Bangkok die Zweite – Voll akklimatisiert

25. August 2015 • Thailand • Views: 4884

01.02.2015

Nach einem traurigen Abschied von Freyja, die nach Laos weiterreist, fahren wir zum Bahnhof und steigen in den Zug nach Bangkok. Erst ist nicht ganz klar, wo wir schlafen – außer, dass es getrennte Abteile sein werden. Wir finden erstmal ein leeres und verbringen die erste Zeit mit Backgammon spielen und frieren. Der ganze Zug wird auf gefühlte 10 Grad gekühlt, natürlich mit einer auf Vollgas laufenden Klimaanlage. Wir ziehen nach und nach unsere Jacken, Schals und Mützen an und bauen ein künstliches Zwischendach mit den Polstern und Matratzen, um uns vor der Eiseskälte zu schützen. Währenddessen schaut immer wieder ein erst sehr höflicher, am Schluss jedoch sehr verärgerter Schaffner bei uns vorbei und fordert uns schließlich auf, in unsere zugewiesenen Abteile zu verschwinden. Wir gehen erstmal abendessen ins ungekühlte Bordrestaurant.

Hier gefällt es uns schon bedeutend besser. Alle Fenster stehen sperrangelweit offen und die tropische Nachtluft wärmt unsere kalten Knochen wieder auf. Der Innenraum ist komplett mit einer Dschungeltapete ausgekleidet. Im ganzen Abteil wird geredet, gelacht und geraucht. Das Essen schmeckt vorzüglich. Leider werden wir hier um zehn ebenfalls rausgeschmissen. Wir verziehen uns in unsere Kojen und schlafen, bis wir am nächsten Morgen pünktlich um 06:30 in Bangkok ankommen.

Ich hätte übrigens fast meine Ukulele im Zug liegen lassen. Schon wieder!

02.02.2015

Nachdem ich unseren Taxifahrer zuerst die falsche Seitenstraße der Sukhumvit Road genannt habe, stehen wir ziemlich verloren mitten in der Stadt. Von unserem Hostel ist hier keine Spur. Nach ein paar Minuten finden wir einen offenen Massage Parlor und fragen, ob wir kurz deren WLAN benutzen dürften, um die korrekte Adresse nachzusehen. Der Besitzer ist ein freundlicher Amerikaner und erzählt uns, während wir recherchieren, ein paar nette Anekdoten aus dem Leben eines Expats in Bangkok. Heute erwarten er und seine Damen die Inspektion, die checkt, ob die geltenden Hygienestandards hier eingehalten werden. Wir fragen nicht weiter, ob es hier wirklich nur Massagen gibt. Wir befinden uns immerhin in einer der touristischsten Gegenden Bangkoks, wo es vor zwielichtigen Angeboten nur so wimmelt.

Nachdem die E-Mail mit der richtigen Adresse (eine Soi weiter) gefunden ist, machen wir uns auf zum Hostel. Hier stehen wir vor einer geschlossenen Rezeption, gemeinsam mit ein paar weiteren gestrandeten Reisenden. Als die Dame dann gegen 11 Uhr endlich kommt, erklärt sie uns außerdem, dass der Check-In erst ab 14 Uhr ist. Immerhin dürfen wir unser Gepäck hier einsperren und begeben uns kurz später auf die Suche nach Maltes Zahnklinik und auf einen kleinen Erkundungslauf durchs Viertel.

Das Bangkok der Sukhumvit Road ist ein krasser Kontrast zur Backpackerenklave Banglamphu. Hier ragt ein Skyscraper nach dem anderen in den Himmel, während es um die Khao San Road eher provinziell mit maximal vier Stockwerken zugeht. Über der Straße schlängelt sich außerdem der BTS Skytrain, die Schwebebahn Bangkoks durch das urbane Dickicht. Neben tausenden Schneidern, Massagesalons, Straßenständen und Restaurants mit internationaler Küche findet sich direkt an der Ecke unserer Soi das brandneue Terminal 21 Shoppingcenter. Neben zahlreichen Boutiquen finden sich auch europäische Klassiker wie H&M hier wieder.

Im obersten Stockwerk gibt es einen Food Court, der sogar die Preise der Straßenküchen schlägt. Das Essen ist sehr gut, aber die Atmosphäre ist im Vergleich zum Original sehr steril. Malte malt bald ein düsteres Bild für die Zukunft der traditionellen Straßenstände. Ich bin hingegen überzeugt, dass sich die alteingesessenen Betriebe so schnell nicht vertreiben lassen werden. Allerdings sehe auch ich, welchen Vorteil (neben dem finanziellen Aspekt) die Mall gegenüber der Straße für Berufstätige und Schüler bietet: eine funktionierende Klimaanlage. Es ist warm in Bangkok, wenn man einen Anzug oder eine Schuluniform tragen muss.

