Roadtrip durch den Nordosten Vietnams

9. März 2017 • Vietnam • Views: 823

27.02.2016

Wir schieben uns etwa eine Stunde, gemeinsam mit den üblichen Lastwägen, gen Norden entlang des QL 3. Nach einer stärkenden Teepause an einer Tankstelle, die wir mit einer sehr netten Reisbäuerin verbringen, biegen wir jedoch ab auf die TL 254, die uns von Süden an den Ba Be National Park heranführt.

Und was für eine Straße das ist! Sie ist größtenteils in einem guten Zustand und schlängelt sich durch eine bezaubernde Landschaft aus Kalksteinbergen, kleinen Flüssen, Dörfern und Landwirtschaft. Wo auch immer wir vorbeifahren, schauen die Leute überrascht, lächeln und winken. Die Kinder schreien auch in Vietnam laut „Helloooooooo!“.

Wir erklettern Bergpass um Bergpass und langsam bekommen wir beide ein Gefühl für unsere Maschinen. Malte legt sich schon ganz abenteuerlich in die engen Kurven, als ich langsam nicht mehr jeden Kieselstein auf der Straße als potenziellen Erzfeind betrachte.

Nach ein paar Stunden Fahrt im Sonnenschein machen wir Halt in einer wirklich scheußlichen kleinen Stadt und kehren bei einem stockbesoffenen Vietnamesen ein. Mithilfe von Google Translate entziffern wir, was es bei ihm gibt und wenig später genießen wir eine köstlich-knusprige Ente mit scharfem Dip und Reis. Der Besitzer ist so begeistert davon, dass er zwei Touristen bei sich hat, dass er uns erst auf Vietnamesisch vollschwallt und uns dann zu Tee und Schnaps einlädt. Ich komme zum Glück aus der Schnapsnummer raus und Malte freut sich später auch, dass er an dem offensichtlich selbstgebrannten Zeug nicht erblindet ist.

In der milden Nachmittagssonne geht es weiter entlang eines größeren Flusses, der von einer San Francisco-mäßigen Hängebrücke überspannt wird. Kurz vor Sonnenuntergang erklimmen wir den letzten Pass für heute und erreichen die Grenze zum Ba Be National Park. Wir zahlen eine kleine Gebühr und ab diesem Moment sind die Leute auf einmal nicht mehr zum Lächeln zu bewegen. Wir werden finster angestarrt, als wir durch die nächste Ortschaft fahren. Hier ist man Touristen offenbar schon gewohnt.

Nach einer letzten langen Abfahrt eröffnet sich vor uns ein wunderschönes Tal voller Reisfelder, eingerahmt von den immer dramatisch aussehenden Bergen. In der Ferne glitzert bereits der Ba Be Lake, Vietnams größter natürlicher See. Wir finden eine wirklich süße Nha Nghi, zu Deutsch Pension, die uns zu einem Spottpreis ein sehr einfaches Zimmer (Matratze, Decke, Glühbirne) anbietet. Dafür haben wir von unserer Terrasse einen bezaubernden Blick über das Tal.

Nach einer kurzen Erkundungsfahrt um den See zu den nächsten Ortschaften, bei der wir mit einem Bootskapitän eine Tour für den nächsten Tag aushandeln, essen wir zurück bei uns zu Abend und lauschen beim Einschlafen erst ohrenbetäubend lauter Karaoke (es ist Samstag) und dann einem nicht im Geringsten leiseren Froschkonzert.

 

28.02.2016

Um neun Uhr treffen wir uns mit unserem Bootsführer am Ufer des Sees. Wir sind seine einzigen Gäste – es ist eindeutig noch Nebensaison. Wir schippern über den glatten, wunderschönen See, besichtigen einen wilden Wasserfall und einen verzauberten Tümpel mitten im Wald mit dem treffenden Namen Fairy Pond. Da heute Sonntag ist, sind viele Vietnamesen heute ebenfalls unterwegs, und mit unterwegs meine ich: am Saufen. Eine Gruppe Männer sitzt an der Anlegestelle unseres Boots und drängt Malte und mir wieder Reisschnaps auf und wollen Fotos mit uns.

