Mae Hong Son Loop – Mit 125cc durch die Berge Nordthailands

15. August 2015 • Thailand • Views: 6227

 

26.01.2015

Freyja, Julia und ich lassen unsere großen Rucksäcke im Guesthouse, setzen unser Helme auf und machen uns auf, mit unseren kleinen Hondas den Norden Thailands zu befahren. Inspiration ujnd Information hierfür gibt die großartige Homepage vom GT-Rider. Nach 10m Fahrt fährt Freyja fast zwei Thais über den Haufen. Glücklicherweise passiert nichts und wir sind alle wach. Wir trinken trotzdem einen Kaffee und gönnen uns ein ausgiebiges Frühstück. Bei unserem Motorradverleiher Mr. Mechanic füllen Freyja und ich Öl in unsere Maschinen, während Julia die Zugtickets für unsere Fahrt in einer Woche nach Bangkok kauft. Gegen 11:00 verlassen wir die Stadt Richtung Süden. Anfangs sind wir sehr gemütlich unterwegs. Es dauert ein wenig, bis alle an ihre Maschinen gewöhnt sind, bis wir im dünner werdenden Verkehr mitschwimmen. Zum Mittagessen gibt es Eis und Suppe. Auf atemberaubenden Gebirgsstrassen fahren wir anschließend weiter und machen Halt im königlichen Gartenzentrum am Fuße des Doi Inthanon, dem mit 2565m höchsten Berg Thailands. Von Schnee ist hier keine Spur. Bei sehr angenehmen 25° spazieren wir durch das Gartenzentrum und sind die einzigen ausländischen Touristen. Wir werden aber nicht weiter beachtet. Das macht das Reisen in Thailand sehr entspannt. Wir fühlen uns hier weder als wandelnder Geldbeutel, noch als Attraktion.

Wir fahren weiter auf unseren Motorrädern. Mal schnell, mal langsam genieße ich den Fahrtwind. Immer wieder fahre ich wie ein Irrer vorraus, um dann Fotos von den beiden vorbeifahrenden Damen zu machen. Bevor wir Mae Cham, unser erklärtes Tagesziel erreichen, biegen wir ab und lassen uns über Serpentinen in ein Tal hinabrollen. Hier befindet sich eine Jugendherberge, die aber offensichtlich nur Jugendliche aufnimmt. Also besichtigen wir hier noch den örtlichen Wasserfall und wagen den Sprung ins eiskalte Nass.

Die Fahrt auf der sagenhaften Passstrasse nach Mae Cham wird durch einen kleinen Erdrutsch unterbrochen. Eine Bewässerungsanlage hat dafür gesorgt, das ein Baum direkt vor unserer Nase auf die Straße gespült wird. Mit vereinten Kräften schaffen wir in kurzer Zeit die größten Teile des Baumes von der Straße. Bevor die ganze Arbeit erledigt ist, werden wir weitergeschickt. Als wir Mae Cham erreichen, stellt Julia fest, dass ihr Geldbeutel nicht mehr da ist. Ich mache mich auf den Weg bis zurück zum Wasserfall, in der Hoffnung, ihr Portemonnaie wiederzufinden. Es ist schon dunkel, als ich dort ankomme, finde ihn aber trotz Einsatz meiner Taschenlampe nicht. Auch der Parkranger hat nichts gefunden und ich fahre im Dunkeln zurück nach Mae Cham. In der Zwischenzeit hat Julia schon ein schnuckeliges Guesthouse auserkoren. Im Ort ist nicht viel los, aber wir finden eine nette kleine Wirtschaft und müssen nicht hungrig ins Bett.

27.01.2015

Wir schlafen recht lange, gehen erst Kaffee trinken, tanken und Suppe frühstücken, bevor wir uns nochmal auf den Weg zum Wasserfall machen, um Julias Geldbeutel zu finden. Die Suche bleibt erfolglos. Gottseidank waren nur alle wichtigen Sachen, wie Ausweis, Führerschein und Kreditkarte darin. Der Parkranger lässt sie telefonieren und sie kann zumindest ihre Kreditkarte sperren.

Von hier aus fahren wir auf einer Schotterpiste durchs Hinterland. Wir fahren durch eine bezaubernde Hügellandschaft und in einem kleinen Dorf frage ich eine Händlerin, ob sie Mak im Angebot hat. Mak ist die thailändische Bezeichnung für Betelnuss. Beim Kauen der Betelnuss wird ein Alkaloid freigesetzt, dass Müdigkeit und Hunger unterdrückt und eine leichte Euphorie hervorruft. Außerdem färbt das Kauen die Zähne in ein dunkles Rot. Man sieht hauptsächliche alte Leute das tun. Seit ca 2000 Jahren wird die Betelnuss in Südostasien konsumiert. Heutzutage sind es ca 600 Millionen Menschen, die Betel weltweit kauen. In Thailand ist der Konsum seit ca 50 Jahren rückläufig, es ist aber bei jungen Menschen ein Trend zurück zur Nuss zu entdecken.