Nach Maltes Zahnarzttermin und einem ausgedehnten Spaziergang finden wir uns wieder im Hostel ein und werden als erstes in ein fensterloses Loch ohne Sauerstoffzufuhl geführt. Wir protestieren milde und erhalten dann immerhin ein Zimmer mit Fenster – zum benachbarten Dorm. Naja, besser als nichts, aber dennoch eines der schlimmsten Zimmer der ganzen bisherigen Reise. Wir hauen uns den ganzen Nachmittag aufs Ohr. Die Zugfahrt steckt uns noch in den Knochen.

Leider hat Malte mittags sein Handy in einem Taxi liegen gelassen. Daher fahren wir abends in Bangkoks coolste Mall, das MBK. Nachdem wir ein paar Stunden durch das Handy-Stockwerk mit den hundert verschiedenen Verkaufsständen geschlendert sind und uns verschiedene Angebote eingeholt haben, kaufen wir Malte ein neues Handy.

Meines ist nach wie vor kaputt. Mir rutscht das Herz in die Hose, als ich bei verschiedenen Ständen nach den Kosten für ein neues Display für mein Sony Xperia Z1 Compact frage: 120 Euro. EURO!

Das ist eine sehr schlechte Nachricht. Für dieses Geld kann ich ein neues Handy kaufen. Ich entscheide mich letztendlich trotzdem für die Reparatur, weil ich mein Handy sehr lieb gewonnen habe. Wenn man nicht so blöd ist und es auf Beton fallen lässt, ist das Xperia ein extrem zuverlässiges, funktionsreiches Gerät, das ich immer wieder kaufen würde. Wobei sich im Lichte der Reparaturkosten ein Samsung fast genauso attraktiv anhört. Ganz Asien telefoniert mit Samsung, entsprechend niedrig sind die Reparaturkosten. Ich werde hierfür nicht bezahlt, übrigens.

Auf dem Rückweg entdecken wir im Gewirr der Seitengassen der Sukhumvit ein überraschendes Viertel: Little Middle East. Hier läuft iranischer Pop, es gibt alles in Halal und auf arabisch. Ein kleiner Flashback in den ersten Abschnitt unserer Reise. Ist das tatsächlich schon über zwei Monate her?

Schließlich kaufen wir noch ein paar Bier und setzen uns auf die Terrasse unseres Hostels, um gemeinsam mit zwei Neuseeländern in Maltes Geburtstag reinzufeiern.

03.02.2015

Ich muss vormittags meinen neuen Führerschein von der Botschaft in Bangkok abholen. Kurze Rückblende: Ich hatte ihn bereits in der Türkei irgendwo verloren und bin seitdem höchst verbotenerweise nur mit meinem internationalen Führerschein durch die Gegend gefahren. Als wir das erste Mal in Bangkok waren, bin ich zur deutschen Botschaft, habe ein paar Anträge ausgefüllt (und angegeben, ihn in Bangkok verloren zu haben) und bin dann weitergefahren. Mir wurde gesagt, dass es zwischen 8 und 12 Wochen dauern kann, bis der Führerschein aus Vaterstetten in Bangkok eintrifft, da die Botschaft keinen Einfluss auf die Bearbeitungszeit der Gemeinde hat. Glücklicherweise spielt mir dieses Mal das Schicksal in die Karten: Am Tag unserer Ankunft in Bangkok erhalte ich eine E-Mail, dass mein Führerschein ab heute zur Abholung bereit liegt.

Auf dem Rückweg nehme ich aus der Konditorei in der Nähe zwei Stücke des laut Maltes Aussage besten Brownies der Welt mit und kaufe eine 3 und eine 0 als Kerze.

Nach unserem ungesunden, aber höchst vergnüglichen Frühstück lassen wir uns von Matthieu, einem Franzosen aus unserem Hostel, in die Welt des Erschleichens von Dienstleistungen einführen. Der Mann ist einer der Jungs, die überall weltweit auf die unmöglichsten Hochhäuser hochklettern und atemberaubende Fotos ihrer Expeditionen schießen, wie zum Beispiel die hier. Das Ganze nennt sich Urban Exploring.