Wir besichtigen noch einen Tempel, der auf einer kleinen Insel mitten im See steht, bevor wir wieder zu unserem Seeufer zurückkehren. Nach einem erquickenden Mittagsschlaf auf unserer Terrasse machen wir uns auf zu einer Höhle. Auch hier sind wir fast allein und die Höhle ist wirklich riesig. Danach fahren wir in ein benachbartes Tal, das dermaßen hübsch ist, dass wir uns fragen, warum hier nicht die Tourihorden hinpilgern. Nachdem uns ein sehr netter Local mit exzellentem Englisch erklärt hat, wo wir den Wasserfall finden, nach dem wir suchen, kommt für mich eine wichtige Probe meiner Motorradfahrerkarriere: Anfahren am Berg. Es sieht so abenteuerlich aus, dass die kleine Menschenmenge, die sich inzwischen um uns geschart hat, respektvoll Abstand nimmt. Aber ich schaffe es.

Der Wasserfall ist derzeit wenig spektakulär, da es Winter ist und es hier offenbar wenig geregnet hat. Deutlich zu erkennen ist jedoch, dass das hier ein beliebter Treffpunkt für die Jugend im Tal ist – eine Gruppe Teenager läuft uns kichernd nach und erschrickt regelrecht, als wir sie freundlich begrüßen.

Nach einer weiteren, sehr geruhsamen Nacht in unserem Homestay brechen wir am nächsten Tag auf in Richtung Cao Bang.

 

29.02.2016

Die Straße nach Cao Bang macht richtig Spaß. Über zahllose Bergpässe mit atemberaubenden Ausblicken, durch verschlafene Dörfer und Städtchen und bei strahlendem Sonnenschein fahren wir durch die wilde Landschaft. Gegen Nachmittag erreichen wir unser Ziel. Cao Bang liegt sehr hübsch an einem Fluss, an dessen Uferstraße wir ein nettes Café finden. Dort recherchieren wir bei einem Kaffee ein nettes Hotel und finden über TripAdvisor heraus, dass man in dieser letzten großen Stadt vor der chinesischen Grenze anscheinend eine gute Pizza bekommt. Und in der Tat, in einem unspektakulär aussehenden Restaurant mit einem sehr freundlichen Besitzer erhalten wir zwei einwandfreie Pizzas. Dass wir ausgerechnet in Cao Bang eine kulinarische Abwechslung zur immer gleichen Nudelsuppe finden, hatten wir nicht erwartet.

  • das Gepäck auf den Bikes verstaut, kann es losgehen
  • Traumstraße
  • Aus der Hüfte beim Fahren 1
  • Aus der Hüfte beim Fahren 2
  • Aus der Hüfte beim Fahren 3
  • Aus der Hüfte beim Fahren 4
  • Karstgebirge

Abends im Hotel ist es dann Zeit für ein bisschen Bildung: Wir sehen uns Apocalypse Now an. Drei Stunden lang herrscht in unserem Zimmer Ruhe, während uns auf unglaublich packende Weise nahegebracht wird, was damals eigentlich in diesem Land los gewesen ist. Warum die Vietnamesen den Amerikanern (und anderen Weißen) so offen und freundlich begegnen, ist uns unbegreiflich.

 

01.03.2016

Am heutigen Tag geschieht nicht viel. Ich arbeite, wir machen einen Ölwechsel und nachmittags checken drei 14-15jährige Basketballteams in unser Hotel ein und reißen die Hütte ab. Sie sind aber sehr freundlich, als wir nachsehen, was vor unserem Zimmer eigentlich los ist.

Wir merken außerdem, dass wir keine Chance haben, unser Ein-Monats-Visum von hier aus zu verlängern. Wir müssten zurück nach Hanoi, und zwar morgen, sonst verpassen wir die Frist. Wir beratschlagen, wie wir weiter verfahren. Fliegen wir nach Hause und machen den Rest Vietnams ein andern Mal? Wenn ja, was passiert mit unseren Motorrädern? Schaffen wir es, sie vorher noch zu verkaufen? Wir haben noch nicht das Gefühl, uns schon wieder von ihnen trennen zu können.

Wir entscheiden uns für eine andere Variante: Wir fahren unseren Nordost-Roadtrip auf jeden Fall zu Ende, buchen einen Billigflug nach Bangkok und reisen drei Tage später mit einem neuen Visum wieder ein. Nach einem Monat vietnamesischer Nudelsuppe freuen wir uns schon auf die fantastische thailändische Küche. Ich muss außerdem zum Zahnarzt und überhaupt ist Bangkok immer einen Abstecher wert.

