Cat Ba und die Halong-Bucht – Weltnaturerbe abseits der Massen

20. September 2016 • Vietnam • Views: 2247

17.02.2016

Herr Long, unser netter Wohnungsvermieter, hat sich unserer angenommen und uns einen Ausflug in die Halong-Bucht empfohlen. Das ist natürlich kein besonderer Insider-Tipp – jeder kennt die traumhafte Kalksteinlandschaft, in der man auf Dschunken und Schiffen umherfahren kann.

Malte und ich waren uns trotzdem nicht sicher, wie wir dieses Highight Vietnams abseits der ausgetretenen Pfade erleben können. Herr Long liefert die Antwort: Wir sollen mit einem Uber Taxi zum Busbahnhof fahren, ein Ticket der Firma Hoang Long nach Cat Ba kaufen, dort im Hotel seiner Familie einchecken und einen Tagesausflug buchen.

Leicht schmunzelnd nehmen wir den Vorschlag von Herrn Long an, der daraufhin seiner Familie auf Cat Ba, der größten Insel im Halong-Bucht Nationalpark, Bescheid gibt, uns das beste Zimmer des Hotels zu reservieren. Die Idee, mit Uber zum Busbahnhof zu fahren, spart uns tatsächlich viel Geld und Hoang Long ist ein seriöses Busunternehmen,das uns zügig und in gut ausgestatteten Bussen erst nach Hai Phong, von dort mit der Fähre nach Cat Ba und dann in einem weiteren Bus in die Stadt bringt. Im Hotel werden wir bereits erwartet und erhalten ein lichtdurchflutetes Zimmer auf der obersten Etage mit Meerblick. So weit, so gut.

Wir verbringen den Nachmittag mit einem Schlenderspaziergang an der unaufregenden Uferpromenade entlang. Die Cafés und Restaurants erwachen langsam aus ihrer Siesta, ein paar Hunde laufen herum, ein paar Touristen haben offenbar ebenso wenig zu tun wie wir.

Wir sind immer noch nicht besonders erholt – obwohl der anscheinend wunderschöne Cat Ba Nationalpark hinter der Stadt beginnt und zum Wandern, Radeln und Entdecken einlädt, freuen wir uns schon wieder auf die Wohnung in Hanoi.

Nach dem Abendessen gehen wir noch auf eine in der Hauptsaison bestimmt sehr lebendige Bar namens Noble House und spielen ein paar Runden Backgammon, bevor wir uns zurückziehen. Unser Tagesausflug morgen früh geht bereits um 8 Uhr los.

18.02.2016

Wir haben uns gegen die günstige Backpacker-Tour für 15 Dollar pro Person entschieden und zahlen daher für das etwas bessere Schiff mit dem besseren Essen 20 Dollar. Wir fanden, dass wir uns das mal leisten können. Sehr zu unserer Freude sind wir hiermit in der Minderheit und teilen uns das große, saubere Schiff mit nur zwei weiteren Deutschen. Unser Kapitän spricht so gut wie kein Englisch und lässt uns daher nett ratschen, während die Lanschaft an uns vorbei zieht. Irgendwann verschlägt es uns alle auf das Sonnendeck, auf dem bequeme Liegen stehen und zum Chillen einladen. Die Sonne lässt sich heute nicht blicken, aber neblig ist es auch nicht.

Unser erster Stopp ist in einer Bucht, in der wir Kajak fahren gehen. Unser Kapitän kürt Malte mit breitem Lächeln zum Tour Guide und malt ihm die Route durch die Bucht auf, die wir nehmen sollen. In einer Stunde sollen wir wieder da sein. Wir sind etwas verdutzt, aber steigen in unsere zwei Doppelkajaks und paddeln los.

Wir sind die einzigen ohne Guide, was einerseits super ist, da wir so unser eigenes Tempo wählen können. Andererseits wäre es natürlich schön gewesen, etwas mehr über die Entstehung der Bucht zu erfahren oder über die Flora und Fauna. Wenn Malte und ich ganz ehrlich sind, freuen wir uns darüber, nicht mit noch mehr Fakten und Input überladen zu werden.

So genießen wir die bildschönen Steilwände, navigieren durch seichte Höhlen, ohne das dort dümpelnde Fischerboot zu rammen (unsere Kolleginnen treffen es leider frontal) und freuen uns, dass unser Guide es auch nicht als notwendig befand, uns mit überflüssigen Schutzwesten zu dekorieren.