Um die Betelnuss zu konsumieren, wird die Nuss der Betelpalme zerkleinert und in ein mit gelöschtem Kalk bestrichenes Blatt des Betelpfeffers gewickelt. Dieses Paket wird dann zwischen Zähne und Backe geschoben. Mit dem Speichel vermischt entsteht Arecaidin, welches buccal und auch sublingual aufgenommen wird.
Die Verkäuferin ist sich erst unsicher, was ich denn kaufen möchte und bietet mir nach meinen Kaubewegungen Kaugummi an. Als ich „Thai Mak“ sage, versteht sie dann und lacht erstmal herzlich bevor sie anfängt, uns dreien jeweils eine Portion zuzubereiten. Bei der Verabschiedung bedeutet sie uns vorsichtig zu fahren und bald sind wir, roten Speichel spuckend, auf unseren Motorrädern unterwegs. In einer kleinen Ansiedlung passiert es dann – Freyja stürzt. Ihre Knie sind blutig und wir sind froh, dass wir nicht zu den Idioten gehören, die ohne Helm fahren. Freyja hat zu einem falschen Zeitpunkt gebremst und ihr Vorderrad ist dabei weggerutscht. Ein paar Anwohner sind schnell zur Stelle und begutachten das Motorrad, an dem der Schaden wegen schon bestehender Schäden nicht weiter auffällt.

Nachdem der erste Schreck verdaut ist, machen wir uns auf ins nächste Dorf, in dem Freyja Verbandszeug und Jod erstehen kann und ihre Knie desinfiziert und verbindet.

Bis Kum Yuan fahren wir noch weiter und schlagen hier unser Lager im Good View Guesthouse auf, dessem Name nicht zuviel verspricht.

28.01.2015

Der Wecker klingelt um 7:15, wird aber von der Schul-Frühsport-Musik übertönt. Wir sind schon zum Sonnenaufgang aus den Federn und frühstücken in einer Straßenküche, wo Ingrid, die kleine Hündin, uns Gesellschaft leistet. Obwohl es frisch ist auf dem Motorrad, ist es großartig, so früh unterwegs zu sein. Im nächsten Dorf tanken wir und ich frage hier wieder nach Mak. Ich werde zu einem alten Mann geschickt, der die Nuss selber konsumiert und sehe wie das Ganze tatsächlich aussehen soll. Die Blätter sind frisch, die Nuss ist getrocknet und kleingehackt und der Löschkalk ist feucht. So bastle ich mir unter seiner Anleitung ein Paket. Er möchte keine Bezahlung dafür annehmen, aber ich glaube er ist froh, mir diese Tradition zeigen zu können.

Dieses Mal kann ich tatsächlich die versprochene Wirkung feststellen. Die Mädels wollen es heute etwas ruhiger angehen lassen und ich nutze die Gelegenheit, eine als scenic ausgeschriebene Gebirgsstraße zu erklimmen. Auf ca. 1500m geht es nicht mehr weiter und ich genieße den Ausblick. Als ich später wieder unten bin, folge ich dem Asphaltband bis zum verabredeten Ziel, einer heißen Quelle. Trotz des Gipfelsturms komme ich vor den beiden an, die in der Zwischenzeit einen Kaffee trinken waren.
Die heißen Quellen sehen aus wie ein öffentliches Freibad und wir entspannen im heißen, mineralstoffhaltigen Wasser.

In Mae Hong Son essen wir zu Mittag und fahren weiter über sanft geschwungene Straßen nach Soppong. Der Reiseführer nennt hier zwei Guesthouses. Das erste spricht uns weder durch seine Zimmer-, noch durch die Preisgestaltung an. Auf dem Weg zum außerhalb liegenden Guesthouse finden wir eine kleine Bungalowanlage. Es ist kein Gast zu sehen. Auf der Terasse des Haupthauses finde ich den französichen Besitzer Thierry, der uns zu einem fairen Preis aufnimmt. Er sagt, er habe eigentlich nicht geöffnet, aber da wir ihm symphatisch seien, können wir gerne seine Gäste sein.

Die Mädels zaubern ein grandioses Schmorhähnchen und wir essen spät und gehen betrunken ins Bett.

29.01.2015

Kein Wecker, keine benachbarte Schule und auch kein lauter Vogel stört uns heute morgen und wir schlafen tatsächlich bis 10:00. Heute besichtigen wir eine nahgelegene Höhle, die Nam Lod. Mit einem Guide laufen wir bis zum Eingang der Höhle, wo schon Flößer bereit stehen und uns auf ein Bambusfloß steigen lassen. Der Fluß fließt durch die Höhle, in der es von Fledermäusen wimmelt. Der Guide führt uns durch die Finsternis und zeigt uns die bizarren Felsformationen. Zurück geht es wieder im Floß und wir können die Karpfen streicheln, die sich in Massen um das Floß tummeln.