Abends gehen wir in eine Straßenküche, die einladend nach Hot Pot duftet. Leider entpuppt sich diese Entscheidung als eine traumatische Erfahrung für mich: Die Suppe mit Hühnchen schmeckt wunderbar, bis ich plötzlich mit meinem Löffel ein angebrütetes Ei aus dem Topf hole. Der Kopf des Kükens ist bereits halb ausgebildet, der Rumpf ist nach wie vor Eidotter. Mir dreht es fast den Magen um. Föten sind offenbar meine kulinarische Grenze. Malte probiert eine Gabel und bemüht sich heldenhaft, eine unbewegte Miene zu wahren. Ein winziges Zucken seines linken Auges verrät ihn. Es ist nicht, wie er behauptet hat, nur Eigelb in seinem Mund. Ich kann die Suppe nicht fertig essen.

 

02.03.2016

Wir brechen heute recht früh auf, um viel Zeit am Ban Gioc-Wasserfall verbringen zu können. Mit frisch gewarteten Maschinen fahren wir erst mal auf einer zweifelhaften Schotterpiste hinter einem keuchenden Bus her. Die Landschaft ist jedoch jetzt schon sehenswert – wenn wir uns nicht so aufs Fahren konzentrieren müssten!

Relativ bald hat die Zuckelpartie ein Ende und wir biegen auf eine einwandfrei asphaltierte Straße ab, die uns durch umwerfend schöne Täler und kurvenreiche, großartige Pässe führt. Wir sind inmitten des Karstgebirges, das die Cao Bang-Provinz dominiert. Wir haben auf unserer Reise schon einige schöne Karstgebirge gesehen, vor allem in Laos und Thailand, aber das hier toppt alles.

Auf dem Weg passieren wir irgendwann ein cooles Schild, das uns endgültig das Gefühl gibt, am Ende der Welt angelangt zu sein:

Yeah!

Wir sind bis zum chinesischen Grenzgebiet auf uralten Motorrädern gefahren! Ist das nicht der Hammer?

Der Ban Gioc-Wasserfall selbst ist der viertgrößte Wasserfall der Welt, der auf einer Landesgrenze liegt. Wir erreichen ihn gegen Mittag und genießen beim Mittagessen die Aussicht auf China. Ganz recht: In etwa 30 Metern Entfernung, am anderen Ufer des Flusses, liegt tatsächlich China. Die Grenze kann man hier nicht mehr überqueren, jedoch war der Ban Gioc-Wasserfall in der Vergangenheit einer der Punkte, über den die chinesische Armee 1979 nach Vietnam eingefallen ist. Beide Nationen haben deutlich sichtbar große Flaggen auf einem der umliegenden Berge platziert. Die chinesische ist etwas größer, dafür hat Vietnam eine sehr protzige, moderne Klosteranlage auf einen Berg gebaut, sicherlich gut sichtbar von China aus.

Wir erkunden den Wasserfall für ein paar Stunden. Über abenteuerliche Pfade erreichen wir verschiedene Ebenen des Wasserfalls, von denen wir den chinesischen Touristen zuwinken, die am Fuße des Wasserfalls in kleinen Booten schaukeln.

Nachmittags beschließen wir, nicht über den gleichen Weg über den QL3 und die DT206 zurück zu fahren, wie wir gekommen sind, sondern die etwas längere Schleife über die DT207. Diese Entscheidung wird uns später beinahe zum Verhängnis.

Im goldenen Nachmittagslicht folgen wir der immer schlechter werdenden Straße entlang der chinesischen Grenze. Auf der anderen Seite des Flusses sehen wir chinesische Ladenfronten, teure SUVs und makellose Straßen. Selten wird uns deutlicher vor Augen geführt, was für große wirtschaftliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern herrschen können. Die Berglandschaft bleibt nach wie vor bezaubernd und als wir von der Grenze wieder ins Landesinnere einbiegen, bietet sich uns ein derart atemberaubender Anblick, dass ich den Mund kaum mehr zukriege. Die Straße fährt direkt auf einen Berg zu, links weite grüne Felder, rechts ein sich hoch auftürmender Berg mit Überhang. Wir sind so überwältigt, dass wir kein Foto machen.

Nach dem Tunnel ist es schnell vorbei mit einer vernünftigen Fahrtgeschwindigkeit. Wir navigieren durch Fahrrinnen und aufgebrochene Straßen, weichen ebenso langsam fahrenden LKWs aus, winken völlig perplex wirkenden Dorfbewohnern und kommen gegen halb fünf in eine etwas größere Stadt, in der wir einen Kaffee trinken. Wir überlegen, ob wir es wagen sollen, die restlichen Sonnenstunden zur Weiterfahrt zu nutzen und entscheiden uns dafür. Leider haben wir nicht bedacht, dass die Sonne in den Bergen früher weg ist als im Flachland. Die Straßen werden immer abenteuerlicher, die Sicht immer schlechter. Die Landschaft bleibt atemberaubend, jedoch können wir uns immer weniger darauf konzentrieren, da wir so beschäftigt mit der Straße sind.