Nein, liebe Eltern, wir waren nicht lebensmüde. Durch seine Erkundungstouren hat Matthieu jedoch auch herausgefunden, in welchen Hotels man ohne weiteres die Dachterrassen-Swimmingpools benutzen kann. Nach einem fünfminütigen Fußmarsch und einer kurzen, aber rasanten Liftfahrt finden wir uns im 42. Stockwerk eines sehr noblen Hotels wieder und plantschen wenig später in einem Pool mit spektakulärer Aussicht über Bangkok. Niemand sagt ein Wort, auch wenn wir ganz eindeutig nicht der üblichen Klientel des Hotels entsprechen.

Nach einer Weile verabschiedet sich Matthieu von uns, er trifft sich mit einem Kanadier für eine Objektbegehung, hihi. Wir suchen nachmittags nach einem besseren Hostel in der Gegend, können jedoch leider kein günstigeres finden. Daher beschließen wir, am nächsten Tag wieder zurück nach Banglamphu zu ziehen.

Abends stecken wir in der Rush Hour in einem Skytrain fest, als die Sonne majestätisch hinter der Skyline untergeht. Ich ärgere mich still in mich hinein, dass mein Timing offenbar zu knapp war. Malte hat keine Ahnung, wohin wir fahren. Ich habe ihn lediglich aufgefordert, ein gutes Hemd und eine lange Hose anzuziehen und mir dann zu folgen. Das Ziel unserer Reise ist die Sirocco Roof Bar, bekannt aus Hangover 2. Ich war vor ein paar Jahren mit meiner Schwester Melanie schon mal hier, auf nachdrückliche Empfehlung meiner anderen Schwester Sonja.

Als wir ankommen, ist zum Glück immer noch ein wenig Restlicht vorhanden. So können wir beobachten, wie die Stadt langsam in den Nachtmodus wechselt, während wir die garantiert teuersten Drinks unseres Lebens schlürfen. Aber hey, man wird nur einmal dreißig.

Nach einem fantastischen Abendessen beim Pakistani kehren wir zurück ins Hostel.

04.02.15

Nach unserem Umzug von Sukhumvit mitten auf die Khao San Road, wo wir sogar geupgradet werden auf ein super Doppelzimmer mit Klimaanlage, verbringen wir den Tag damit, absolut gar nichts zu tun.

05.02.15

Heute leihen wir uns mal wieder Fahrräder aus, um die Gegend zu erkunden. Wir möchten auf die andere Seite des Flusses wechseln und das dortige Viertel erkunden. Der Verkehr hat es echt in sich. In Banglamphu gibt es sogar noch Radwege, das ändert sich jedoch erstmal, sobald man über die Brücke rüber ist. Ich lasse mich erstmal fast zusammenfahren, da ich den heranrasenden Jeep einfach nicht gesehen habe. Danach bin ich auf der Hut und wir suchen uns sofort eine Route weit entfernt von den Hauptstraßen.

Wenig später befinden wir uns in einem dichten Netz enger Gassen, die immer wieder die vielen Wasserkanäle kreuzen, die früher ganz Bangkok dominierten. Die Stadt hatte früher den Spitznamen „Venedig des Orients“ – wir verstehen nun, warum. Die Atmosphäre ist entspannt und fast dörflich, was fast unvorstellbar ist, wenn man die Hochhäuser und den irrsinnigen Verkehr kennt, der teilweise nicht einmal hundert Meter weiter tost. Stattdessen werden wir hier freundlich gegrüßt und neugierig beäugt. Als wir uns verfahren, zeigen zwei liebenswürdige alte Leute uns den Weg aus dem verwirrenden Labyrinth.

Malte entdeckt in einer weiteren Straße ein getuntes Auto, das er fotografiert. Der Besitzer bemerkt uns und kommt auf die Straße. Er spricht kaum Englisch, macht aber für Malte die Motorhaube und den Kofferraum auf und zeigt ihm stolz, wie übel er die Karre auffrisiert hat. Nachts geht es für ihn auf die großen Straßen, erklärt er uns mit Händen und Füßen. The Fast And The Furious – Thai Style.

06.02.2015

Wir lassen es wieder ruhig angehen. Auf Empfehlung eines Youtubers fahren wir zum Victory Monument und finden dort eine ganze Straße voller Shops, die Nudelsuppe verkaufen. Die Schüsseln sind kleiner, als wir es bisher gewohnt sind, aber die Suppen sind dafür köstlich. Vielleicht ziehen wir das nächste Mal in ein Hostel hier in der Nähe? Dieses Frühstück ist eines der Besten, die wir bisher hatten.

