem geputscht hat, überhaupt nicht schlimm. Sie sei notwendig, um die mafiösen Strukturen, mit denen hier Politik gemacht wird, aufzubrechen. Sonst würde das Land in ihnen untergehen.

Abends fahren wir zum Abschluss unseres ersten Bangkok-Besuchs zum Siam Square. Von den alten Sois (kleine Gassen), die den Platz früher dominiert haben und in denen reger Handel betrieben wurde, sehen wir vor lauter übertrieben großen Shopping-Malls erstmal gar nichts. Die neuen Malls sind jedoch auch einen Besuch wert: Wo Dubai mit schlichter Größe zu beeindrucken versucht, hat sich Bangkok Architekten aus der Zukunft einfliegen lassen.

Nach einem Abendessen vor dem MBK (nicht ganz so futuristisch, aber trotzdem eine Institution) fahren wir zum Abschluss auf den fotogenen Flower Market, ein Blumenmarkt, der nur nachts aufhat und auf dem Abermillionen von Blumen angeboten werden. Am nächsten Morgen verlassen wir die Stadt, die Istanbul vom ersten Platz unserer bisherigen Lieblingsstädte verdrängt hat, in Richtung Trat und unseres Strandurlaubs.

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