Kurz bevor es wirklich dunkel wird, etwa 15 Kilometer entfernt von unserem Ziel, werden wir von einem recht zwielichtig wirkenden Typen gefragt, ob wir bei ihm übernachten wollen. Wir lehnen dankend ab und kämpfen uns weiter über die inzwischen komplett zur Stein- und Schlammpiste verkommene Straße. Wir fahren bereits länger mit Licht, was sich bei meiner Maschine als schlechter Witz herausstellt. Ich sehe gar nichts mehr. Die Sterne beginnen über uns zu funkeln, während wir auf einem dünnen Schlammband zwischen zwei tiefen Pfützen balancieren, Schlaglöcher von bis zu einem Meter Tiefe durchfahren, es ab und zu tatsächlich noch Gegenverkehr gibt. Ich dachte, dass mich nach unserer kleinen Expedition in Bali nichts mehr schocken kann und werde hier eines Besseren belehrt. Wir brauchen für acht Kilometer über eine Stunde.

Irgendwann passieren wir Baumaschinen, die die Straße offenbar stückweise reparieren. Laut Navi sind es nur noch sieben Kilometer bis zu unserem Ziel, als die Straße endlich wieder besser wird. Ein vietnamesischer Motorradfahrer überholt uns flott und wir hängen uns an ihn dran. Er kennt sich sicherlich besser aus als wir und er hat ein ordentliches Licht, das die Straße erhellt. Wir können es kaum glauben, als wir, völlig durchgefroren, hungrig und mit Kopfschmerzen vor lauter Konzentration, endlich Quang Uyen erreichen. Hier gibt es eine Unterkunft, in die wir ohne große Diskussion einchecken. Nach irgendeinem Abendessen fallen wir wie Steine ins Bett.

 

03.03.2016

Auch heute wird unseren Offroad-Skills keine Pause gegönnt. Die Straße nach Lang Son, der größten Grenzstadt der Region, ist zwar nicht ganz so schlimm wie gestern, dafür nieselt es und die Strecke ist länger. Dazu gesellen sich auf dem QL4A massenweise Busse, LKWs und andere Verkehrsteilnehmer, die uns spüren lassen, dass wir uns auf unseren Motorrädern am unteren Ende der Nahrungskette befinden. Die Strecke wäre bei schönem Wetter sicherlich auch durch ihre Schönheit aufgefallen – heute jedoch nicht.

In Lang Son trinken wir an einer Straßenecke einen Kaffee mit einer Gruppe sehr lustiger alter Menschen. Sie passen auf unsere Motorräder auf, während wir nach einer netten Nha Nghi suchen. Abends schlendern wir über die Attraktion der Stadt, den Night Market. Er ist vollgestopft mit billigen Chinaprodukten. An einem Stand probiere ich frisch gebackene Reisküchlein. Sie schmecken hervorragend.

Dort sitzend, werden wir von einem jungen Vietnamesen in sehr gutem Deutsch angesprochen. Er lebt in Deutschland und ist zu Besuch bei seiner Familie. Er wird von einem älteren deutschen Herren begleitet, der recht mürrisch dreinsieht. Am Anfang kaufen wir ihnen die Familienstory nicht ganz ab und halten die beiden für ein ungewöhnliches Liebespaar. Nach kurzer Zeit trifft jedoch eine laut schwatzende Gruppe vietnamesischer Frauen ein, die dem Deutschen lachend noch ein bisschen Geld abnehmen, bevor sie wieder zwischen den Ständen verschwinden.

 

04.03.2016

Unser letzter Stop vor Hanoi ist Bac Son, berühmt für seine – Überraschung – Karstlandschaft. Wir besteigen in Lang Son noch eine hübsche Festungsanlage mit tollem Blick, bevor wir uns über den QL1B, in Erwartung einer weiteren Alptraumstraße, endgültig von der chinesischen Grenze abwenden.

  • schöner Blick von hier oben
  • Julia genießt den Ausblick

Hurra, die Straße ist in gutem Zustand! Wir fahren mit vernünftiger Geschwindigkeit entlang eines bildhübschen Flusses, dann wieder durch die bezaubernden Berge. Wir kommen durch mehrere Dörfer, in denen offenbar Sternanis angebaut wird. Er liegt, wie die Chilis in Kambodscha (LINK), zum Trocknen auf großen Tüchern am Straßenrand und verbreitet seinen starken Duft. Da ich keinen Anis mag, bin ich insgeheim ganz froh, als das wieder aufhört.