Victory Monument

Victory Monument

Danach entspannen wir in einem unerwartet aufgetauchten Park, umringt von Hochhäusern. Es gibt ein paar Fitnessgeräte, die wir, wie schon im Iran, begeistert ausprobieren. Außerdem liegen in einer Art Bücherregal Dutzende von Zeitschriften herum, von denen zwei sogar auf Englisch sind. Es geht um Luxusapartements in Südostasien. Wenn man das liest, kriegt man als idealistischer Weltverbesserungshippie das kalte Kotzen. Anscheinend steigt das Bedürfnis nach absoluter Privatsphäre mit Null Kontakt zur Außenwelt proportional zum Kontostand.

Zum Abendessen wollen wir eigentlich ein Lokal im indischen Viertel aufsuchen, werden aber leider enttäuscht: Fast alle haben um halb neun Uhr Abends schon zu. Das Einzige, was wir noch offen finden, Little India, stellt sich als totale Touristenklatsche mit mittelmäßigem indischen Essen heraus, gekocht von einem Thai.

Den Heimweg bringen wir zu Fuß hinter uns. Es wird ein schöner Spaziergang durch die auf einmal wie ausgestorbenen Straßen Bangkoks. Auf einmal jedoch sehen wir überall Radfahrer, die in Gruppen über die leeren Straßen sausen. Wir haben von einem Fahrradmechaniker aus Bangkok bereits davon gehört, dass es eine sehr lebendige Radszene in Bangkok gibt, aber diese hauptsächlich nachts aktiv ist. Bei dem Verkehr kann ich das sehr verstehen. Wir beschließen, uns für den nächsten Abend Räder auszuleihen und zu sehen, ob wir uns einer Gruppe anschließen können.

07.02.2015

Nach einem vergammelten Tag setzen wir unser Vorhaben in die Tat um und leihen uns noch einmal Fahrräder bei Velo Thailand aus.

Unsere heutige Route soll uns zum Old Train Market bringen. Wir vertrauen der Ortsangabe bei Tripadvisor und fahren in der Dämmerung los. Anfangs ist der Verkehr noch recht dicht, wir genießen es aber beide, endlich mal wieder in einer Stadt zu radeln. Es ist einfach was anderes, sich in sengender Hitze durch ländliche Gebiete oder gar Tempelanlagen zu quälen, als in der gnädigen Abendstimmung einer Großstadt über einwandfreien Asphalt zu segeln. Wir versuchen bald, uns abseits der Hauptverkehrsadern durchzuschlagen, was mit einem tollen Einblick in das tägliche Leben der Stadt belohnt wird. Hier werden die Sois abends zu Badmintonfeldern umfunktioniert. Der akustische Kontrast zwischen den großen und den kleinen Straßen ist extrem.

Natürlich stimmt die Adresse im Tripadvisor nicht. Nach intensiver Suche des Markts inmitten eines Wohnviertels halten wir einen Passanten an und fragen nach dem Weg. Der erklärt uns, dass der Markt sich direkt neben dem Weekend Market befindet – an dem sind wir bereits vorbeigefahren. Da wir niemals umdrehen, müssen wir unsere Räder nun über ein beeindruckendes Gewirr aus Fußgängerbrücken tragen, die weitaus weniger gefährlich sind als die tosenden Straßen unter ihnen.

Als wir ankommen, werden wir für unsere Anstrengungen reich belohnt. Der Markt ist rappelvoll, man findet nur lustige Kuriositäten (Hakenkreuz-Schlüsselanhänger gefällig?) und eine riesige Auswahl an Essen. Außerdem gibt es hier Bars mit Live-Musik, in denen nur junge, hippe Bangkokis sitzen und sich zulöten. Es herrscht eine tolle Atmosphäre.

Die Rückfahrt treten wir erst nach Mitternacht an. Der Verkehr ist nun endgültig abgestorben und die riesigen Avenues, die die verschiedenen Viertel Bangkoks miteinander verbinden, sind leer. Wir cruisen durch die laue Sommernacht und kommen genau rechtzeitig mit dem Ende der Party auf der Khao San Road zuhause an. Eine ruhige Nacht erwartet uns.

08.02.2015

Die Reisemüdigkeit zeigt sich immer deutlicher: Heute verlassen wir, außer zum Essen, unser Zimmer überhaupt nicht mehr. So endet unsere Rundreise durch die Mekongregion auf einer sehr entspannten Note. Am nächsten Morgen fahren wir zum Flughafen, wo wir nach einem kurzen Stopp in Kuala Lumpur zum dritten Teil unserer Reise aufbrechen: Australien und Neuseeland.

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