Danach verabschieden wir uns für den Nachmittag von Freyja, da diese ihre geschundenen Knie auskurieren möchte.

Julia und ichbrechen auf, um an die Grenze von Myanmar zu fahren, die nicht weit entfernt ist. Hier kommen wohl selten Touristen vorbei, denn wir werden immer wieder staunend angesehen. Die Fahrt zieht sich über Schotterpisten, Waldwege und neugebaute Straßenabschnitte, bis wir schließlich an der Grenzschranke halten. Hier machen wir ein Foto mit dem Grenzsoldaten und fahren schließlich auf dem kürzesten Weg zurück. In der Dämmerung kommen wir in der Unterkunft an und eine heiße Dusche wärmt die ausgekühlten Glieder wieder auf.

Im Ort kaufen wir Zutaten für ein Curry und bereiten diese bei Thierry in der Küche zu. Wir unterhalten uns angeregt an dem Abend und Thierry freut sich so sehr, Gäste zu haben, dass er seinen kostbaren indischen Lobster mit uns teilt. Bis 2:00 sitzen wir so zusammen und freuen uns unseres Lebens.

30.01.2015

Wir verabschieden uns von Thierry, essen ein sehr scharfes Curry und sind gegen zehn Uhr schon auf der Weiterfahrt. Die Straße ist sehr kurvenreich und ich genieße jede einzelne Biegung. Vor der Stadt Pai fahren wir zu einem Wasserfall. In den kleinen Ansiedlungen auf dem Weg abseits der Hauptstraße werde ich mehrmals gefragt, ob ich Opium oder Ganja kaufen möchte, lehne aber dankend ab. Am Wasserfall gibt es eine Schlammpackung, die mit dem eiskalten Wasser wieder abgewaschen wird.

Unser letztes Übernachtungsziel Mae Sae erreichen wir, als es schon langsam dunkel wird. Im Guesthouse des örtlichen Minimarts finden wir ein Bett und sind nach einer Partie Tischtennis reif fürs Bett.

31.01.2015

Als wir wach werden, ist es noch nicht ganz hell und leichter Nebel liegt im Tal. Zum Frühstück gibt es Dumplings und Kaffee. Die Dusche verschieben wir wegen der niedrigen Außentemperaturen und dem hohen Innenschmutz der Sanitäranlagen und fahren zeitig los. Die Aussicht ist wunderschön. In den vielen kleinen Tälern hängt ein zäher Nebel. Später lernen wir, dass dessen Ursprung in den Geysiren der Umgebung liegt. Der durch Erdwärme entstandene Dampf erzeugt eine extreme Luftfeuchtigkeit in Bodennähe und diese kondensiert bei den niedrigen Temperaturen der Nacht.

Unser Ziel heute morgen ist eine dieser heißen Quellen, in denen wir die Kälte in unseren Knochen loswerden. Die Thermalanlage ist wirklich sehr schön, obwohl, oder weil sie ihre besten Jahre schon gesehen hat. Es gibt hier geschlechtsspezifische Becken, die wir aber ignorieren. Außer uns ist nämlich niemand hier.

Später fahren wir noch ein wenig über abzweigende Nebenstraßen ins Hinterland und entgehen somit dem stärker werdenden Verkehr, der unsere Wiederankunft in Chiang Mai ankündigt.

In Chiang Mai müssen Julia und ich uns ein Ersatzticket für die Zugfahrt besorgen. Da das wohl häufiger vorkommt, wird bei jedem Ticketkauf der Passport gefordert und der Name wird mit den Tickets abgespeichert. Bei der Deutschen Bahn würde man ohne Ticket da stehen. Wir stehen nur eine ganze Weile in der Schlange am Schalter und sitzen kurz in der Polizeistation, wo wir den Verlust melden müssen, bis wir wieder Fahrkarten nach Bangkok haben.

Abends essen wir einen gigantischen Burger und quetschen uns durch die Massen der Saturday Walking Street, einem extrem beliebten Night Market.

01.02.2015

Unser letzter Tag mit Freyja beginnt damit, dass wir Suppe für sie besorgen, da die Arme krank ist. Wir erstehen einen Eiskaffee, der wie immer im Plastikbeutel gereicht wird, aber zusätzlich in eine, mit Eis befüllte Papiertüte gepackt wird. So soll er angeblich für fünf Stunden kalt bleiben. Dazu kann ich leider keine genaueren Angaben machen, da er nach zehn Minuten leer ist, aber wir glauben der guten Frau einfach mal.

Der Abschied von Freyja ist kurz aber herzlich und wir fahren im Tuktuk durch kleine Seitenstraßen zum Bahnhof und können dort auch schon bald in unseren Nachtzug zurück nach Bangkok einsteigen.

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2 Responses to Mae Hong Son Loop – Mit 125cc durch die Berge Nordthailands

  1. ich werde langsam richtig neidisch. Dieser Hölle schaut doch brutalgeil aus!

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