In einer kleinen Suppenküche wollen wir ein spätes Mittagessen zu uns nehmen. Die Betreiberin ist untröstlich, dass sie uns leider kein Suppenfleisch mehr anbieten kann – nur noch Innereien, die sie auf einem Teller präsentiert. Meine Hot Pot-Erfahrung aus Cao Bang ist noch recht frisch, weshalb ich eine wohl ein rechtes Gesicht mache. Die Dame versichert uns mit Händen und Füßen, dass sie die uns angebotenen Organe natürlich schneiden und kochen wird, bevor wir sie kriegen. Sie kann ja nicht wissen, dass wir verzogenen Gören selten Innereien essen. Der Hunger siegt am Ende und wir suchen uns die Leber aus. Herz und ein unidentifizierbares weiteres Teil lassen wir lieber aus.

Und wieder wird unser Mut belohnt: Die Suppe schmeckt fantastisch. Die Leber ist zart und so frisch, dass sie offenbar erst seit ein paar Stunden nicht mehr Teil eines Tieres ist. Gut gestärkt fahren wir weiter und erreichen Bac Son am Nachmittag.

 

05.03.2016

Das Wetter schlägt über Nacht wieder in Regen um. Wir hatten vor, auf einen der Berge zu steigen, brechen jedoch bald ab, da alles schlammig, rutschig und mir zu gefährlich ist. Zudem hängt Nebel im Tal, die versprochene Aussicht würden wir wahrscheinlich eh nicht haben.

Wir kommen zurück in unsere Nha Nghi, deren Innenhof zum Bersten gefüllt mit Menschen ist. Hier feiert heute ein junges Paar Hochzeit und wir müssen mitten durch die Gesellschaft laufen, um zu unserem Zimmer zu gelangen. An mehreren Tischen sehen wir freundlich lächelnde, einladende Gesichter. Wir wollen aber keinesfalls stören, weshalb wir nett zurücklächeln und uns zurückziehen.

Nachmittags lässt der Regen nach und wir begeben uns auf eine kleine Motorradfahrt ins Umland. Leider ist uns das Glück auch hier nicht hold und der Regen kommt für eine zweite Runde wieder. Als Malte mich wieder auf irgendwelche Holperpfade ins Hinterland der Berge führen will, weigere ich mich. Wir verpassen bestimmt eine schöne Landschaft, aber es regnet in Strömen und die letzten Tage stecken mir noch tief in den Knochen. Zum Glück lenkt er schnell ein und wir fahren zurück zu unserem Guesthouse.

Abends kommen wir den Besitzerinnen und ihrem Küchenteam nicht mehr aus: Bereits am Vorabend waren sie drauf und dran, uns zum Essen einzuladen. Heute werden wir einfach an einen Tisch mit lauter Damen unterschiedlichen Alters gesetzt, die ohne weitere Umschweife beginnen, uns zu mästen. Sie picken uns die besten Stücke des Fleischs heraus und sobald unsere Schüsseln halbleer sind, gibt es Nachschlag. Ich bemühe mich sehr, alle Namen zu lernen und es wird viel gelacht – mit und über uns.

Nachdem wir erfolgreich eine weitere Portion abwehren konnten, füllen unsere Gastgeberinnen (es sind etwa 20-30 Frauen insgesamt) uns mit Reisschnaps ab. Mit Malte trinken sie besonders gern und so manche ältere Dame hätte ihn sicher gerne zum Schwiegersohn ihrer Tochter gemacht.

 

06.03.2016

Der Rückweg von Bac Son nach Hanoi ist recht ereignislos. Die schönen Berge verlassen wir durch ein reizendes Flusstal, bevor wir Thai Nguyen wieder erreichen. Ab hier wird der Highway zum altbekannten Moloch aus Abgasen, hupenden LKWs und mehreren Nahtoderfahrungen. Ich ziehe irgendwann meine Atemschutzmaske an und fühle mich richtig krank, als wir endlich unser Hotel am Flughafen Hanoi erreichen. Wir streifen auch hier durch die Gassen der kleinen Stadt und spielen mit ein paar Kindern Fußball. Nach einer kräftigen Pho ziehen wir uns auf unser Zimmer zurück und freuen uns auf unseren Abstecher nach Bangkok.

 

One Response to Roadtrip durch den Nordosten Vietnams

  1. Die Nähe zu China ist offensichtlich. In Guilin schaut’s genauso aus, bloß dass man das Gebirge vom Fluss aus am Besten sieht. Toller Trip!

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