Zurück auf dem Boot gibt es ein sehr leckeres Mittagessen, bestehend aus viel frischem Gemüse und Fisch. Der Kapitän hat derweil die Skipper der anderen Schiffe zu uns in den Gemeinschaftsraum zum Kartenspielen und Schnapstrinken eingeladen. Es geht recht heiter zu, sowohl bei ihnen als auch bei uns.

Nachmittags fahren wir weiter durch die Halong-Bucht. Die Stille wird nur durch den Motor durchbrochen, immer wieder überholen wir kleine Nussschalen, in denen vietnamesische Fischer hocken und angeln, Netze knüpfen oder eine Zigarette rauchen. Zurückwinken tun nur die Kinder.

Irgendwann versetzt uns das regelmäßige Tuckern des Motors in Trance und wir schlafen alle auf unseren Liegen ein. Der Kapitän findet uns so vor, als wir den nächsten Programmpunkt anfahren und ist sehr amüsiert von unserem augenscheinlichen Desinteresse an einer der spektakulärsten Landschaften Südostasiens. Das vor uns liegende schwimmende Dorf strotzt vor Vietnamflaggen und ist wirklich sehr idyllisch gelegen. Für Malte und mich ist es nicht das erste Mal, dass wir eine solche Siedlung sehen – und die in Kambodscha auf dem Inlé-Fluss war einfach noch beeindruckender.

Nachmittags sammeln wir an einem anderen Hafen ein paar Passagiere ein, die durch den Cat Ba Nationalpark gewandert sind. Mit ihnen im Gepäck geht es dann zur Monkey Island, auf der wir einen kurzen, aber anspruchsvollen Klettersteig auf die höchste Spitze der Insel unternehmen. Unterwegs wird eine unserer Vorläuferinnen von einem Affen angefallen, was wir an ihren markerschütternden Panikschreien hören. Ich bin nach außen hin nonchalant und scherze mit den anderen über das schwache Nervenkostüm der Dame, aber innerlich hoffe ich, dass mich die Affen in Ruhe lassen. Der Blick vom Felsen war die Strapazen auf jeden Fall wert.

Blick von Monkey Island

Blick von Monkey Island

Nun geht es recht zügig zurück nach Cat Ba, wo wir uns herzlich von den Deutschen und den zugestiegenen Passagieren verabschieden. Wir unternehmen auf eine Empfehlung hin noch einen Spaziergang zu zweien der drei kleinen Strandbuchten von Cat Ba, bevor wir uns in einem Straßenlokal zu frischgefangenem Seafood niederlassen.

19.02.2016

Am nächsten Tag buchen wir ein Busticket zurück nach Hanoi, diesmal mit einer anderen Firma. Die Reise dauert doppelt so lang wie aus Hanoi raus, Bus und Boot sind eine Zumutung und das Personal schreit uns unhöflich an. Wir kommen sehr gestresst in Hanoi an und müssen dann auch noch ein neues Hotel finden, da unsere alte Wohnung jetzt ausgebucht ist. Herr Long entschuldigt sich persönlich bei uns für die Unannehmlichkeiten und wünscht uns eine tolle Reise. Er lässt uns nicht gehen, bevor er uns nicht ein paar Must-Dos auf unserem Straßenatlas eingezeichnet hat.

20.02.-23.02.2016

Im Hanoi View Hotel 2, mitten in der Stadt in einem sehr netten Marktviertel, finden wir ein sehr nettes Zimmer vor, das für die nächsten Tage meine Welt wird. Ich wache morgens auf und bin krank. Während Malte das sehr interessante Ethnologiemuseum erkundet, lasse ich mich höchstens für eine stärkende Pho aus dem Bett zerren. Mein Körper sagt mir immer noch in aller Deutlichkeit: Ich brauche eine Pause.

Am letzten Tag meiner Krankheit fühle ich mich imstande, das Kriegsmuseum zu besichtigen. Viel Propaganda und allerlei Kriegsgerät erwartet uns neben einer mäßig interessanten Ausstellung der vietnamesischen Kriegsgeschichte seit dem 14. Jahrhundert.

Immerhin kann ich mich ein paar Stunden auf den Beinen halten, was den Ausschlag dafür gibt, am nächsten Tag unsere Nordvietnam-Tour zu beginnen.

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